Via Suriname nach Trinidad & Tobago

Brasilien war wirklich toll und auch wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt des Landes gesehen habe, weiß ich, dass ich hierher zurück kommen werde und mir die anderen 95% des Landes auch anschauen möchte.

Mit meinem letzten Tag in Rio brach auch meine Rückreise an. Von Rio de Janeiro ging es mit dem Flieger über Belém und Cayenne (Französisch Guayana) nach Zanderij, wo ich  übernachtete. Von da aus ging’s dann weiter via Trinidad und Tobago (4 Tage) nach Grenada. Hier eine Karte zur kurzen Übersicht.

Auch wenn ich nur kurz in Suriname war, hat das Land den bislang schlechtesten Eindruck hinterlassen. Nachdem schon die landeseigene Airline zwei Stunden gebraucht hat, um mein Gepäck einzuchecken weil der Computer nicht ging, meinte dann der Grenzbeamte, dass ich ohne Visa nicht ins Land reinkomme. 🤔 Er zeigte auf eine Ecke und meinte, ich müsste dort auf meinen Transfer warten. Ich hatte natürlich meine Unterkunft schon gebucht und auch meine Hausaufgaben gemacht, so dass ich wusste, dass ich kein Visum benötige. Was er nicht sagte, dass ich doch einfach eine Touristenkarte kaufen kann. Nach kurzem googeln hatte ich das dann auch herausgefunden. Nur war niemand im Touristenkartenoffice. Derjenige, der dort arbeitete, kam dann eine halbe Stunde später 🙄 und meinte, dass die Touristenkarte 30€ oder 35$ kostet. Ich hatte natürlich weder Euro noch Dollar mit, hatte aber einen Geldautomaten direkt neben dem Office gesehen. Dieser spuckte zwar weder Euro noch US Dollar aus, aber dafür landeseigene Suriname Dollar. Also habe ich Suriname Dollar abgehoben, um dann zu erfahren, dass man nicht! in Suriname Dollar, sondern ausschließlich nur in US-Dollars oder Euro bezahlen kann. Kreditkarten wurden natürlich nicht akzeptiert 😡. Gott sei Dank, war da noch ein einziger sehr netter Kolumbianer in der Schlange, der mir das Geld lieh, um es ihm in Suriname Dollar zurückzugeben. Wieder mal ein Hoch auf die unheimliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft von Kolumbianern. Ein wirklich dummes System haben die dort – anscheinend will man keine Touristen. 😤

Naja im Guesthouse musste ich natürlich auch in Dollar bezahlen, sagte aber gleich beim Einchecken: „Entweder ihr nehmt die Suriname Dollar oder es gibt nix!“ Selbst bei der Ausreise waren alle mega unfreundlich. Gastfreundschaft wird halt verschieden gelebt.

Anschließend ging’s weiter nach Trinidad und Tobago und dort gewann ich einen viel besseren Eindruck. Ich hatte nämlich versucht, per Couchsurfing eine Unterkunft zu finden, mich aber dann spontan umentschieden, um  zwei  meiner vier Tage auf Tobago zu verbringen. Eine Freundin von mir (danke Alex für den Tipp), kannte ein gutes Guesthouse auf Tobago, bei dem ich direkt buchte.

Via Couchsurfing kam ich auch mit Chris, einer Trini, in Kontakt, die mich mit ihrem Auto abholte, bei der ich meine Sachen abladen konnte und dann den ganzen Tag mich durch Trinidad fuhr, um mir Land, Leute und Kultur zu zeigen. Die Insel ist erstaunlich erschlossen, ziemlich industrialisiert – dank Erdölvorkommen – und fast amerikanisch im Dauerstau. Trotzdem konnte ich Doubles probieren – wie festere Pancakes in Sauce getränkt – die man direkt von der Hand ist. Vollkleckern garantiert!

Außerdem besuchte ich den wunderschönen Maracas Beach und nach dem Bad in den Wellen Bake&Shark ausprobieren. Eine Art frisiertes Brötchen mit Haifischfleisch, Saucen, Mango Chutney und einem Haufen leckeren Extras zum selber draufmachen.

Musikalisch wurde ich voll auf die Karibik getrimmt und kannte die Top 10 der karibischen Hits nach einem Tag. Mein Favorit ist immer noch Splinters:

Ab gleichen Abend ging es dann in meinen fünften Flieger innerhalb von zwei Tage für den 20 minütigen Flug nach Tobago.

Hier verbrachte ich zwei wunderschöne Tage auf der traumhaft karibischen Insel. Am ersten Tag ging’s  zum Tauchen mit Schildkröten, Moränen und einem monströsen Riesenzackenbarsch der bestimmt locker 2,5m lang war und laut Schätzung des Divemasters locker 150kg gewogen hat. Abends machte ich dann mit Puncheon Bekanntschaft, dem 75%igen Tobago Rum – fieses Zeugs.

Am nächsten Tag stand beach hopping mit dem Motorboot von Brandon, dem Besitzer des Fish Tobago, auf dem Programm. Wir fuhren zu vier verschiedenen Stränden mit dem kleinen Boot, einer Kühlbox für Bier und Puncheon (nicht schon wieder 🙈). Ein ganz klasse Ausflug mit total schönem Sonnenuntergang zum Abschluss!

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Am nächsten Morgen ging es zeitig zurück zum Flughafen, wo mich Chris wieder abholte und noch einen weiteren Tag mit mir verbrachte. Wir fuhren wieder zum Strand und am Nachmittag in die Swamps, um die Scarlett Ibis Vögel zu beobachten, die zum Sonnenuntergang zu zehntausenden auf eine einzige kleine Insel in den Mangrovenwälder fliegen, um da ihre Nachtruhe zu halten. Der Himmel war rot von Ihnen und die Insel die am Anfang wie eine grüne Insel aussah, war kurz nach Sonnenuntergang rot geschmückt wie ein Weihnachtsbaum.

 

 

 

Nach dem Besuch der Swamps ging es dann wieder zum Flughafen, denn mein Flug nach Grenada stand an. Hier traf ich auf die Affenbande aus Berlin, um unseren ersten Katamaran Segeltörn zu starten. Davon gibts aber im nächsten und wohl letzten Artikel meiner Reise mehr.

Bonito & Rio de Janeiro

Ich hatte noch 3 Wochen bis ich mich mit meinen Freunden aus Berlin auf Grenada treffen würde und ich wollte diese Zeit in Brasilien verbringen. Ein Freund aus Berlin, Fernando, der ursprünglich aus Brasilien kommt, gab mir ganz viele Tipps, was ich in dieser Zeit machen könnte und nach etwas Recherche entschied ich mich mit dem Nachtbus von Foz via Campo Grande nach Bonito zu fahren.

Bonito ist ein kleines Nest ungefähr 75km nördlich von der paraguayischen und 250km östlich von der bolivianischen Grenze. Es liegt südlich vom Pantanal. Bonito ist bekannt für seine extrem klaren und sauberen Flüsse und vielen Höhlen. Ich hatte drei Tage hier und wollte unbedingt in die Abyss Anhumas – einer 150 Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle. Hier seilt man sich 72m in die 190×80 Meter große Höhle ab. In der Höhle befindet sich ein See in dem man Schnorcheln oder, wie ich, tauchen gehen kann. Für mich ein ganz besonderes Erlebnis, da ich noch nie im Süßwasser tauchen war, geschweige denn in einer Höhle!

Das Abseilen war schon eine sehr, sehr adrenalinehaltige Angelegenheit. 72m sind verdammt hoch und nur an einem Seil hängend, sich langsam abzuseilen, setzt schon ein wenig Schwindelfreiheit voraus. Unten angekommen, ging es dann in den dicken Neopren, da das Wasser nur 20 Grad hatte. Es gibt bis auf ein paar kleine Fischis 🐟 kein Leben im Wasser. Aber umso beeindruckender waren die Jahrmillionen alten Cones, runde Stalagmiten, die teilweise bis 19m hoch waren. Auch sah ich ein paar Tierknochen von einem Ameisenbär, der wohl irgendwie in die Höhle gefallen und dann wohl verhungert ist. Der schwierigste Teil des Unterfangen jedoch war der Aufstieg. Neben der bereits benannten Schwindelfreiheit war auch gute Armmuskelkraft nötig, um sich wieder hochzuziehen. Im Großen und Ganzen ein geiles Erlebnis!

Am nächsten Tag ging es dann in den Rio Prata zum Schnorcheln. Aufgrund des hohen Kalkgesteinanteils im Boden, wird das Wasser der Flüsse regelrecht kristallklar gefiltert. Dies ermöglicht Sichtweiten von bis zu 40m – in einem Fluss! Also ging es mit Schnorchel und shorty Neopren bewaffnet ins Wasser. Der Neopren ist mehr dazu da, oben zu treiben, denn das Wasser ist angenehm warm. Man sieht viele Fische, die total entspannt neben einem und um einen herum schwimmen und sich gar nix aus den komischen Besuchern in den schwarzen Anzügen machen. Wir sahen die Affen über uns in den Baumwipfeln hin und herspringen und sogar einen Kaiman am Ufer chillen. Bekanntschaften mit Schlangen, die dort leben und auch gern mal den Fluss kreuzen, gab es glücklicherweise nicht.

Bonito hat mir sehr gut gefallen, jedoch macht sich der ausgebaute Ökotourismus auch im Portmonee bemerkbar. Günstig, ist meines Erachtens anders.

Von Bonito ging es mit dem Abendbus nach Campo Grande zurück von wo aus ich 3:40 Uhr morgens den Flieger nach São Paolo nahm um dort in den Flieger nach Rio umzusteigen.

Von Rio de Janeiro hört man ja im vornherein schon ziemliche Gruselgeschichten was die Sicherheit angeht. Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich weder beraubt, beklaut, erstochen oder erschossen wurde. Mit Sicherheit gibt es Gegenden und da vor allem bestimmte Favelas, in die man besser nicht geht. Man sollte den Common Sense walten lassen und die in Medellin gelernte Papayaregel anwenden und dann passt das schon. Ich empfande es nicht schlimmer als in irgendeiner anderen südamerikanischen Großstadt wie Lima, Quito oder Bogota.

Nun aber zu den schönen Seiten. Rio ist einfach der Hammer. Bis dahin galt Buenos Aires als meine Lieblingsstadt, aber diesen Titel muss ich leider Rio verleihen, da Rio echt geil ist. Angefangen von der bizarren Landschaft mit den vielen Hügeln, über die Strände bis zu den Menschen habe ich in meiner Woche die ich da war einfach nur eine tolle Zeit gehabt. Ich habe den Zuckerhut und den Christus besucht, war zu einem Fußballspiel in Maracanã Stadion, hab an der Copacabana Caipi’s geschlürft, war auf einem Straßensambafest in einer ehemaligen Favela, hab die Zwei Brüder bestiegen und danach mir eine Favela angeschaut und richtig gut Mittag gegessen. Ich war in Lapa feiern (mehr als nur einmal) und habe die Vorbereitungen für Karneval bei diversen Straßen-Prekarneval Parties genossen.

Ich habe außerdem noch zufälligerweise meinen alten Schulkameraden Georg aus Reichenbach getroffen, den ich sicher 4 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte und mit ihm und seinem Kollegen aus Leipzig viele schöne Stunden verbracht.

Leider war die Zeit wie immer einmal wieder viel zu kurz und so musste ich mich auf den Weg gen Norden machen, wo meine letzte Station vor dem Abholkommando aus Berlin auf dem Plan stand. Es ging über Suriname nach Trinidad & Tobago zurück in die Karibik. Davon, gibts aber im nächsten Post mehr.

Eine Woche auf Rapa Nui 🗿

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass ich, wenn ich schon mal in Chile bin, den Abstecher auf die Osterinsel nicht vergessen darf. Nachdem ich ein österreichisches Pärchen kennen gelernt habe, die mir von ihren Erlebnissen erzählt haben und ich mich noch etwas mehr belesen hatte, war die Entscheidung klar. Ich fliege auf die Osterinsel!

Von Calama ging mein Weg über Santiago de Chile, wo ich einen Tag für Wäsche waschen und einkaufen verbrachte, bevor es dann mit Latam auf die entlegenste Insel der Welt ging.

Die Osterinsel oder Rapa Nui wie sie die Einheimischen nennen, liegt mitten im Pazifik knapp fünf Flugstunden oder 3800km vor der chilenischen Küste. Die Insel ist 20x12km groß und hat rund 5000 Einwohner. Sie wurde von dem Holländer Jacob Roggeveen als ersten Europäer am Ostersonntag 1722 entdeckt. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit knapp 250 Jahren besiedelt. Die Ureinwohner, auch Rapa Nui genannt, stammen vermutlich aus Polynesien und sind im 15 Jahrhundert mit kleinen Kanus die knapp 4000km dorthin gepaddelt und haben die Inseln besiedelt. Verrückt oder? Mir ist es ein großes Rätsel, wie das geklappt haben soll, aber irgendwie haben sie es doch geschafft. Als Roggeveen die Insel entdeckte, lebten rund 15000 Menschen hier in Clans organisiert und teilten die Insel unter sich auf. Der Entdecker fand viele Steinkopfstatuen auf der ganzen Insel verteilt, sogenannte Moai 🗿. Diese wurden auf Ahu’s aufgestellt, eine Art Altar um die Ahnen zu verehren die die Moai repräsentierten. Als 50 Jahre später James Cook zu der Insel kam, fand er die meisten Statuen umgeworfen. Es schien, als ob es zwischen den Clans Krieg gegeben hatte und der zu dieser Verwüstung führte.

Archäologen fanden später heraus, dass es wohl zu einer Überbevölkerung kam. Unter deren Folge waren die Ressourcen der Insel beinahe ausgeschöpft und es kam zu Streitereien zwischen den Clans. Das ist ein  klassisches Beispiel dafür, dass eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zur Auslöschung fast einer ganzen Kultur führen kann. 1888 annektierte Chile die Insel in verpachtete das Eiland an eine britische Wollhandelsfirma. Diese verbannte die noch wenigen verbliebenen Einwohner nach Hanga Roa und verbot ihnen, den Rest der Insel zu betreten. Peruanische Sklavenhändler verschleppten zudem tausende Rapa Nui, um diese zur Zwangsarbeit zu zwingen. Als diese zurückkehrten, brachten sie Krankheiten mit, die die Bevölkerung auf 118 Mann dezimierte.

Seitdem kämpfen die Einwohner damit, die gleiche Rechte wie die Chilenen zu bekommen. Dieses Jahr werden erstmalig große Teile der Insel inklusive dem Nationalpark von der chilenischen Regierung zurück an die Rapa Nui übertragen.

Meine Zeit hier auf der Insel kam ich im Mihinoa Campingplatz unter und mietete mir ein Zelt. Tagsüber ist es 22-24 Grad warm und abends wird’s nicht kälter als 18 Grad. Die Wassertemperatur ist zur Zeit 22 Grad warm, steigt aber im Sommer bis 27 Grad an. Also perfektes Klima, obwohl es immer etwas windig ist. Es fühlt sich hier, wie eine Mischung aus Hawaii und Irland an.

Die Insel selbst hat kaum noch Wälder und ist geprägt durch größtenteils karge Landschaften mit grünen Wiesen und überall Lavasteinen. Das ist auch irgendwie logisch, denn sie ist vulkanischem Ursprungs. Es gibt mehrere große Krater die bis zu 500m übers Meer gewachsen sind, jedoch nicht mehr aktiv sind. Das Meer ist klar und fällt  recht schnell auf über 3000m Tiefe ab.

Am Tag meiner Ankunft machte ich einen kleinen Spaziergang durch den einzigen Ort der Insel. Ein niedliches Städtchen mit einer Einkaufsstraße, kleinem Hafen, Restaurants, Souvenirläden, Tourigeschäften und einer Autovermietung. Man lebt hier ausschließlich vom Tourismus. Auf dem Weg in den Ort und im Ort selbst traf ich schon auf die beeindruckenden Moai und den Ahu Tahai. Hier steht der einzige Moai, dessen Augen noch existieren. Einfach beeindruckend, wie die Menschen vor 500 Jahren mit einfachsten Mitteln und keinerlei Technologie so etwas aus dem Lavastein geschlagen, transportiert und aufgebaut haben. Das Museum gab wertvolle Informationen zu Herkunft, Religion, Herstellungstechnik und Geschichte der Rapa Nui und der Insel.

Da es am nächsten Tag leider immer noch stark regnete, entschied ich mich, gemeinsam mit einem Britten und einem Amerikaner einen kleinen Jeep zu mieten und zumindest trocken vom Auto aus die Insel zu erkunden. Ein mieses Gefühl hatte ich schon, als mir der Vermieter sagte, dass alle Mietwagen auf der Insel ohne Versicherung fahren. Aber es scheint ja zu funktionieren, also Unterschrift drunter und los gehts. Unsere Route führte die Südküste entlang. Immer wieder entdeckten wir Ahu’s und Moai, wobei die meisten allerdings umgefallen waren. Wir stoppten und schauten uns im strömenden Regen alles an. Nach zwei Stunden erreichten wir den Ahu Tongariki. Dieser ist mit seinen 15 Moai der wohl bekannteste Ahu und prägt das von der Osterinsel so typische Bild. In den Regenschwaden und den Wolken gab sich der Ahu in besonders mystischem Licht. Unsere Tour führte von da aus weiter nach Norden, wo wir an Pyroglyphen vorbei zur Anakenabucht fuhren.

Hier befindet sich der einzige Strand der Insel. Dank der Bestrebungen in den 1970ern und des damals gepflanzten Palmenhains kommt sogar ein wenig polynesisches Feeling auf. Majestätisch den Strand überwachend steht der Ahu Nau Nau, der besonders detailreiche Moai beherbergt. Diese waren im Sand verschollen und sind daher keinem Wetter ausgesetzt gewesen und damit noch sehr gut erhalten.

Fast alle Moai blicken ins Inselinnere und überblickten die Dörfer, die sich meist hinter den Ahu’s befanden. Sie sollten stets an die Vorfahren erinnern. Ausnahme bildet der Ahu Akivi. Er ist der einzige Ahu, dessen Moai aufs Meer schauen. Diesen besuchten wir auf dem Weg zurück nach Hanga Roa. Der erste Tag gab uns einen guten Einblick über die Insel und die Vielzahl an Ahu und Moai.

Am Abend ging ich mit Chris dem Kalifornier noch Fotos machen. Er ist professioneller Fotograf und ich lernte, wie man Sonnenuntergang und Nachthimmel richtig fotografiert, natürlich mit Moai im Vordergrund. Leider habe ich die Bilder auf meiner Kamera und ich habe zur Zeit keinen Rechner, um den einen oder anderen Shot mit in den Blog aufzunehmen. Aber ich werde den Artikel aktualisieren – sobald ich einen Laptop zur Verfügung habe.

Der nächste Morgen begann früh, denn wir wollten unseren Mietwagen voll ausnutzen und zum Sonnenaufgang zum Ahu Tongariki fahren. Was für ein magischer Moment, wenn die Sonne über den 15 Moai aufgeht.

Wir frühstückten noch auf dem Gelände und fuhren dann zur Geburtstätte der Moai dem Rano Raraku Steinbruch am Fuße des gleichnamigen Vulkans. Hier gibt es noch über 100 teilweise halbfertige oder noch im Stein befindliche Statuen. Es macht den Eindruck, als hätte man alles Hals über Kopf verlassen. Hier befindet sich auch den mit 21m größten Moai. Dieser befindet sich aber noch im Vulkangestein. Beeindruckend war auch, im Vulkankrater zu wandern. Auch hier sind an den Rändern noch viele weitere Moai und einen ganz tollen Kratersee.

Unseren Mietwagen gaben wir genau 23:59 Minuten nach dem Abholen wieder ab. German efficiency würd ich mal sagen 😝! Am Nachmittag war nach der sehr kurzen Nacht Ausruhen und Mittagsschlaf angesagt.

Am nächsten Tag ging es mit dem Fahrrad los. Die Nordküste wollte erkundet werden und obwohl der Parkwächter uns abriet, die Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, ließen wir uns davon nicht abbringen. Ich hatte ja meine Erfahrung mit Guiden von Radtouren auf unbekanntem Gebiet gemacht und so war ich ganz zuversichtlich, dass wir das schaffen.


Auf unserer Tour entdeckten wir Lavatunnelhöhlen, die direkt in den Klippen endeten, Knochen in anderen Höhlen, Ahu’s, ganz viele Moai, Reste von alten Rapa Nui – Dörfern, Pferde in freier Natur, so unheimlich beeindruckende, unberührte Natur und natürlich die eine oder andere Strecke, wo wir nicht fahren konnten und die Fahrräder schieben oder trugen 🙈. Insgesamt brauchten wir rund 5,5 Stunden für 22km bis zum Anakena Strand. Da Sonntag war, war die ganze Insel am Strand und die Einheimischen empfingen uns mit frisch gefangenen Fisch die sie über drei Holzscheite gebraten hatten. Einfach köstlich für die ausgehungerten Mountainbiker. #rapanuistyle


Ein kühles Cerveza am Strand und eine bitter nötige Abkühlung im Wasser machten uns wieder happy. Das Meer ist hier so klar, wie ich es in noch keinem anderen Meer gesehen habe. Man schwimmt weit raus und kann trotz Sandstrand immer bis zum Grund schauen und die Fische 🐠 erkennen. Das hieß für mich nur eins: Morgen geht’s tauchen!


Nach dem 50km Radfahren am Tag davor, hätten mich auch keine 10 Pferde mehr auf einen Sattel gebracht. So war meine Entscheidung, tauchen zu gehen genau richtig. Es ging mit dem Orca dive center zum Make Make Tauchplatz. Hier gab es Sichtweiten von über 60m. Unglaublich, wie klar und durchsichtig das Wasser ist. Der Grund dafür ist das Fehlen von Plankton im Wasser. Die Insel ist so weit Weg vom Festland, sodass kaum organisches Material vorhanden ist, das von den Flüsse ins Meer gespült wird. Wenn kein Plankton da ist, gibts auch keine kleinen Fische und wenn es die nicht gibt, gibts auch keine Großen. Somit war die Anzahl der Tiere unter Wasser beschränkt. Jedoch traf ich auf fünf Lobster in einer nie zuvor gesehenen Größe. 1,3m lang und schätzungsweise fünf Kilogramm schwer, hockten die Kollegen in einer Höhle auf 22m Tiefe und wunderten sich über den unangemeldeten Besuch der blubbernden Lebewesen vor ihnen.

Nachmittags ging es dann zur Kultstätte Orongo. Hier wurde früher der Vogelmannkult betrieben. Die Rapa Nui wählten nicht ihr Oberhaupt sondern ermittelten den König der Könige in einem Wettbewerb. Wer es als erstes schaffte, ein Seeschwalbenei von einem Felsen unterhalb des Vulkans Rano Kau im Wasser – den sogenannten Motos – zu holen und sicher auf das 300m über dem Wasser, auf dem Kraterrand liegende Orongo zu bringen, wurde Chef. Wäre vielleicht eine Alternative zu Jamaika und Neuwahl. 😂


Am nächsten Tag ging es genau zu diesen Motos. Ich konnte mir doch nicht den besten Tauchspot der Insel entgehen lassen. Sichtweiten von 70m, 50m senkrecht abfallende Steilhänge, Überhänge und Geröllhalden unter Wasser ergaben eine der krassesten Unterwasserlandschaften, die ich je gesehen habe. Einfach nur wow! Jeden Abend gab es dann noch Sunset + Vino. Eine sehr gelungene Kombination.


Am letzten Tag nahm ich mir noch die Wanderung auf den höchsten Pubkt der Insel dem 510m hohen Vulkan Mauna Terevaka vor. Alleine zog ich los und wurde zwischendrin von einer älteren Dame ein paar Kilometer mitgenommen. Trampen funktioniert hier echt gut. Dann von Ahu Akivi noch 5 km bergauf und dann bloß nicht vom starken Wind wegwehen lassen! Die Aussicht ist toll und es herrscht eine so friedliche Stimmung. Ich musste direkt erstmal ein kleinen Mittagsschlaf im Gras machen, bevor es dann wieder zurück ging. Auf dem Rückweg hat mich dann noch eine Rapa Nui auf dem Moped mitgenommen, natürlich ohne Helm 🙈. Hier ist die Welt noch in Ordnung.


Leider ist so eine Woche schnell rum und nun geht es wieder zurück nach Santiago. Hier treffe ich auf Tobi aus Berlin. Gemeinsam wollen wir ein paar Tage verbringen und dann später in Patagonien wandern gehen. Deswegen freut euch auf den nächsten Artikel, den es in ein paar Tagen geben wird.

Colombia Teil 4 – Sprachschule und San Andres

Ganz vorab erstmal – mir gehts hier in Kolumbien richtig gut. Keine Verluste, kein Ausrauben, kerngesund und frohen Mutes endlich Spanisch zu lernen, besuchte ich die ersten 2 Wochen nach meiner Ciudad Perdida Tour die Toucan Sprachschule in Cartagena. 

Die Sprachschule hat ganz neu eröffnet und Cartagena ist somit die dritte Niederlassung von Toucan in Kolumbien nach Medellin und Bogotá. Ich konnte sogar von dem Eröffnungsangebot Nutzen machen, in dem ich zwei Wochen Sprachschule für den Preis von Einer bekommen habe. Unterrichtet wurde ich von Andrea und Norman, zwei Lehrern aus Cartagena, die wirklich einen tollen Job gemacht haben. Mit in der Klasse waren zwei Briten, aus Manchester, mit denen ich mich ganz hervorragend verstanden habe und ganz viel Spaß hatte. Beide waren, wie ich, sehr bestrebt möglichst viel mitzunehmen und so haben wir nach unseren 4 Stunden Unterricht von 9-13 Uhr am Nachmittag immer zusammen geübt und Hausaufgaben gemacht. 


Die Schule organisierte auch Nachmittagsaktivitäten wie Stadtführung, Obstverkostung, Kochkurs, Salsa- und Champetaunterricht oder eine Fahrradtour. Von den Aktivitäten haben wir natürlich immer Gebrauch gemacht, um neben dem Unterricht möglichst viel von Land und Leuten mitzunehmen. 


Natürlich muss man die 2 Wochen realistisch sehen und meine Spanischkenntnisse sind jetzt nur eine kleine Grundlage, auf der ich aber aufbauen kann und immer wieder versuche mit den Locals hier Konversationen zu führen. Ich denke, dass klappt auch ganz gut, wenn ich nur nicht immer die Vokabeln vergessen würde. 🙈 Früher ging das irgendwie einfacherer 😂 

AmWochenende  zwischen den beiden Wochen waren wir feiern in der Stadt und in Boca Grande am Strand. Es gibt wirklich schlimmeres.  😝

Am letzten Wochenende sind wir dann auch noch zum kleinsten Vulkan des Landes gefahren, Den nur 15m hohen Vulkan kann man einfach über eine Treppe besteigen und im Kegel im Schlamm baden. Schon irgendwie lustig, weil man ähnlich wie im Toten Meer nicht untergeht und oben auf dem Schlamm treibt. Natürlich ist die Brühe gut für die Haut und wir hatten unseren Spaß uns gegenseitig unterzutauchen. 

Nach meinen zwei Wochen in Cartagena, bin ich dann auf die Insel San Andres geflogen. San Andres liegt circa 800km nordwestlich von Cartagena und 150km vor der Küste von Nicaragua, mitten in der Karibik. San Andres ist 12km lang und 3km breit und wird von rund 70.000 Einwohnern bewohnt. Die Insel war immer wieder Streitpunkt zwischen Kolumbien und Nicaragua und ist eine der wenigen Gegenden Kolumbiens, in der neben spanisch auch englisch gesprochen wird. Dies ist auf die Creolische Bevölkerung zurückzuführen, die im 17 Jhd von den Briten als Sklaven auf die Insel gebracht wurde und deren Nachfahren heute noch auf der Insel leben. 



Die Insel und umliegende Riffe sind paradiesisch schön und besonders für die top Tauchspots bekannt. Da ich die Unterwasserwelt liebe, war meine Hauptbeschäftigung auf der Insel auch das tägliche Tauchengehen. Ich fand sogar eine deutschsprachige Tauchschule namens „Karibik Diver“, die von Christian aus Bayern betrieben wird. Er lebt bereits 3,5 Jahre auf San Andres und hat hier bereits über 2000 Tauchgänge gemacht. In meinen sieben Tauchgängen mit ihm, habe ich eine wahrlich Traumhafte Unterwasserwelt und ganz viele tolle Tiere gesehen. Dazu zählten Ammenhaie, Riffhaie, Lobster, Moränen, Flughähne, Bracudas, Stachelrochen und sogar einen Mantarochen mit über 2m Spannweite. In über 2000 Tauchgängen, hat Christian nur einmal vorher einen Mantarochen in San Andres gesehen – also absolutes Glück gehabt! 

An einem Nachmittag habe ich mir dann ein Fahrrad genommen um die Insel einmal zu umfahren. Der Norden mit der Hauptstadt ist nicht so sonderlich schön da viele Touristen und nicht so schöne Gebäude in den Hinmel ragen. Der Rest der Insel ist jedoch so karibisch, wie es nur sein kann – mit Palmen, weißen Stränden und azurblauem Wasser. Im Inneren der Insel gibt es eine Süßwasserlagune, in der sogar Krokodile oder Caimane wohnen. Wie die da hin gekommen sind? Keine Ahnung! 🤷‍♂️


Nach fünf Tagen war meine Zeit leider wieder vorbei und ich bin in den Flieger zurück aufs Festland. Mein nächstes Ziel ist Bogotá. Hier treffe ich mich mit einem Freund aus Cabo bei dem ich ein paar Tage bleibe, bevor es weiter nach medellin und eventuell Salento geht. Von Bogotá und Medellín Berichte ich aber in meinem nächsten Blogpost. 

Viele Grüße in die Heimat und vielen Dank für euer Interesse!