Das argentinische Patagonien 🇦🇷 – El Calafate & El Chaltén

Es heißt nicht umsonst „das Ende der Welt“ , denn weiter südlich als Punta Arenas ging es nun wirklich nicht. Die einzige Option, noch südlicher zu kommen, wäre ein Fährtrip nach Feuerland gewesen. Leider reichte mir die Zeit nicht und so behalte ich mir noch einige Flecken offen für meinen nächsten Besuch dieser schönen Gegend.

Mir verblieb der Wechsel von Chile nach Argentinien und genau das tat ich dann auch. Die Ostseite Patagoniens in Argentinien bietet auch unbeschreiblich schöne Gegenden und Orte und ich beschloss, per Bus die fünf Stunden dauernde Reise von Puerto Natales ins argentinische El Calafate zu fahren.

El Calafate ist eine sehr touristische Stadt, viele Stunden entfernt von der nächsten bewohnten Gegend. Berühmt ist es durch den nahe liegenden und einfach erreichbaren Gletscher Perito Moreno, den ich am nächsten Tag natürlich besuchte.

Da die Busfahrt für 30€ hin- und zurück zu teuer war, entschied ich mich spontan zu hitch-hiken. Schnell eine knappe Stunde ans andere Ende der Stadt gelaufen, 20 Minuten gewartet und schon nahm mich ein supernettes Pärchen aus Pensilvania mit, die mit ihrem Truck einmal von Süden nach Norden in Argentinien und Chile unterwegs waren und noch einen Platz frei hatten.

Der Eintritt zum Gletscherpark war trotzdem mit 25€ ganz schön happig, aber so ist das leider in Patagonien. Der Blick, den man auf dem gut ausgebauten,  vier Kilometer langen Rundwanderweg über angelegte Balkone hat, ist jedoch umwerfend.

Der Gletscher ist einer der wenigen, die nicht schrumpfen, sondern sich seit knapp 40 Jahren im Gleichgewicht halten. Mit 70m Höhe und 5km Breite ist der circa 35km lange Gletscher einer von über 90 Abflussgletschern des südpatagonischen Eisfeldes, dem drittgrößten Kontinentalgletschergebiet der Welt nach der Antarktis und Grönland. Die Gesamtlänge beträgt rund 360km und an den dicksten Stellen ist das Eis circa 1400m dick!

Wir beobachteten fast minütlich, wie große und kleine Eisbrocken vom Gletscher abbrachen und ins Wasser fielen. Das Knacken und Krachen hörte man ununterbrochen. Das kommt wohl von den circa zwei Metern, die sich der Gletscher jeden Tag nach vorne schiebt. Die tiefblauen Farben waren einfach fantastisch. Die Bilder sprechen wieder mal für sich.

Von El Calafate fuhr ich dann mit dem Bus nach El Chaltén. Entlang riesiger Gletscherseen wie dem Largo Argentino fuhr der Bus in die Wanderhauptstadt Argentiniens. Mit mehr als 160km Wanderwegen um das berühmte Fitzroy-Massiv zieht es neben Wanderern auch viele Kletterer und Bergsteiger an.

In El Chaltén traf ich auch Chris und Lilly wieder. Das waren die zwei aus Pensilvania, die mich mit zum Gletscher Perito Moreno nahmen und wir entschieden uns spontan, mit dem Zelt loszuziehen und neben den Fitzroy auch den Cerro Torre anzuschauen und eine Nacht am Fuße der Laguna Torre zu zelten, um den Sonnenaufgang anzuschauen.

So wanderten wir knapp 30km in den 2 Tagen und hatten ziemliches Glück mit dem Wetter am ersten Tag. Fitzroy zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Sonnenaufgang war toll, auch wenn wir den Torre nicht sahen, freuten wir uns an einem wunderschönen Regenbogen, denn es regnete wieder einmal – Patagonien halt 😉

Damit hatten wir aber noch nicht genug vom Wandern. Von einigen Leuten erfuhr ich vom sogenannten Circuito de Huemul, einem der beeindruckendsten Wanderungen hier im Süden. Er führt vier Tage am Lago Tunél vorbei, über einen Gletscher zum Paso de Viento hinter die Bergkette, die das patagonische Eisfeld einkesselt. Über den Pass kommend, sollte man hier den Blick aufs Eisfeld bekommen. Die Geschichten um den Trek klangen einfach zu spannend, um ihn nicht anzugehen und so suchte ich mir Mitstreiter, die darauf Lust hatten.

Lustigerweise traf ich im Burger&Beer Aaron aus Pucon wieder. Der gebürtige New Yorker fährt seit sechs Monaten mit dem Motorrad von Kolumbien bis nach Patagonien und kam gerade von der Careters Austral. Er wollte eben genau diesen Trek auch machen und so gingen die Vorbereitungen für den nächsten Tag los.

Bei den Parkbehörden hatten wir uns bereits am Tag zuvor registriert – sie meinten, dass sei für den Fall, dass wir nicht zurückkommen sollten, eine Search&Rescue – Crew schicken. Außerdem benötigten wir auch noch Gurtzeugs, aber dazu später mehr. Abmarsch war 6:30 Uhr morgens, um das günstige Wetter zu nutzen. Wir entschieden uns deshalb auch, den Trek von vier auf drei Tage zu kürzen. So mussten wir am ersten Tag 30km und 1500 Höhenmeter zurückzulegen, damit wir über den Paso de Viento (windiger Pass) kamen, der wie sich später herausstellte tatsächlich recht stürmig war.

So ging es bergauf in das Tal des Rio Tunél, vorbei am ersten Campingplatz, bei dem unser Gurtzeug zum ersten Mal zum Einsatz kam. Wir mussten nämlich über den Fluss kommen und der Eiswasser führende Fluss war tief und wild. Aber wir fanden eine Zipline, an der wir uns über den Fluss hangeln konnten. Circa  zehn Meter über dem reißenden Fluss ging es hinüber – ein wahrer Adrenalinrausch!

Von hier aus ging es nun circa eine Stunde über einen Gletscher Richtung Paso de Viento. Um diesen zu erreichen, stiegen wir circa 700m steil bergauf. Der Wind war schon unten ganz schön stark, aber oben angekommen blies er uns fast von den Füßen. Ich schätze, dass so manche Böe locker 100kmh oder mehr hatte. Jedoch hatten wir von oben den ersten atemberaubenden Blick auf das Eisfeld.

Nun ging es noch circa 3,5h entlang einer riesigen Moräne zu unserem ersten Campingplatz für die Nacht. Es gab ein kleines Refugio in dem man  Kochen konnte und unser Zelt wurde durch eine kleine Steinmauer geschützt. Nach knapp 11h Wandern waren wir gut ko und die Beine brannten.

Die Nacht war aufgrund des Sturmes eher unruhig und so manchmal dachte ich, dass wir samt unserem Zelt wegfliegen. Trotzdem schliefen wir 12 Stunden und machten uns als letzte Wandergruppe auf den 18km langen Weg entlang des patagonischen Eisfeldes, über den Paso de Huemul in Richtug des zweiten Campingplatzes. Um dort hinzugelangen, mussten wir wieder 600m absteigen und einmal uns sogar abseilen.

Dieser zweite Campingplatz war der schönste auf dem ich jeweils war. Direkt am Lago Argentino gelegen, mit Blick auf das Ende des Gletschers und mit riesigen Eisbergen direkt vor unser Nase. Aaron hatte noch eine kleine Flasche Whiskey dabei, die wir uns genüsslich mit sicher 5000 Jahre altem Gletschereis gönnten. Durch ein paar Windböen wurden wir beide um halb zwei wach und von einem überwältigenden Sternenhimmel überrascht und schossen ein paar tolle Fotos. Thanks Aaron for some of the picture!

Zum Sonnenaufgang klingelte der Wecker und wir sahen, wie die Sonne blutrot die Berge und die Eisberge anstrahlte. Nach dem Frühstück ging es wieder los und mehr irrend als einem Pfad folgend liefen wir zur Bahia Tunél. Hier konnten wir fast über den gesamten Lago Argentino in seinem typischen Gletscherblau schauen. Muy Bueno!

Eine letzte Flussüberquerung mit dem Gurtzeugs war trotzdem noch nötig, aber mittlerweile waren wir ja Profis darin. Ein netter Einwohner nahm uns in seinem Auto zurück nach El Chaltén, wo wir uns verdient ein halbes Kilo schweres Argentinisches Steak gönnten. Que rico!

Für mich war der Huemul der schönste Trek, den ich in Patagonien gewandert bin und ich würde ihn alleine für den zweiten Zeltplatz noch mal laufen. Also wer Lust hat und mich hierher zurück mitnimmt, ich bin dabei!

Ciao ciao Patagonia, für mich gehts nun weiter Richtung Norden. Nächster Stopp, Buenos Aires.

Chile‘s Süden Teil 2 – Patagonien

Patagonien ist für viele der Traum von wahrer Freiheit, unberührter Natur und spektakulären Landschaften. Für mich ist dieser Traum wahr geworden und obwohl ich leider nur einen kleinen Ausschnitt der riesigen Gegend gesehen habe, verstehe ich nun, warum Patagonien für viele diese Sehnsucht danach bedeutet.

Ich traf mich in Punta Arenas wieder mit Tobi, der wie ich auch, eine traumhafte Zeit in der Atacama Wüste hatte und mal eben die 3700km in den Süden geflogen ist. Wir besuchten den Reservation Nacional de Magallanes und wanderten einen Tag durch die dichten Letunga Wälder und genossen den Blick auf die Magellanstraße, die die südliche Spitze von Südamerika und Feuerland trennt. Benannt nach dem Seefahrer, ist sie die Verbindungsstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Immer wehende kalte und starke Winde, Regen und Schnee bestimmen ganzjährig das Wetter.

Wir besuchten zusammen mit einer Freundin, die ich in Pucon kennen gelernt hatte, die Isla Magdalena, die auch Pinguininsel genannt 🐧 wird. Hier brüten rund 60000 Magellanpinguine ihre Eier aus und es ist ein herzliches Schauspiel, diese putzigen Tiere zu beobachten. Auf dem Rückweg mit dem Boot sahen wir dann auch noch Delfine. Sie sind die kleinsten Delfine der Welt, die hauptsächlich in der Magellanstraße leben.

Von Punta Arenas ging es dann nordwärts nach Puerto Natales. Puerto Natales ist der Ausgangspunkt für Wanderungen in den Torres Del Paine Nationalpark. Wir bereiteten uns gut für unsere 8-Tageswanderung vor, kauften Essen, liehen uns ein Zelt, Isomatte und Gaskocher aus und klärten die letzten Zeltplatzreservierungen. Den Ärger mit der Reservierung will ich hier nicht erörtern, aber so viel sei gesagt: Drei Firmen betreiben die Campingplätze im Nationalpark und in klassisch südamerikanischer Manier ist der Prozess der Buchung absolut chaotisch, frustrierend und nervig. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft und obwohl wir nicht überall einen Zeltplatz bekommen haben und zwei Nächte in überteuerten Refugios übernachten müssen, können wir unseren Trek beginnen.

Tag 1: Anreise und Wanderung nach Serónit

Mit unseren 20kg schweren Rucksäcken, ging es am ersten Tag frühmorgens zur Bushaltestelle. Wir hatten schon ganz schön zu schleppen. Wir mussten alles mitnehmen, von Klamotten für eine Woche (2 T-Shirts, eine Hose, Leggins, Fleecejacke, Regenjacke, Daunenjacke, Handschuh, Mütze und Unterwäsche), Essen (Fertiggerichte, Haferflocken + Milchpulver + Kakaopulver in praktischen ziplockbags verpackt fürs Frühstück, Müsliriegel, Schokolade, Nutella für tortilla wraps und einer kleinen Flasche Rum) und natürlich Koch- und Zeltutensilien. Da kommen schnell 20kg zusammen.

Der Bus fuhr uns in knapp drei Stunden zum Parkeingang, wo wir erstmal 25€ Eintritt bezahlen und ein Lehrvideo über das  Verhalten im Park anschauen „durften“. Feuer anzünden ist selbstverständlich verboten und auch jeglicher Müll muss wieder mitgenommen werden. Nach dieser notgedrungenen Unterweisung ging’s los und wir wanderten die ersten 15 Kilometer zum Campamiento Seron auf der Ostseite des Parks. Es schien die Sonne und es war mit 15 Grad angenehm warm. Unser Weg führte durch saftige Wiesen mit ganz vielen Margarittenblumen, entlang des Rio Paine. Am Zeltplatz angekommen, bauten wir das Zelt auf und legten uns beim einsetzenden Regen erst einmal hin, um ein kleines zweistündiges Nickerchen zu machen 🙈.  Abends gab’s leckeres Essen und wir spazierten noch eine Runde im Kreis, bevor es um 9 ins Zelt zurück ging. Lustigerweise trafen wir natürlich nach fünf Minuten im Park den ersten Deutschen – Jens aus Dresden war allein unterwegs und man traf sich immer mal wieder entlang des gesamten Trips.

Tag 2: Wanderung zum Refugio Dickson

Es wird früh hell im Sommer und die Sonne ist von morgens um 5 bis abends um halb 11 am Himmel. Somit ging unser Tag natürlich auch früh los und nachdem wir gefrühstückt und unser Zelt abgebaut hatten, liefen wir los Richtung Refugio Dickson im Norden des NP. Das Wetter spielte mit und wir liefen rund 20km an diesem Tag. Das Refugio liegt direkt am Lago Dickson und hier hatten wir nicht nur eine unheimlich tolle Aussicht auf die Rückseite der Torres, sondern auch auf die Gletscher, die im See mündeten. Es gab sogar Eisberge im See zu sehen. Total beeindruckend!

Tag 3 Wanderung nach Los Perros

Auch am dritten Tag spielte das Wetter einigermaßen mit. Es war bewölkt, ab und zu schien sogar die Sonne; wir hatten nur manchmal etwas Regen und am Ende schneite es etwas. Meist wechselte alles immer wieder ab und zwar innerhalb einer Stunde 🙈. Der Campingplatz Los Perros liegt am Fuße des Los Perros Gletscher. Wir trafen zum wiederholten Mal auf Jens, der mit uns dann beobachtete, wie das Eis abbrach und Lawinen abgingen. Globale Erwärmung? Hier definitiv life zu beobachten 😐.

Am Nachmittag gab es das obligatorische Mittagsschläfchen in der Wiese, bis Regen und Schneeschauer einsetzten. Wir stellten fest, dass die Portionsangaben auf den Fertigessen nicht so ganz dem Energiebedarf und Hunger von 2 großen Männern entsprach und so tauschten wir ein halbes Glas Nutella und 2 Runden Rum mit einer Gruppe Chilenen, die zu viel Essen mithatten und dies gerne loswerden wollten, bevor es am nächsten Tag über den John Gardener Pass ging.

Tag 4 über den John Gardner nach Campamiento y Refugio Grey

Dieser Tag war mein persönliches Highlight, neben den Torres selbst. Wir stiegen von knapp 450m über den 1200m hohen Pass in absoluten Schneegestöber und richtig starkem Sturm. Ich war so froh, die Stöcke dabeigehabt zu haben, denn ohne sie hätte man nicht stehen bleiben können. An dem Tag gab es auf dem Pass 20cm Neuschnee und wir wurden so richtig eingesaut. Windgeschwindigkeiten in Bögen von 100km/h ließen nicht wirklich Hochsommerfeeling aufkommen. Nochmal zum Vergleich: Wir liefen sozusagen einmal im Hochsommer über den Fichtelberg im Schneesturm gelaufen und fanden uns vor dem 30km langen und 5km breitem Grey Gletscher wieder, auf der geografischen Breite von Hamburg. Also das ist schon ein etwas anderes Klima hier. Der Blick aber auf eben diesen Gletscher mit seinen unzähligen Gletscherspalten, tiefblauem Eis und einem riesigen 300x380m grossem abgebrochenen Eisberg im Lago Grey ließ alle Unannehmlichkeit des Wetters vergessen.

Es tat richtig gut, dass wir dann im Refugio in einem richtigen Bett übernachteten, unsere Sachen trocknen konnten und abends vor einem Ofen auf dem Sofa uns ausruhen konnten. Letztendlich war es wohl doch nicht so schlecht, dass wir kein Zeltstellplatz mehr bekommen hatten 😝!

Tag 5 Wanderung nach Paine Grande

Die Wanderung nach Paine Grande war, abgesehen vom regnerischen Wetter und andauernden Starkwinden, wieder sehr beeindruckend aber nicht so lang wie die Wanderungen der vergangenen Tage . Entlang des großen Gletschersees Grey ging es größtenteils nur bergab. Wir erreichten das Camp nachmittags um 3, bauten unser Zelt auf und chillten im Kochhaus. Hier hätte man auch WLAN für starke sieben Dollar pro Stunde kaufen können. Wir haben dankend drauf verzichtet.

Tag 6 Paine Grande nach Frances

Die Nacht war sehr stürmig und der Zeltplatz war auch gut dem Wetter ausgesetzt. So waren wir recht früh wach, bauten ab und machten uns auf den Weg entlang vieler Seen nach Frances. Kurz vor dem Camp Frances gab es das von der Parkbehörde betriebene Campamiento Italiano.

Hier ließen wir unsere schweren Rucksäcke zurück und wanderten 2 Stunden lang das Valle de Frances hinauf zum Mirador Britanico. Hier sollte es wunderschöne Aussichten auf die Berge und auf den See am Fuße des Tales geben. Ob dies bei dem Regen bzw. Schnee so gut zu sehen war, fragten wir uns mehrfach, jedoch hatten wir Glück als wir oben ankamen. Neben Jens, der hinter einem Stein über eine Stunde darauf wartete, dass es aufklarte, passierte genau dies just in dem Moment, in dem wir oben ankamen. Gutes Karma, würd ich mal meinen. 😉

Tag 7 von Frances nach Torre Central

Da wir nur noch einen Platz in einem bereits vom Campingplatzbetreiber aufgebautem Zelt erhielten (günstige 30€/Person 🙄) kamen wir relativ schnell los. Entlang des Lago Nordenskjöld ging es zu unserer letzten Unterkunft, dem Campingplatz Central, relativ nah am Eingang des Parks.

Die 15km legten wir in gut 5h zurück. Der Wind machte und gerade am Lago Inge gut zu schaffen. Man könnte denken, dass der Zeltplatz nah am Eingang des Parks gut ausgestattet ist, jedoch gab es hier nicht einmal ein Kochzelt. Man merkt, dass der Betreiber, dessen Familie zufälligerweise der halbe Park gehört, doch mehr auf die zahlungskräftigen Touristen aus ist, die in den massiv überteuerten Refugios übernachten (>200$/Nacht!!!) und weniger an campenden Backpackern interessiert ist. Das ist sehr traurig, aber das ist eben Chile. Es ist mir unerklärlich, wie solch ein bedeutender Nationalpark halb in privater Hand sein darf. In manchen Camps der besagten Firma, muss man sogar eine Korkgebühr von 6€ verrichten, wenn man sein eigenen Wein mitbringt – unmöglich!

Tag 8 Auf zu den Torres del Paine

Das Wetter sah ja nicht so vielversprechend aus, jedoch machten wir uns auf den 9km langen Weg ins Tal der Torres um, halb umgeweht doch die weltberühmten Torres Del Paine im Sonnenschein erleben zu dürfen. Ein wirklich überwältigender Anblick dieser bis 2800m großen Granitberge vom Fuße des Lago Torres. Ein krönenden Abschluss dieser Achttagewanderung!

Vielen Dank an Tobi, der eisern durch Wind und Wetter durchgehalten hat, immer lustige Sprüche auf Lager hatte und eine wirklich klasse Wandersmann ist. Gerne wieder!

Chile‘s Süden Teil 1 – Das Seengebiet 🌋

Chile ist mit seinen knapp 4500km Länge schon ein großes Land. Nach einigen Tagen im Norden und der Woche auf der Osterinsel traf ich mich mit meinem Freund Tobias aus Berlin. Er plante, einen Monat Urlaub in Chile zu machen und da ich ja auch gerade hier bin, verbrachten wir einige Tage zusammen in Santiago und Viña Del Mar beziehungsweise Valparaíso. Während er nach San Pedro fuhr zog es  mich weiter Richtung Süden. Wir wollen uns dann später in Patagonien wieder treffen, um gemeinsam im weltberühmten Torres Del Paine Nationalpark wandern zu gehen. Dazu aber später mehr.

Ich fuhr also im Nachtbus von Viña Del Mar nach Pucon, einer kleinen, recht touristischen, aber niedlichen Stadt am Fuße des Villaricca Vulkans. Die Stadt selbst hat bis auf eine große Hauptstraße mit ziemlich vielen Outdoorgeschäften und Touristenunterkünften sowie einen schönen Strand am Villaricca-See nicht all zu viel zu bieten. Im Winter wird es jedoch von vielen Ski- und Snowboardfahrern und im Sommer von vielen Wanderern besucht. Ich quartierte mich im Chili Kiwi Backpackerhostel ein. Es ist ein sehr gemütliches Hostel direkt am See mit Zimmern im Haupthaus, in einem Baumhaus oder auch kleinen Hobbithütten mit Aussicht auf den Vulkan – wunderschön mit richtig gute Atmosphäre!

Von hier aus besuchte ich noch am Tag meiner Ankunft ziemlich coole Wasserfälle, die ein wenige Wanderstunden außerhalb der Stadt liegen.

Am nächsten Tag ging es in den Huerquehue Nationalpark – einer wahren Perle der Natur. Glasklare Gebirgsflüsse, saftig grüne Wälder, blauer Himmel und die letzten Schneereste. Es ist wirklich toll hier, wandern zu gehen.

Am nächsten Morgen ging es richtig früh los. Auf dem Programm stand die Besteigung des Villariccas 🌋. Der Vulkan zählt neben dem von mir schon bestiegenen Lascar, zu den aktivsten, wenn nicht sogar dem aktivsten Chiles. Er ist 2861m hoch und war noch komplett im Schneemantel, aber immer mit einer Rauchfahne versehen. Ich hörte, dass man oben im Krater sogar Lava sehen kann. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Besonders geil ist, dass man den Vulkan mit dem Snowboard wieder runterfahren kann. Nach 5 Stunden Aufstieg in einer leider sehr großen Gruppe von 15 Personen, habe ich mir mit einer Atemschutzmaske den Krater angeschaut. Lautes Knarren und Krachen war zu hören und ab und zu sah man dann tatsächlich Lava im Krater blubbern. Es hat jedoch sehr stark geraucht und die Gase brannten in den Augen. Gut das wir die Maske mit dabei hatten. Nach 20 Minuten am Kraterrand ging es dann 45 Minuten mit dem Snowboard durch fast unberührte Schneepisten. Einfach der Hammer im Sommer auf dem Board da runter zu ballern. 🏂

Am letzten Tag in Pucon mieteten wir uns ein Kayak und paddelten auf dem Lago Villaricca umher und sonnten uns an einem wunderschönen Vulkansteinstrand. Ich hab mich sogar ins Wasser getraut. Sehr erfrischend und kristallklar!

Der nächste Stopp war in Osorno. Hier besuchte ich meine ehemalige Mitbewohnerin Pamela aus Potsdam. Sie stammt ursprünglich aus Quito, wohnt und arbeitet aber schon eine ganze Weile in Chile. Sie hat ein Auto und nahm sich die Zeit, mit mir das wunderschöne Seengebiet um den Vulkan Osorno zu erkunden. Vielen Dank dafür Pamela!

Wir hielten im Skigebiet des Osorno Vulkans, an Wasserfällen, traumhaft schönen Seen und aßen ein typisches Onces mit Kuchen und Strudel auf einer der vielen deutschstämmigen Haciendas. Ich hätte nicht gedacht, wie viel deutsche Wurzeln in dieser Gegend zu finden sind. Es ist aber auch nicht verwunderlich, dass viele Deutsche hierhin ausgewandert sind, denn die Gegend erinnerte mich schon sehr an Deutschlands Süden. Naja, nur mit vielen Vulkanbergen haben wir in Deutschland nicht. Am nächsten Tag besuchte ich den Nationalpark am Lago Puyehue. Die Bilder sprechen wohl hier für sich.

Damit ging auch meine Zeit im Lake District zu Ende und ich flog von Puerto Montt nach Punta Arenas an der Magellanstraße. Hier bin ich schon mitten in Patagonien angekommen und bin damit am südlichsten Punkt meiner Reise – knapp 7500km südlicher von meinem nördlichsten besuchten Gegend in La Guajira in Kolumbien. Mit 53 Grad südliche Breite ist Punta Arenas auf vergleichbarer Höhe wie Hamburg.

Aber obwohl hier gerade Hochsommer ist, ist es doch anders, als in Deutschland um diese Jahreszeit. Was ich hier alles erlebte, erfahrt ihr im nächsten Blogpost. Es wartet der Besuch bei Pinguinen und meine geplante 8 Tage lange Wanderung durch den Torres Del Paine Nationalpark mit Tobi auf euch. Bis dahin verbleibe ich mit einem Hasta luega, amigos!

Eine Woche auf Rapa Nui 🗿

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass ich, wenn ich schon mal in Chile bin, den Abstecher auf die Osterinsel nicht vergessen darf. Nachdem ich ein österreichisches Pärchen kennen gelernt habe, die mir von ihren Erlebnissen erzählt haben und ich mich noch etwas mehr belesen hatte, war die Entscheidung klar. Ich fliege auf die Osterinsel!

Von Calama ging mein Weg über Santiago de Chile, wo ich einen Tag für Wäsche waschen und einkaufen verbrachte, bevor es dann mit Latam auf die entlegenste Insel der Welt ging.

Die Osterinsel oder Rapa Nui wie sie die Einheimischen nennen, liegt mitten im Pazifik knapp fünf Flugstunden oder 3800km vor der chilenischen Küste. Die Insel ist 20x12km groß und hat rund 5000 Einwohner. Sie wurde von dem Holländer Jacob Roggeveen als ersten Europäer am Ostersonntag 1722 entdeckt. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit knapp 250 Jahren besiedelt. Die Ureinwohner, auch Rapa Nui genannt, stammen vermutlich aus Polynesien und sind im 15 Jahrhundert mit kleinen Kanus die knapp 4000km dorthin gepaddelt und haben die Inseln besiedelt. Verrückt oder? Mir ist es ein großes Rätsel, wie das geklappt haben soll, aber irgendwie haben sie es doch geschafft. Als Roggeveen die Insel entdeckte, lebten rund 15000 Menschen hier in Clans organisiert und teilten die Insel unter sich auf. Der Entdecker fand viele Steinkopfstatuen auf der ganzen Insel verteilt, sogenannte Moai 🗿. Diese wurden auf Ahu’s aufgestellt, eine Art Altar um die Ahnen zu verehren die die Moai repräsentierten. Als 50 Jahre später James Cook zu der Insel kam, fand er die meisten Statuen umgeworfen. Es schien, als ob es zwischen den Clans Krieg gegeben hatte und der zu dieser Verwüstung führte.

Archäologen fanden später heraus, dass es wohl zu einer Überbevölkerung kam. Unter deren Folge waren die Ressourcen der Insel beinahe ausgeschöpft und es kam zu Streitereien zwischen den Clans. Das ist ein  klassisches Beispiel dafür, dass eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zur Auslöschung fast einer ganzen Kultur führen kann. 1888 annektierte Chile die Insel in verpachtete das Eiland an eine britische Wollhandelsfirma. Diese verbannte die noch wenigen verbliebenen Einwohner nach Hanga Roa und verbot ihnen, den Rest der Insel zu betreten. Peruanische Sklavenhändler verschleppten zudem tausende Rapa Nui, um diese zur Zwangsarbeit zu zwingen. Als diese zurückkehrten, brachten sie Krankheiten mit, die die Bevölkerung auf 118 Mann dezimierte.

Seitdem kämpfen die Einwohner damit, die gleiche Rechte wie die Chilenen zu bekommen. Dieses Jahr werden erstmalig große Teile der Insel inklusive dem Nationalpark von der chilenischen Regierung zurück an die Rapa Nui übertragen.

Meine Zeit hier auf der Insel kam ich im Mihinoa Campingplatz unter und mietete mir ein Zelt. Tagsüber ist es 22-24 Grad warm und abends wird’s nicht kälter als 18 Grad. Die Wassertemperatur ist zur Zeit 22 Grad warm, steigt aber im Sommer bis 27 Grad an. Also perfektes Klima, obwohl es immer etwas windig ist. Es fühlt sich hier, wie eine Mischung aus Hawaii und Irland an.

Die Insel selbst hat kaum noch Wälder und ist geprägt durch größtenteils karge Landschaften mit grünen Wiesen und überall Lavasteinen. Das ist auch irgendwie logisch, denn sie ist vulkanischem Ursprungs. Es gibt mehrere große Krater die bis zu 500m übers Meer gewachsen sind, jedoch nicht mehr aktiv sind. Das Meer ist klar und fällt  recht schnell auf über 3000m Tiefe ab.

Am Tag meiner Ankunft machte ich einen kleinen Spaziergang durch den einzigen Ort der Insel. Ein niedliches Städtchen mit einer Einkaufsstraße, kleinem Hafen, Restaurants, Souvenirläden, Tourigeschäften und einer Autovermietung. Man lebt hier ausschließlich vom Tourismus. Auf dem Weg in den Ort und im Ort selbst traf ich schon auf die beeindruckenden Moai und den Ahu Tahai. Hier steht der einzige Moai, dessen Augen noch existieren. Einfach beeindruckend, wie die Menschen vor 500 Jahren mit einfachsten Mitteln und keinerlei Technologie so etwas aus dem Lavastein geschlagen, transportiert und aufgebaut haben. Das Museum gab wertvolle Informationen zu Herkunft, Religion, Herstellungstechnik und Geschichte der Rapa Nui und der Insel.

Da es am nächsten Tag leider immer noch stark regnete, entschied ich mich, gemeinsam mit einem Britten und einem Amerikaner einen kleinen Jeep zu mieten und zumindest trocken vom Auto aus die Insel zu erkunden. Ein mieses Gefühl hatte ich schon, als mir der Vermieter sagte, dass alle Mietwagen auf der Insel ohne Versicherung fahren. Aber es scheint ja zu funktionieren, also Unterschrift drunter und los gehts. Unsere Route führte die Südküste entlang. Immer wieder entdeckten wir Ahu’s und Moai, wobei die meisten allerdings umgefallen waren. Wir stoppten und schauten uns im strömenden Regen alles an. Nach zwei Stunden erreichten wir den Ahu Tongariki. Dieser ist mit seinen 15 Moai der wohl bekannteste Ahu und prägt das von der Osterinsel so typische Bild. In den Regenschwaden und den Wolken gab sich der Ahu in besonders mystischem Licht. Unsere Tour führte von da aus weiter nach Norden, wo wir an Pyroglyphen vorbei zur Anakenabucht fuhren.

Hier befindet sich der einzige Strand der Insel. Dank der Bestrebungen in den 1970ern und des damals gepflanzten Palmenhains kommt sogar ein wenig polynesisches Feeling auf. Majestätisch den Strand überwachend steht der Ahu Nau Nau, der besonders detailreiche Moai beherbergt. Diese waren im Sand verschollen und sind daher keinem Wetter ausgesetzt gewesen und damit noch sehr gut erhalten.

Fast alle Moai blicken ins Inselinnere und überblickten die Dörfer, die sich meist hinter den Ahu’s befanden. Sie sollten stets an die Vorfahren erinnern. Ausnahme bildet der Ahu Akivi. Er ist der einzige Ahu, dessen Moai aufs Meer schauen. Diesen besuchten wir auf dem Weg zurück nach Hanga Roa. Der erste Tag gab uns einen guten Einblick über die Insel und die Vielzahl an Ahu und Moai.

Am Abend ging ich mit Chris dem Kalifornier noch Fotos machen. Er ist professioneller Fotograf und ich lernte, wie man Sonnenuntergang und Nachthimmel richtig fotografiert, natürlich mit Moai im Vordergrund. Leider habe ich die Bilder auf meiner Kamera und ich habe zur Zeit keinen Rechner, um den einen oder anderen Shot mit in den Blog aufzunehmen. Aber ich werde den Artikel aktualisieren – sobald ich einen Laptop zur Verfügung habe.

Der nächste Morgen begann früh, denn wir wollten unseren Mietwagen voll ausnutzen und zum Sonnenaufgang zum Ahu Tongariki fahren. Was für ein magischer Moment, wenn die Sonne über den 15 Moai aufgeht.

Wir frühstückten noch auf dem Gelände und fuhren dann zur Geburtstätte der Moai dem Rano Raraku Steinbruch am Fuße des gleichnamigen Vulkans. Hier gibt es noch über 100 teilweise halbfertige oder noch im Stein befindliche Statuen. Es macht den Eindruck, als hätte man alles Hals über Kopf verlassen. Hier befindet sich auch den mit 21m größten Moai. Dieser befindet sich aber noch im Vulkangestein. Beeindruckend war auch, im Vulkankrater zu wandern. Auch hier sind an den Rändern noch viele weitere Moai und einen ganz tollen Kratersee.

Unseren Mietwagen gaben wir genau 23:59 Minuten nach dem Abholen wieder ab. German efficiency würd ich mal sagen 😝! Am Nachmittag war nach der sehr kurzen Nacht Ausruhen und Mittagsschlaf angesagt.

Am nächsten Tag ging es mit dem Fahrrad los. Die Nordküste wollte erkundet werden und obwohl der Parkwächter uns abriet, die Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, ließen wir uns davon nicht abbringen. Ich hatte ja meine Erfahrung mit Guiden von Radtouren auf unbekanntem Gebiet gemacht und so war ich ganz zuversichtlich, dass wir das schaffen.


Auf unserer Tour entdeckten wir Lavatunnelhöhlen, die direkt in den Klippen endeten, Knochen in anderen Höhlen, Ahu’s, ganz viele Moai, Reste von alten Rapa Nui – Dörfern, Pferde in freier Natur, so unheimlich beeindruckende, unberührte Natur und natürlich die eine oder andere Strecke, wo wir nicht fahren konnten und die Fahrräder schieben oder trugen 🙈. Insgesamt brauchten wir rund 5,5 Stunden für 22km bis zum Anakena Strand. Da Sonntag war, war die ganze Insel am Strand und die Einheimischen empfingen uns mit frisch gefangenen Fisch die sie über drei Holzscheite gebraten hatten. Einfach köstlich für die ausgehungerten Mountainbiker. #rapanuistyle


Ein kühles Cerveza am Strand und eine bitter nötige Abkühlung im Wasser machten uns wieder happy. Das Meer ist hier so klar, wie ich es in noch keinem anderen Meer gesehen habe. Man schwimmt weit raus und kann trotz Sandstrand immer bis zum Grund schauen und die Fische 🐠 erkennen. Das hieß für mich nur eins: Morgen geht’s tauchen!


Nach dem 50km Radfahren am Tag davor, hätten mich auch keine 10 Pferde mehr auf einen Sattel gebracht. So war meine Entscheidung, tauchen zu gehen genau richtig. Es ging mit dem Orca dive center zum Make Make Tauchplatz. Hier gab es Sichtweiten von über 60m. Unglaublich, wie klar und durchsichtig das Wasser ist. Der Grund dafür ist das Fehlen von Plankton im Wasser. Die Insel ist so weit Weg vom Festland, sodass kaum organisches Material vorhanden ist, das von den Flüsse ins Meer gespült wird. Wenn kein Plankton da ist, gibts auch keine kleinen Fische und wenn es die nicht gibt, gibts auch keine Großen. Somit war die Anzahl der Tiere unter Wasser beschränkt. Jedoch traf ich auf fünf Lobster in einer nie zuvor gesehenen Größe. 1,3m lang und schätzungsweise fünf Kilogramm schwer, hockten die Kollegen in einer Höhle auf 22m Tiefe und wunderten sich über den unangemeldeten Besuch der blubbernden Lebewesen vor ihnen.

Nachmittags ging es dann zur Kultstätte Orongo. Hier wurde früher der Vogelmannkult betrieben. Die Rapa Nui wählten nicht ihr Oberhaupt sondern ermittelten den König der Könige in einem Wettbewerb. Wer es als erstes schaffte, ein Seeschwalbenei von einem Felsen unterhalb des Vulkans Rano Kau im Wasser – den sogenannten Motos – zu holen und sicher auf das 300m über dem Wasser, auf dem Kraterrand liegende Orongo zu bringen, wurde Chef. Wäre vielleicht eine Alternative zu Jamaika und Neuwahl. 😂


Am nächsten Tag ging es genau zu diesen Motos. Ich konnte mir doch nicht den besten Tauchspot der Insel entgehen lassen. Sichtweiten von 70m, 50m senkrecht abfallende Steilhänge, Überhänge und Geröllhalden unter Wasser ergaben eine der krassesten Unterwasserlandschaften, die ich je gesehen habe. Einfach nur wow! Jeden Abend gab es dann noch Sunset + Vino. Eine sehr gelungene Kombination.


Am letzten Tag nahm ich mir noch die Wanderung auf den höchsten Pubkt der Insel dem 510m hohen Vulkan Mauna Terevaka vor. Alleine zog ich los und wurde zwischendrin von einer älteren Dame ein paar Kilometer mitgenommen. Trampen funktioniert hier echt gut. Dann von Ahu Akivi noch 5 km bergauf und dann bloß nicht vom starken Wind wegwehen lassen! Die Aussicht ist toll und es herrscht eine so friedliche Stimmung. Ich musste direkt erstmal ein kleinen Mittagsschlaf im Gras machen, bevor es dann wieder zurück ging. Auf dem Rückweg hat mich dann noch eine Rapa Nui auf dem Moped mitgenommen, natürlich ohne Helm 🙈. Hier ist die Welt noch in Ordnung.


Leider ist so eine Woche schnell rum und nun geht es wieder zurück nach Santiago. Hier treffe ich auf Tobi aus Berlin. Gemeinsam wollen wir ein paar Tage verbringen und dann später in Patagonien wandern gehen. Deswegen freut euch auf den nächsten Artikel, den es in ein paar Tagen geben wird.

Potosí, Uyuni Salzwüste & Atacama Wüste

Auf meiner weiteren Reise durch Bolivien war der nächste Stopp Potosí.

Hier besuchte ich eine Mine in einem der wohl silberreichsten Berge der Welt – dem Cerro Rico. Der Berg wird seit mehr als  500 Jahren umgegraben und durchhöhlert. Erst die Inkas, aber so richtig erst die Spanier. Die Bedingungen unter denen heute die Kumpel Silber, Zinn und Kupfer fördern, sind katastrophal. Die Männer oder besser die Jungs beginnen bereits im Alter von 14 Jahren neben der Schule zu arbeiten. Die Lebenserwartung der Bergarbeiter ist gerade einmal 40 Jahre.

Zu Beginn der Einfahrt in den Berg werden 96%iger Alkohol, Zigaretten und Kolablätter dem Tio-Teufel  geopfert, um wieder heil rauszukommen. Das zu erleben war schon schockierend und beängstigend, während man in einem ein Meter hohen Stollen 150m unter Tage kriecht, man irgendwo Dynamit explodieren hört und Steine von der Decke fallen. Sicher nix für Klaustrophobieanfällige, aber sehr sensibilisierend, wie man mit dem Konsum zu Hause doch auch das Leben dieser Menschen irgendwie mit beeinflusst. Ich hoffe nur, dass die Versprechungen der Politik, diese Zustände zu ändern, endlich umgesetzt werden.

Potosí hat aber auch sehr schöne Seiten. So wurde vom Sportministerium ein 10k Lauf organisiert, an dem über 5000 Läufer teilnahmen. Natürlich war auch ich dabei. Aber 10k auf knapp 4000m zu laufen, ist echt nicht ohne und ganz schön anstrengend, besonders wenn es noch 300m hoch geht! Meine Endzeit war mit 1:08h trotzdem ganz ok. Es war ja mehr der Spaß und der war voll da. Es wurde sogar vor allen Läufern erwähnt, dass deutsche und französische Läufer dabei sind. Selbst der Präsident schaute zu. Coole Aktion allemal!

Von Potosí ging es nach Uyuni. Uyuni ist eine Wüstenstadt im mittleren Süden Boliviens und Ausgangspunkt für Mehrtagestouren auf den größten und sicher einer der berühmtesten Salzseen der Welt.

Ich nahm an einer 4-Tagestour Teil mit fünf anderen teil.  Wir wurden morgens von einem großen Toyota Geländewagen abgeholt. Mit ihm ging es zuerst in den Cementerio de trenes. Hier wurden nach der Stilllegung der meisten Zuglinien durch die Wüsten des Südens alte Dampflokomotiven hergebracht, die nun langsam verrotten. Ein perfektes Terrain für Fotografen und auch für viele Touristen. Wann kann man schon mal einen Zugfriedhof anschauen?

Vom Cementario ging es dann in die Salar de Uyuni. Die Salar ist eigentlich ein riesiger Salzsee mit 10000qkm, der jedoch unter einer weißen kristallisierten Salzkruste verborgen ist und auf circa 3660m Höhe liegt. Er erstreckt sich bis zum Horizont und man verliert jegliches Gefühl von Dimensionen. Daher können auf ihm auch richtig lustige Bilder gemacht werden.

Nach einem Besuch eines Salzsteinbruchs, in dem Salzklötze zum Bau von Häusern hergestellt wurden, ging es zu einem kleinen Dorf. Hier war unsere Unterkunft für die Nacht ein Haus, dass komplett aus Salz gebaut war – inklusive der Betten! Wir schauten uns noch den Sonnenuntergang, die Flamingos und Llamas an, bevor es früh ins Bett ging. Am nächsten Morgen bestiegen wir den Tunupa Vulkan. Die 5432m schafften wir zeitlich leider nicht, aber auch von 4800m hatte man eine geile Aussicht auf die Salar.

Der Salzsee ist an manchen Stellen bis zu 120 Meter tief und in der Regenzeit von einer Wasserschicht bedeckt, die wie ein riesiger Spiegel agiert. Und wie es sich für einen großen See gehört, hat dieser auch Inseln. Wir fuhren zur Kakteeninsel und erreichten diese auch nach knapp 1,5h Fahrt. Auf ihr standen beeindruckend große, gigantische Kakteen. Manche waren locker fünf Meter hoch und boten beste Möglichkeiten für Panoramafotos über die Salar.

Am dritten Tag ging es zu den Lagunen. Da gab es grüne, weiße und sogar bunte! Alle beziehen ihr Wasser von den umliegenden Vulkanen und Bergen, auf denen teilweise weit über 5000m hohen Bergspitzen der Schnee schmilzt und in den Lagunen zusammenfließt. In allen Lagunen, die sich pittoresk in die trockene, windige und unwirtschaftliche Landschaft einfügen, leben ganz viele Flamingos. Die einfach nur tollen Tiere konnte man perfekt in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Der Landstrich ist eine gottverlassene Gegend, in der wir stundenlang quer über Sand und Steine fuhren und weder Menschen, Dörfer noch irgendeine Pflanze sahen. Es ist eine der trockensten Gegenden der Welt, in der nur wenige Tage im Jahr Regen oder Schnee fällt. Die meiste Zeit fuhren wir auch jenseits der 4000m Grenze. Den Abschluss des Tages bildete der Arbol de Piedra – ein vom Wind geschliffener Stein, der wie ein Baum aussah.

Am nächsten Morgen ging es dann super früh raus. 3:30 Uhr klingelte der Wecker. Draußen waren  minus 10 Grad – wir waren ja auch über 4300m hoch – und auf dem Weg zu Geysiren. Dort angekommen, sahen wir die Sonne aufgehen und man merkte, wie aktiv die Erde hier noch ist. Als Teil des pazifischen Feuerringes schiebt sich die Nascarplatte unter die Amerikanische Platte, schmilzt diese auf und drückt Vulkane nach oben. Es dampft, brodelt und blubbert überall. Ein kleiner Yellowstone mitten in der Wüste. Nachdem wir ziemlich durchgefroren waren, ging es morgens um halb 7 verdientermaßen in die nahegelegenen Thermalquellen, um  im 39 Grad warmen Wasser zu schwimmen, während es draußen immer noch unter 0 war.

Die Tour durch Bolivien neigt sich ihrem Ende zu und für mich ging es  weiter nach Chile. Der einsame Grenzübergang mitten im Nirgendwo war schon irgendwie lustig. Eine Holzhütte, eine bolivianische Flagge und bestimmt 200 Touristen – inklusive deutscher Reisegruppe voller Bayern auf dem Weg nach Bolivien.

Ein Kleinbus fuhr uns nach San Pedro de Atacama in Chile. Es ist schon erstaunlich, wie Grenzen trennen. Kaum in Chile angekommen, fuhren wir auf asphaltierter Straße- bestimmt die Erste in fast einer Woche – die Grenzbeamten waren größer als die Kollegen in Bolivien und hatten keine Spuren indogener Vorfahren, sondern sahen sehr europäisch aus. Der erste Eindruck von San Pedro war auch wie Balsam für die Augen. Seit Wochen wieder eine saubere, aufgeräumte Stadt, eine kleine Oase mitten in der Atacamawüste, ohne hupende Autos, Autofahrer die anhalten, wenn man über die Straße will und keine rasenden, überfüllten Minibusse, sondern Privatfahrzeuge. Es gab eine Fußgängerzone mit vielen Menschen die bei 29 Grad durch die Souvenirshops schlenderten. San Pedro sieht ein wenig aus wie eine kleine Westernstadt, aber mit spanischen Wurzeln. Nach Tagen der Kälte war das Wetter auch so toll! Die nächsten fünf Tage verbrachte ich hier und unternahm ganz viele Tagestouren und erarbeitete mir fast den Status eines Mountainbikeguides. 😉

Am ersten Tag fuhren wir zur Cebrada del Diablo, einem vom Wasser geformten engen Canyon im sandigen Gestein. Er erinnerte mich ein wenig an den Antilope Canyon in Utah. Leider führte unsere Tour etwas abseits des Weges und so mussten wir ein Stück die Räder tragen, um wieder zurück zu kommen 🙈.

An Tag zwei ging’s dann zur Laguna Cejar, einem Salzsee in der Atacamawüste, der so viel Salz enthält, dass man – wie im Toten Meer – auf der Oberfläche treibt.

Am dritten Tag fuhren wir ins berühmte Valle de La Luna. Es fällt wirklich schwer, die Landschaft in Worten zu beschreiben, aber es scheint dort seit vielen Jahren kaum geregnet zu haben. Und wenn, dann formt das Wasser abstruse Figuren in den Stein, die, gepaart mit dem wie Puderzucker darüber liegenden Salz, wie eine Mondlandschaft aussieht. Aus diesem Grund erhielt der Nationalpark auch den Namen des Mondtals. Es gibt Dünen und Täler und alles vor der Kulisse der umliegenden Vulkane an der Grenze zu Bolivien.

San Pedro ist wirklich sehenswert – ein guter Tipp für alle die nach Chile kommen: Fahrt hier her und erkundet alles per Mountainbike –  euch erwartet eine saustarke Landschaft, die man per Bike am besten erleben kann.

Da ich ja mittlerweile fast Vulkanexperte bin ;), konnte ich natürlich den Lascar Vulkan nicht auslassen. Der Lascar ist einer, wenn nicht sogar der aktivste Vulkan Chiles. Mit seinen 5592m ist er auch nicht gerade klein, aber die Höhe hat mich bis jetzt noch nie aufgehalten 😉

Die Besteigung war recht einfach: Wir fuhren mit einem Jeep bis auf 4800m, frühstückten ein megageiles Baguette mit Käse und Salami, Schokocroissant, selbstgemachte Marmelade und Kokatee. Auch kulinarisch punktet Chile gegen Bolivien! Binnen drei Stunden waren wir oben, wobei 2 meiner 3 brasilianischen Mitstreiter nicht gut genug akklimatisiert oder konditionell nicht so fit waren und es nur bis zum Kraterrand schafften. Die Aussicht auf der Spitze war jedoch unglaublich. Ich zählte über 48 Vulkane im Umkreis und konnte aus dem Krater ein Knallen und Knurren hören. Es zogen dicke Schwefel- und Wasserdampfwolken über uns und man merkte, dass es da drinnen brodelt. Die letzte explosive Eruption schleuderte Asche bis nach Buenos Aires!

Den Abschluss meiner Wüstentour bildete der Besuch in der größten Mine der Welt. Nördlich von Calarma liegen die weltweit größten Kupferressourcen und diese werden auch kräftig ausgebeutet. Die Mine ist ein riesiges Loch mit vier km Länge,  drei km Breite und 1200m Tiefe. Hier arbeiten rund um die Uhr 90 Riesen-LKWs, von denen jeder 330 Tonnen Material aus der Mine fährt. Dieses Material wird dann zu 8500 Kathoden – 175kg pures, 99,997%iges Kupfer verarbeitet – pro Tag!!!! Wenn das das Tagesmenge einer Mine ist, braucht man sich nicht zu wundern, das der Bergbau über 50% des chilenischen BIP bildet. Und es gibt in dem gesamten Gebiet noch mindestens fünf weitere Minen! 😳

Nun fragt ihr euch vielleicht, von wo ich immer meine Blogtexte schreibe. Meistens entstehen sie auf meinem Handy mit der WordPress App, wenn ich im Bus sitze oder mir mal ein halben Tag Ruhe gönne. Dieser Artikel ist jedoch an einem ganz besonderen Ort entstanden – von dem wird der nächste Beitrag berichten. Bis dahin verbleibe ich mit einem Dank fürs Lesen und vielen Grüßen von der meist abgelegensten Insel der Welt 🗿

Auf den Huayna Potosí in Bolivien 🇧🇴 

Nach meiner erfolgreichen Besteigung des Pico de Orizaba, habe ich ein wenig Blut geleckt, und wollte mehr im Bereich mountaineering machen. Erfreulicherweise gibt es in der Gegend um La Paz genügend Möglichkeiten zum Bergsteigen und so machte ich mich auf die Suche nach einer Agentur, mit der ich den Huayna Potosi, den Hausberg von La Paz, mit seinen 6088m besteigen konnte. Dank Empfehlungen von Freunden und dem Vergleich mit anderen Agenturen habe ich mich dann für Huaya Potosi Travel Agency entschieden. Die Agentur führt seit 18 Jahren Bergsteiger auf den Gipfel und betreibt als einzige Agentur ihre eigenen Camps.

Die Tour sollte drei Tage und zwei Nächte lang sein. Im Hostel fand ich dann noch drei andere, die die Tour mit mir machen wollten und so wurden wir am ersten Tag abgeholt und direkt ins Lager gebracht, wo wir die verschiedenen notwendigen Ausrüstungsgegenstände wie Helm, Jacke, Hose, Gurtsystem und Eisaxt bekamen. Vom Lager ging es dann 1,5h mit dem Minivan zum Basislager auf knapp 4800m. In der liebevoll gebauten und ausgestatteten Hütte bekamen wir ein Mittagessen bevor es am Nachmittag zum Trainingseisklettern ging. Ich hatte das noch nie gemacht und habe mich total darauf gefreut. Wir wanderten also zum Gletscher hoch auf 5050m und kletterten an einer 15m Eiswand, gesichert durch Seil und Steigeisen + Axt nach oben. War ein Megaspaß und wer die Chance hat, sollte es unbedingt mal probieren.

Nach zwei Stunden auf dem Gletscher ging es zurück für Abendessen, Kaminfeuer und Vorschlafen, denn am nächsten Tag ging es gegen Mittag nach oben ins Highcamp auf 5350m. Wir mussten in unseren Rucksäcken alles Equipment mitnehmen, was durchaus auf locker 16kg kam und dadurch den Aufstieg schon anstrengend machte. Zum Glück war ich durch die Zeit in Peru gut akklimatisiert, sodass ich während des ganzen Trips keine Probleme mit der Höhenkrankheit bekam.

Im Highcamp angekommen genossen wir noch etwas die Sonne, bevor es dann noch ein Süppchen gab und ich 18 Uhr ins Bett ging, denn um 1 Uhr klingelte der Wecker für den Aufstieg auf 6088m. Das Anziehen und Anlegen des Equipments dauerte fast eine Stunde, aber warm eingepackt ging es bei sternenklaren Himmel und -10 Grad los. Man konnte die Wärmegewitter über dem Amazonasbecken sehen und La Paz war am Horizont gut zu erkennen. Ziemlich geile Aussicht, da auch der Halbmond gutes Licht spendete und die Luft superklar war.

In der Seilschaft ging es dann zu zweit + Guide in Richtung Spitze. Leider musste mein Seilschaftpartner wegen Höhenkrankheit nach knapp zwei Stunden aufgeben. Ich hatte Glück und mein Guide sprintete mit mir gut 500m nach vorne, um die andere Gruppe einzuholen, so dass ich mich dort als drittes Mitglied einhängen konnte. Voll Glück gehabt, denn beinah hätte ich mit umdrehen müssen. 😅

Danach ging es dann auch direkt in die steile Wand, wo es locker 50 grad nach oben ging und die Eisaxt erstmalig zum Einsatz kam. Dann weiter gerade aus, über ein paar Gletscherspalten – schon etwas gruselig – und mit der aufgehenden Sonne im Rücken am Ende dann die letzten 80m an einem steilen Cliff entlang, an dem es an jeder Seite locker 500m runter ging nach oben. Schwindelfreiheit wurde vorausgesetzt.

Die Freude war groß als wir dann oben ankamen, denn sowohl die sehr dünne Luft als auch die 600m Anstieg haben gut Kraft gekostet und wir waren super happy, dass wir oben die über 200km Aussicht genießen konnten. Man sah den größten Berg Boliviens, den Sajama, den Illimani, La Paz, den Titicacasee und auch das Amazonasbecken. Einfach wow und ein wirklich geiles Erlebnis, das lange in Erinnerung bleiben wird. Erster 6000er check ✅

Als nächstes geht’s in die weltberühmte Salar de Uyuni und danach in die Atacamawüste in Chile. Also freut euch schon auf den nächsten Blogpost.

Death Road & La Paz in Bolivien 🇧🇴 

Bolivien ist das 47. Land welches ich besuche und auf meinem Weg mit der Sonne gen Süden das nächste auf meiner Liste. Nach Jules detailliertem Berichten aus Peru, schreibe ich nun wieder über meine Abenteuer – diesmal aus Bolivien.

Bolivien ist ein eher kleines Land in Südamerika und zählt mit zu den Ärmsten. Es grenzt im Norden an Peru und Brazilien und im Süden an Chile, Argentinien und Paraguay. In Bolivien leben rund 11 Millionen Menschen und das Land liegt teils in den Anden und teils im tropischen Urwald des Amazonasbeckens.

Über die Grenze sind Jule und ich in Cobacabana am Titicacasee eingereist. Der Titicacasee ist der höchste, beschiffbare See der Welt und gleichzeitig der größte Südamerikas. Er ist rund 15,5x so groß wie der Bodensee und Bolivien und Peru teilen ihn sich.


Mein erster längerer Halt ist in La Paz. La Paz ist die inoffizielle Hauptstadt Boliviens – die offizielle ist Sucre – und mit 750.000 Einwohnern auch nicht klein. Die Stadt liegt auf rund 3800m, erstreckt sich in einem Canyon und wird von der Nachbarstadt El Alto (1 Million Einwohner, 4100m) überragt. Die Luft hier ist dünn und nachts wird es auch recht kalt. Nach meiner Ankunft nahm ich an einer Stadtführung teil, die durch die Altstadt führte.


Am nächsten Tag ging es dann zur berühmt berüchtigten „gefährlichsten Straße der Welt“ – der Todesstraße – um sie mit dem Mountainbike hinunterzufahren. Gebucht habe ich die Tour bei Gravity, die zwar anscheinend die teuersten sind, jedoch nicht nur die Ersten waren, die diese Tour durchführten, sondern auch wirklich eine top Qualität und neusten Fahrräder boten. Man holte uns vom Hostel ab und fuhr uns zum Startpunkt auf 4700m Höhe. Von hier aus fuhren wir erst 20km die asphaltierte Straße bergab bevor es nach rechts auf die eigentliche Schotterstraße, den Camino de La Muerte ging.


Gebaut von paraguayischen Strafgefangenen Ende der 1940er ist sie aufgrund der Schwierigkeit des Geländes und der damit verbundenen vielen Opfer beim Bau benannt worden. An vielen Stellen ist die Straße keine 3m Breit und links geht es teilweise bis zu 250m steil bergab. Auf der Straße gilt auch Linksfahrgebot, so dass die bergabfahrenden Fahrer genau erkennen können, wie viel Platz sie noch zum Abgrund haben. Eben genau diese Straße sind wir mit dem Mountainbike hinunter gefahren. Gegenverkehr gibt es zum Glück fast nicht mehr, da 2006 eine sicherere Umgehungsstraße gebaut wurde. Die Abfahrt dauerte ein paar Stunden mit Pausen und endete auf subtropisch-warmen 2000m Höhe. Ein wirklich geiler Adrenalinkitzel, den man auf jeden Fall gemacht haben sollte. 

Als nächstes besuchte ich dann den Chacaltaya – einen 5400m hohen Berg gegenüber des berühmten Huyna Potosí. Hier fuhren wir mit dem Minivan auf einer wirklich steinigen Piste ins ehemalige höchste Skigebiet der Welt. Leider ist der Gletscher durch die globale Erwärmung verschwunden und somit nur noch die Berghütte als einzige Erinnerung an das ehemalige Skigebiet übrig geblieben. Von der Hütte ging es in 1,5h nach oben und wir hatten trotz leichtem Schneefall doch eine sehr gute Aussicht. Ganz besonders lachte mich der Potosi an, dem ich, wie später zu lesen sein wird, dann noch einen genaueren Blick widmen werde. Nach dem Chacaltaya fuhren wir noch ins Mondtal – Vale de la Luna – einer mondartigen Landschaft die mich ein wenig an denn Bryce Canyon erinnerte.


Nun verbrachte ich noch 2 Tage in La Paz bevor mein nächstes großes Abenteuer anfing. La Paz ist eine echt coole Stadt. Mit ihren 5 von 9 schon im Betrieb genommenen Seilbahnen kommt man super komfortabel und mit perfekter Aussicht durch die Stadt. Die Höhenunterschiede merkt man auch in der Temperatur. Während es in El Alto immer frisch ist, kann man in der reichen Zona Sur im T-shirt und Shorts leckere Creme Brulet Eiscreme essen. Was 700m doch für Unterschiede machen. Auch wenn La Paz laut ist  und schlechte Luft hat, hat es mir trotzdem sehr gut gefallen und die Menschen hier sind wirklich nett, hilfsbereit und interessiert. Also ruhig ein paar Tage länger für einplanen und auf jeden Fall alle „öffentlichen“ Verkehrsmittel mal fahren. Dazu gehören die Zehntausende von Minivans, die alten Chevrolet Busse und natürlich die Doppelmayr Lifte. Es lohnt sich!