Chile‘s Süden Teil 2 – Patagonien

Patagonien ist für viele der Traum von wahrer Freiheit, unberührter Natur und spektakulären Landschaften. Für mich ist dieser Traum wahr geworden und obwohl ich leider nur einen kleinen Ausschnitt der riesigen Gegend gesehen habe, verstehe ich nun, warum Patagonien für viele diese Sehnsucht danach bedeutet.

Ich traf mich in Punta Arenas wieder mit Tobi, der wie ich auch, eine traumhafte Zeit in der Atacama Wüste hatte und mal eben die 3700km in den Süden geflogen ist. Wir besuchten den Reservation Nacional de Magallanes und wanderten einen Tag durch die dichten Letunga Wälder und genossen den Blick auf die Magellanstraße, die die südliche Spitze von Südamerika und Feuerland trennt. Benannt nach dem Seefahrer, ist sie die Verbindungsstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Immer wehende kalte und starke Winde, Regen und Schnee bestimmen ganzjährig das Wetter.

Wir besuchten zusammen mit einer Freundin, die ich in Pucon kennen gelernt hatte, die Isla Magdalena, die auch Pinguininsel genannt 🐧 wird. Hier brüten rund 60000 Magellanpinguine ihre Eier aus und es ist ein herzliches Schauspiel, diese putzigen Tiere zu beobachten. Auf dem Rückweg mit dem Boot sahen wir dann auch noch Delfine. Sie sind die kleinsten Delfine der Welt, die hauptsächlich in der Magellanstraße leben.

Von Punta Arenas ging es dann nordwärts nach Puerto Natales. Puerto Natales ist der Ausgangspunkt für Wanderungen in den Torres Del Paine Nationalpark. Wir bereiteten uns gut für unsere 8-Tageswanderung vor, kauften Essen, liehen uns ein Zelt, Isomatte und Gaskocher aus und klärten die letzten Zeltplatzreservierungen. Den Ärger mit der Reservierung will ich hier nicht erörtern, aber so viel sei gesagt: Drei Firmen betreiben die Campingplätze im Nationalpark und in klassisch südamerikanischer Manier ist der Prozess der Buchung absolut chaotisch, frustrierend und nervig. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft und obwohl wir nicht überall einen Zeltplatz bekommen haben und zwei Nächte in überteuerten Refugios übernachten müssen, können wir unseren Trek beginnen.

Tag 1: Anreise und Wanderung nach Serónit

Mit unseren 20kg schweren Rucksäcken, ging es am ersten Tag frühmorgens zur Bushaltestelle. Wir hatten schon ganz schön zu schleppen. Wir mussten alles mitnehmen, von Klamotten für eine Woche (2 T-Shirts, eine Hose, Leggins, Fleecejacke, Regenjacke, Daunenjacke, Handschuh, Mütze und Unterwäsche), Essen (Fertiggerichte, Haferflocken + Milchpulver + Kakaopulver in praktischen ziplockbags verpackt fürs Frühstück, Müsliriegel, Schokolade, Nutella für tortilla wraps und einer kleinen Flasche Rum) und natürlich Koch- und Zeltutensilien. Da kommen schnell 20kg zusammen.

Der Bus fuhr uns in knapp drei Stunden zum Parkeingang, wo wir erstmal 25€ Eintritt bezahlen und ein Lehrvideo über das  Verhalten im Park anschauen „durften“. Feuer anzünden ist selbstverständlich verboten und auch jeglicher Müll muss wieder mitgenommen werden. Nach dieser notgedrungenen Unterweisung ging’s los und wir wanderten die ersten 15 Kilometer zum Campamiento Seron auf der Ostseite des Parks. Es schien die Sonne und es war mit 15 Grad angenehm warm. Unser Weg führte durch saftige Wiesen mit ganz vielen Margarittenblumen, entlang des Rio Paine. Am Zeltplatz angekommen, bauten wir das Zelt auf und legten uns beim einsetzenden Regen erst einmal hin, um ein kleines zweistündiges Nickerchen zu machen 🙈.  Abends gab’s leckeres Essen und wir spazierten noch eine Runde im Kreis, bevor es um 9 ins Zelt zurück ging. Lustigerweise trafen wir natürlich nach fünf Minuten im Park den ersten Deutschen – Jens aus Dresden war allein unterwegs und man traf sich immer mal wieder entlang des gesamten Trips.

Tag 2: Wanderung zum Refugio Dickson

Es wird früh hell im Sommer und die Sonne ist von morgens um 5 bis abends um halb 11 am Himmel. Somit ging unser Tag natürlich auch früh los und nachdem wir gefrühstückt und unser Zelt abgebaut hatten, liefen wir los Richtung Refugio Dickson im Norden des NP. Das Wetter spielte mit und wir liefen rund 20km an diesem Tag. Das Refugio liegt direkt am Lago Dickson und hier hatten wir nicht nur eine unheimlich tolle Aussicht auf die Rückseite der Torres, sondern auch auf die Gletscher, die im See mündeten. Es gab sogar Eisberge im See zu sehen. Total beeindruckend!

Tag 3 Wanderung nach Los Perros

Auch am dritten Tag spielte das Wetter einigermaßen mit. Es war bewölkt, ab und zu schien sogar die Sonne; wir hatten nur manchmal etwas Regen und am Ende schneite es etwas. Meist wechselte alles immer wieder ab und zwar innerhalb einer Stunde 🙈. Der Campingplatz Los Perros liegt am Fuße des Los Perros Gletscher. Wir trafen zum wiederholten Mal auf Jens, der mit uns dann beobachtete, wie das Eis abbrach und Lawinen abgingen. Globale Erwärmung? Hier definitiv life zu beobachten 😐.

Am Nachmittag gab es das obligatorische Mittagsschläfchen in der Wiese, bis Regen und Schneeschauer einsetzten. Wir stellten fest, dass die Portionsangaben auf den Fertigessen nicht so ganz dem Energiebedarf und Hunger von 2 großen Männern entsprach und so tauschten wir ein halbes Glas Nutella und 2 Runden Rum mit einer Gruppe Chilenen, die zu viel Essen mithatten und dies gerne loswerden wollten, bevor es am nächsten Tag über den John Gardener Pass ging.

Tag 4 über den John Gardner nach Campamiento y Refugio Grey

Dieser Tag war mein persönliches Highlight, neben den Torres selbst. Wir stiegen von knapp 450m über den 1200m hohen Pass in absoluten Schneegestöber und richtig starkem Sturm. Ich war so froh, die Stöcke dabeigehabt zu haben, denn ohne sie hätte man nicht stehen bleiben können. An dem Tag gab es auf dem Pass 20cm Neuschnee und wir wurden so richtig eingesaut. Windgeschwindigkeiten in Bögen von 100km/h ließen nicht wirklich Hochsommerfeeling aufkommen. Nochmal zum Vergleich: Wir liefen sozusagen einmal im Hochsommer über den Fichtelberg im Schneesturm gelaufen und fanden uns vor dem 30km langen und 5km breitem Grey Gletscher wieder, auf der geografischen Breite von Hamburg. Also das ist schon ein etwas anderes Klima hier. Der Blick aber auf eben diesen Gletscher mit seinen unzähligen Gletscherspalten, tiefblauem Eis und einem riesigen 300x380m grossem abgebrochenen Eisberg im Lago Grey ließ alle Unannehmlichkeit des Wetters vergessen.

Es tat richtig gut, dass wir dann im Refugio in einem richtigen Bett übernachteten, unsere Sachen trocknen konnten und abends vor einem Ofen auf dem Sofa uns ausruhen konnten. Letztendlich war es wohl doch nicht so schlecht, dass wir kein Zeltstellplatz mehr bekommen hatten 😝!

Tag 5 Wanderung nach Paine Grande

Die Wanderung nach Paine Grande war, abgesehen vom regnerischen Wetter und andauernden Starkwinden, wieder sehr beeindruckend aber nicht so lang wie die Wanderungen der vergangenen Tage . Entlang des großen Gletschersees Grey ging es größtenteils nur bergab. Wir erreichten das Camp nachmittags um 3, bauten unser Zelt auf und chillten im Kochhaus. Hier hätte man auch WLAN für starke sieben Dollar pro Stunde kaufen können. Wir haben dankend drauf verzichtet.

Tag 6 Paine Grande nach Frances

Die Nacht war sehr stürmig und der Zeltplatz war auch gut dem Wetter ausgesetzt. So waren wir recht früh wach, bauten ab und machten uns auf den Weg entlang vieler Seen nach Frances. Kurz vor dem Camp Frances gab es das von der Parkbehörde betriebene Campamiento Italiano.

Hier ließen wir unsere schweren Rucksäcke zurück und wanderten 2 Stunden lang das Valle de Frances hinauf zum Mirador Britanico. Hier sollte es wunderschöne Aussichten auf die Berge und auf den See am Fuße des Tales geben. Ob dies bei dem Regen bzw. Schnee so gut zu sehen war, fragten wir uns mehrfach, jedoch hatten wir Glück als wir oben ankamen. Neben Jens, der hinter einem Stein über eine Stunde darauf wartete, dass es aufklarte, passierte genau dies just in dem Moment, in dem wir oben ankamen. Gutes Karma, würd ich mal meinen. 😉

Tag 7 von Frances nach Torre Central

Da wir nur noch einen Platz in einem bereits vom Campingplatzbetreiber aufgebautem Zelt erhielten (günstige 30€/Person 🙄) kamen wir relativ schnell los. Entlang des Lago Nordenskjöld ging es zu unserer letzten Unterkunft, dem Campingplatz Central, relativ nah am Eingang des Parks.

Die 15km legten wir in gut 5h zurück. Der Wind machte und gerade am Lago Inge gut zu schaffen. Man könnte denken, dass der Zeltplatz nah am Eingang des Parks gut ausgestattet ist, jedoch gab es hier nicht einmal ein Kochzelt. Man merkt, dass der Betreiber, dessen Familie zufälligerweise der halbe Park gehört, doch mehr auf die zahlungskräftigen Touristen aus ist, die in den massiv überteuerten Refugios übernachten (>200$/Nacht!!!) und weniger an campenden Backpackern interessiert ist. Das ist sehr traurig, aber das ist eben Chile. Es ist mir unerklärlich, wie solch ein bedeutender Nationalpark halb in privater Hand sein darf. In manchen Camps der besagten Firma, muss man sogar eine Korkgebühr von 6€ verrichten, wenn man sein eigenen Wein mitbringt – unmöglich!

Tag 8 Auf zu den Torres del Paine

Das Wetter sah ja nicht so vielversprechend aus, jedoch machten wir uns auf den 9km langen Weg ins Tal der Torres um, halb umgeweht doch die weltberühmten Torres Del Paine im Sonnenschein erleben zu dürfen. Ein wirklich überwältigender Anblick dieser bis 2800m großen Granitberge vom Fuße des Lago Torres. Ein krönenden Abschluss dieser Achttagewanderung!

Vielen Dank an Tobi, der eisern durch Wind und Wetter durchgehalten hat, immer lustige Sprüche auf Lager hatte und eine wirklich klasse Wandersmann ist. Gerne wieder!

Eine Woche auf Rapa Nui 🗿

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass ich, wenn ich schon mal in Chile bin, den Abstecher auf die Osterinsel nicht vergessen darf. Nachdem ich ein österreichisches Pärchen kennen gelernt habe, die mir von ihren Erlebnissen erzählt haben und ich mich noch etwas mehr belesen hatte, war die Entscheidung klar. Ich fliege auf die Osterinsel!

Von Calama ging mein Weg über Santiago de Chile, wo ich einen Tag für Wäsche waschen und einkaufen verbrachte, bevor es dann mit Latam auf die entlegenste Insel der Welt ging.

Die Osterinsel oder Rapa Nui wie sie die Einheimischen nennen, liegt mitten im Pazifik knapp fünf Flugstunden oder 3800km vor der chilenischen Küste. Die Insel ist 20x12km groß und hat rund 5000 Einwohner. Sie wurde von dem Holländer Jacob Roggeveen als ersten Europäer am Ostersonntag 1722 entdeckt. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit knapp 250 Jahren besiedelt. Die Ureinwohner, auch Rapa Nui genannt, stammen vermutlich aus Polynesien und sind im 15 Jahrhundert mit kleinen Kanus die knapp 4000km dorthin gepaddelt und haben die Inseln besiedelt. Verrückt oder? Mir ist es ein großes Rätsel, wie das geklappt haben soll, aber irgendwie haben sie es doch geschafft. Als Roggeveen die Insel entdeckte, lebten rund 15000 Menschen hier in Clans organisiert und teilten die Insel unter sich auf. Der Entdecker fand viele Steinkopfstatuen auf der ganzen Insel verteilt, sogenannte Moai 🗿. Diese wurden auf Ahu’s aufgestellt, eine Art Altar um die Ahnen zu verehren die die Moai repräsentierten. Als 50 Jahre später James Cook zu der Insel kam, fand er die meisten Statuen umgeworfen. Es schien, als ob es zwischen den Clans Krieg gegeben hatte und der zu dieser Verwüstung führte.

Archäologen fanden später heraus, dass es wohl zu einer Überbevölkerung kam. Unter deren Folge waren die Ressourcen der Insel beinahe ausgeschöpft und es kam zu Streitereien zwischen den Clans. Das ist ein  klassisches Beispiel dafür, dass eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zur Auslöschung fast einer ganzen Kultur führen kann. 1888 annektierte Chile die Insel in verpachtete das Eiland an eine britische Wollhandelsfirma. Diese verbannte die noch wenigen verbliebenen Einwohner nach Hanga Roa und verbot ihnen, den Rest der Insel zu betreten. Peruanische Sklavenhändler verschleppten zudem tausende Rapa Nui, um diese zur Zwangsarbeit zu zwingen. Als diese zurückkehrten, brachten sie Krankheiten mit, die die Bevölkerung auf 118 Mann dezimierte.

Seitdem kämpfen die Einwohner damit, die gleiche Rechte wie die Chilenen zu bekommen. Dieses Jahr werden erstmalig große Teile der Insel inklusive dem Nationalpark von der chilenischen Regierung zurück an die Rapa Nui übertragen.

Meine Zeit hier auf der Insel kam ich im Mihinoa Campingplatz unter und mietete mir ein Zelt. Tagsüber ist es 22-24 Grad warm und abends wird’s nicht kälter als 18 Grad. Die Wassertemperatur ist zur Zeit 22 Grad warm, steigt aber im Sommer bis 27 Grad an. Also perfektes Klima, obwohl es immer etwas windig ist. Es fühlt sich hier, wie eine Mischung aus Hawaii und Irland an.

Die Insel selbst hat kaum noch Wälder und ist geprägt durch größtenteils karge Landschaften mit grünen Wiesen und überall Lavasteinen. Das ist auch irgendwie logisch, denn sie ist vulkanischem Ursprungs. Es gibt mehrere große Krater die bis zu 500m übers Meer gewachsen sind, jedoch nicht mehr aktiv sind. Das Meer ist klar und fällt  recht schnell auf über 3000m Tiefe ab.

Am Tag meiner Ankunft machte ich einen kleinen Spaziergang durch den einzigen Ort der Insel. Ein niedliches Städtchen mit einer Einkaufsstraße, kleinem Hafen, Restaurants, Souvenirläden, Tourigeschäften und einer Autovermietung. Man lebt hier ausschließlich vom Tourismus. Auf dem Weg in den Ort und im Ort selbst traf ich schon auf die beeindruckenden Moai und den Ahu Tahai. Hier steht der einzige Moai, dessen Augen noch existieren. Einfach beeindruckend, wie die Menschen vor 500 Jahren mit einfachsten Mitteln und keinerlei Technologie so etwas aus dem Lavastein geschlagen, transportiert und aufgebaut haben. Das Museum gab wertvolle Informationen zu Herkunft, Religion, Herstellungstechnik und Geschichte der Rapa Nui und der Insel.

Da es am nächsten Tag leider immer noch stark regnete, entschied ich mich, gemeinsam mit einem Britten und einem Amerikaner einen kleinen Jeep zu mieten und zumindest trocken vom Auto aus die Insel zu erkunden. Ein mieses Gefühl hatte ich schon, als mir der Vermieter sagte, dass alle Mietwagen auf der Insel ohne Versicherung fahren. Aber es scheint ja zu funktionieren, also Unterschrift drunter und los gehts. Unsere Route führte die Südküste entlang. Immer wieder entdeckten wir Ahu’s und Moai, wobei die meisten allerdings umgefallen waren. Wir stoppten und schauten uns im strömenden Regen alles an. Nach zwei Stunden erreichten wir den Ahu Tongariki. Dieser ist mit seinen 15 Moai der wohl bekannteste Ahu und prägt das von der Osterinsel so typische Bild. In den Regenschwaden und den Wolken gab sich der Ahu in besonders mystischem Licht. Unsere Tour führte von da aus weiter nach Norden, wo wir an Pyroglyphen vorbei zur Anakenabucht fuhren.

Hier befindet sich der einzige Strand der Insel. Dank der Bestrebungen in den 1970ern und des damals gepflanzten Palmenhains kommt sogar ein wenig polynesisches Feeling auf. Majestätisch den Strand überwachend steht der Ahu Nau Nau, der besonders detailreiche Moai beherbergt. Diese waren im Sand verschollen und sind daher keinem Wetter ausgesetzt gewesen und damit noch sehr gut erhalten.

Fast alle Moai blicken ins Inselinnere und überblickten die Dörfer, die sich meist hinter den Ahu’s befanden. Sie sollten stets an die Vorfahren erinnern. Ausnahme bildet der Ahu Akivi. Er ist der einzige Ahu, dessen Moai aufs Meer schauen. Diesen besuchten wir auf dem Weg zurück nach Hanga Roa. Der erste Tag gab uns einen guten Einblick über die Insel und die Vielzahl an Ahu und Moai.

Am Abend ging ich mit Chris dem Kalifornier noch Fotos machen. Er ist professioneller Fotograf und ich lernte, wie man Sonnenuntergang und Nachthimmel richtig fotografiert, natürlich mit Moai im Vordergrund. Leider habe ich die Bilder auf meiner Kamera und ich habe zur Zeit keinen Rechner, um den einen oder anderen Shot mit in den Blog aufzunehmen. Aber ich werde den Artikel aktualisieren – sobald ich einen Laptop zur Verfügung habe.

Der nächste Morgen begann früh, denn wir wollten unseren Mietwagen voll ausnutzen und zum Sonnenaufgang zum Ahu Tongariki fahren. Was für ein magischer Moment, wenn die Sonne über den 15 Moai aufgeht.

Wir frühstückten noch auf dem Gelände und fuhren dann zur Geburtstätte der Moai dem Rano Raraku Steinbruch am Fuße des gleichnamigen Vulkans. Hier gibt es noch über 100 teilweise halbfertige oder noch im Stein befindliche Statuen. Es macht den Eindruck, als hätte man alles Hals über Kopf verlassen. Hier befindet sich auch den mit 21m größten Moai. Dieser befindet sich aber noch im Vulkangestein. Beeindruckend war auch, im Vulkankrater zu wandern. Auch hier sind an den Rändern noch viele weitere Moai und einen ganz tollen Kratersee.

Unseren Mietwagen gaben wir genau 23:59 Minuten nach dem Abholen wieder ab. German efficiency würd ich mal sagen 😝! Am Nachmittag war nach der sehr kurzen Nacht Ausruhen und Mittagsschlaf angesagt.

Am nächsten Tag ging es mit dem Fahrrad los. Die Nordküste wollte erkundet werden und obwohl der Parkwächter uns abriet, die Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, ließen wir uns davon nicht abbringen. Ich hatte ja meine Erfahrung mit Guiden von Radtouren auf unbekanntem Gebiet gemacht und so war ich ganz zuversichtlich, dass wir das schaffen.


Auf unserer Tour entdeckten wir Lavatunnelhöhlen, die direkt in den Klippen endeten, Knochen in anderen Höhlen, Ahu’s, ganz viele Moai, Reste von alten Rapa Nui – Dörfern, Pferde in freier Natur, so unheimlich beeindruckende, unberührte Natur und natürlich die eine oder andere Strecke, wo wir nicht fahren konnten und die Fahrräder schieben oder trugen 🙈. Insgesamt brauchten wir rund 5,5 Stunden für 22km bis zum Anakena Strand. Da Sonntag war, war die ganze Insel am Strand und die Einheimischen empfingen uns mit frisch gefangenen Fisch die sie über drei Holzscheite gebraten hatten. Einfach köstlich für die ausgehungerten Mountainbiker. #rapanuistyle


Ein kühles Cerveza am Strand und eine bitter nötige Abkühlung im Wasser machten uns wieder happy. Das Meer ist hier so klar, wie ich es in noch keinem anderen Meer gesehen habe. Man schwimmt weit raus und kann trotz Sandstrand immer bis zum Grund schauen und die Fische 🐠 erkennen. Das hieß für mich nur eins: Morgen geht’s tauchen!


Nach dem 50km Radfahren am Tag davor, hätten mich auch keine 10 Pferde mehr auf einen Sattel gebracht. So war meine Entscheidung, tauchen zu gehen genau richtig. Es ging mit dem Orca dive center zum Make Make Tauchplatz. Hier gab es Sichtweiten von über 60m. Unglaublich, wie klar und durchsichtig das Wasser ist. Der Grund dafür ist das Fehlen von Plankton im Wasser. Die Insel ist so weit Weg vom Festland, sodass kaum organisches Material vorhanden ist, das von den Flüsse ins Meer gespült wird. Wenn kein Plankton da ist, gibts auch keine kleinen Fische und wenn es die nicht gibt, gibts auch keine Großen. Somit war die Anzahl der Tiere unter Wasser beschränkt. Jedoch traf ich auf fünf Lobster in einer nie zuvor gesehenen Größe. 1,3m lang und schätzungsweise fünf Kilogramm schwer, hockten die Kollegen in einer Höhle auf 22m Tiefe und wunderten sich über den unangemeldeten Besuch der blubbernden Lebewesen vor ihnen.

Nachmittags ging es dann zur Kultstätte Orongo. Hier wurde früher der Vogelmannkult betrieben. Die Rapa Nui wählten nicht ihr Oberhaupt sondern ermittelten den König der Könige in einem Wettbewerb. Wer es als erstes schaffte, ein Seeschwalbenei von einem Felsen unterhalb des Vulkans Rano Kau im Wasser – den sogenannten Motos – zu holen und sicher auf das 300m über dem Wasser, auf dem Kraterrand liegende Orongo zu bringen, wurde Chef. Wäre vielleicht eine Alternative zu Jamaika und Neuwahl. 😂


Am nächsten Tag ging es genau zu diesen Motos. Ich konnte mir doch nicht den besten Tauchspot der Insel entgehen lassen. Sichtweiten von 70m, 50m senkrecht abfallende Steilhänge, Überhänge und Geröllhalden unter Wasser ergaben eine der krassesten Unterwasserlandschaften, die ich je gesehen habe. Einfach nur wow! Jeden Abend gab es dann noch Sunset + Vino. Eine sehr gelungene Kombination.


Am letzten Tag nahm ich mir noch die Wanderung auf den höchsten Pubkt der Insel dem 510m hohen Vulkan Mauna Terevaka vor. Alleine zog ich los und wurde zwischendrin von einer älteren Dame ein paar Kilometer mitgenommen. Trampen funktioniert hier echt gut. Dann von Ahu Akivi noch 5 km bergauf und dann bloß nicht vom starken Wind wegwehen lassen! Die Aussicht ist toll und es herrscht eine so friedliche Stimmung. Ich musste direkt erstmal ein kleinen Mittagsschlaf im Gras machen, bevor es dann wieder zurück ging. Auf dem Rückweg hat mich dann noch eine Rapa Nui auf dem Moped mitgenommen, natürlich ohne Helm 🙈. Hier ist die Welt noch in Ordnung.


Leider ist so eine Woche schnell rum und nun geht es wieder zurück nach Santiago. Hier treffe ich auf Tobi aus Berlin. Gemeinsam wollen wir ein paar Tage verbringen und dann später in Patagonien wandern gehen. Deswegen freut euch auf den nächsten Artikel, den es in ein paar Tagen geben wird.

Potosí, Uyuni Salzwüste & Atacama Wüste

Auf meiner weiteren Reise durch Bolivien war der nächste Stopp Potosí.

Hier besuchte ich eine Mine in einem der wohl silberreichsten Berge der Welt – dem Cerro Rico. Der Berg wird seit mehr als  500 Jahren umgegraben und durchhöhlert. Erst die Inkas, aber so richtig erst die Spanier. Die Bedingungen unter denen heute die Kumpel Silber, Zinn und Kupfer fördern, sind katastrophal. Die Männer oder besser die Jungs beginnen bereits im Alter von 14 Jahren neben der Schule zu arbeiten. Die Lebenserwartung der Bergarbeiter ist gerade einmal 40 Jahre.

Zu Beginn der Einfahrt in den Berg werden 96%iger Alkohol, Zigaretten und Kolablätter dem Tio-Teufel  geopfert, um wieder heil rauszukommen. Das zu erleben war schon schockierend und beängstigend, während man in einem ein Meter hohen Stollen 150m unter Tage kriecht, man irgendwo Dynamit explodieren hört und Steine von der Decke fallen. Sicher nix für Klaustrophobieanfällige, aber sehr sensibilisierend, wie man mit dem Konsum zu Hause doch auch das Leben dieser Menschen irgendwie mit beeinflusst. Ich hoffe nur, dass die Versprechungen der Politik, diese Zustände zu ändern, endlich umgesetzt werden.

Potosí hat aber auch sehr schöne Seiten. So wurde vom Sportministerium ein 10k Lauf organisiert, an dem über 5000 Läufer teilnahmen. Natürlich war auch ich dabei. Aber 10k auf knapp 4000m zu laufen, ist echt nicht ohne und ganz schön anstrengend, besonders wenn es noch 300m hoch geht! Meine Endzeit war mit 1:08h trotzdem ganz ok. Es war ja mehr der Spaß und der war voll da. Es wurde sogar vor allen Läufern erwähnt, dass deutsche und französische Läufer dabei sind. Selbst der Präsident schaute zu. Coole Aktion allemal!

Von Potosí ging es nach Uyuni. Uyuni ist eine Wüstenstadt im mittleren Süden Boliviens und Ausgangspunkt für Mehrtagestouren auf den größten und sicher einer der berühmtesten Salzseen der Welt.

Ich nahm an einer 4-Tagestour Teil mit fünf anderen teil.  Wir wurden morgens von einem großen Toyota Geländewagen abgeholt. Mit ihm ging es zuerst in den Cementerio de trenes. Hier wurden nach der Stilllegung der meisten Zuglinien durch die Wüsten des Südens alte Dampflokomotiven hergebracht, die nun langsam verrotten. Ein perfektes Terrain für Fotografen und auch für viele Touristen. Wann kann man schon mal einen Zugfriedhof anschauen?

Vom Cementario ging es dann in die Salar de Uyuni. Die Salar ist eigentlich ein riesiger Salzsee mit 10000qkm, der jedoch unter einer weißen kristallisierten Salzkruste verborgen ist und auf circa 3660m Höhe liegt. Er erstreckt sich bis zum Horizont und man verliert jegliches Gefühl von Dimensionen. Daher können auf ihm auch richtig lustige Bilder gemacht werden.

Nach einem Besuch eines Salzsteinbruchs, in dem Salzklötze zum Bau von Häusern hergestellt wurden, ging es zu einem kleinen Dorf. Hier war unsere Unterkunft für die Nacht ein Haus, dass komplett aus Salz gebaut war – inklusive der Betten! Wir schauten uns noch den Sonnenuntergang, die Flamingos und Llamas an, bevor es früh ins Bett ging. Am nächsten Morgen bestiegen wir den Tunupa Vulkan. Die 5432m schafften wir zeitlich leider nicht, aber auch von 4800m hatte man eine geile Aussicht auf die Salar.

Der Salzsee ist an manchen Stellen bis zu 120 Meter tief und in der Regenzeit von einer Wasserschicht bedeckt, die wie ein riesiger Spiegel agiert. Und wie es sich für einen großen See gehört, hat dieser auch Inseln. Wir fuhren zur Kakteeninsel und erreichten diese auch nach knapp 1,5h Fahrt. Auf ihr standen beeindruckend große, gigantische Kakteen. Manche waren locker fünf Meter hoch und boten beste Möglichkeiten für Panoramafotos über die Salar.

Am dritten Tag ging es zu den Lagunen. Da gab es grüne, weiße und sogar bunte! Alle beziehen ihr Wasser von den umliegenden Vulkanen und Bergen, auf denen teilweise weit über 5000m hohen Bergspitzen der Schnee schmilzt und in den Lagunen zusammenfließt. In allen Lagunen, die sich pittoresk in die trockene, windige und unwirtschaftliche Landschaft einfügen, leben ganz viele Flamingos. Die einfach nur tollen Tiere konnte man perfekt in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Der Landstrich ist eine gottverlassene Gegend, in der wir stundenlang quer über Sand und Steine fuhren und weder Menschen, Dörfer noch irgendeine Pflanze sahen. Es ist eine der trockensten Gegenden der Welt, in der nur wenige Tage im Jahr Regen oder Schnee fällt. Die meiste Zeit fuhren wir auch jenseits der 4000m Grenze. Den Abschluss des Tages bildete der Arbol de Piedra – ein vom Wind geschliffener Stein, der wie ein Baum aussah.

Am nächsten Morgen ging es dann super früh raus. 3:30 Uhr klingelte der Wecker. Draußen waren  minus 10 Grad – wir waren ja auch über 4300m hoch – und auf dem Weg zu Geysiren. Dort angekommen, sahen wir die Sonne aufgehen und man merkte, wie aktiv die Erde hier noch ist. Als Teil des pazifischen Feuerringes schiebt sich die Nascarplatte unter die Amerikanische Platte, schmilzt diese auf und drückt Vulkane nach oben. Es dampft, brodelt und blubbert überall. Ein kleiner Yellowstone mitten in der Wüste. Nachdem wir ziemlich durchgefroren waren, ging es morgens um halb 7 verdientermaßen in die nahegelegenen Thermalquellen, um  im 39 Grad warmen Wasser zu schwimmen, während es draußen immer noch unter 0 war.

Die Tour durch Bolivien neigt sich ihrem Ende zu und für mich ging es  weiter nach Chile. Der einsame Grenzübergang mitten im Nirgendwo war schon irgendwie lustig. Eine Holzhütte, eine bolivianische Flagge und bestimmt 200 Touristen – inklusive deutscher Reisegruppe voller Bayern auf dem Weg nach Bolivien.

Ein Kleinbus fuhr uns nach San Pedro de Atacama in Chile. Es ist schon erstaunlich, wie Grenzen trennen. Kaum in Chile angekommen, fuhren wir auf asphaltierter Straße- bestimmt die Erste in fast einer Woche – die Grenzbeamten waren größer als die Kollegen in Bolivien und hatten keine Spuren indogener Vorfahren, sondern sahen sehr europäisch aus. Der erste Eindruck von San Pedro war auch wie Balsam für die Augen. Seit Wochen wieder eine saubere, aufgeräumte Stadt, eine kleine Oase mitten in der Atacamawüste, ohne hupende Autos, Autofahrer die anhalten, wenn man über die Straße will und keine rasenden, überfüllten Minibusse, sondern Privatfahrzeuge. Es gab eine Fußgängerzone mit vielen Menschen die bei 29 Grad durch die Souvenirshops schlenderten. San Pedro sieht ein wenig aus wie eine kleine Westernstadt, aber mit spanischen Wurzeln. Nach Tagen der Kälte war das Wetter auch so toll! Die nächsten fünf Tage verbrachte ich hier und unternahm ganz viele Tagestouren und erarbeitete mir fast den Status eines Mountainbikeguides. 😉

Am ersten Tag fuhren wir zur Cebrada del Diablo, einem vom Wasser geformten engen Canyon im sandigen Gestein. Er erinnerte mich ein wenig an den Antilope Canyon in Utah. Leider führte unsere Tour etwas abseits des Weges und so mussten wir ein Stück die Räder tragen, um wieder zurück zu kommen 🙈.

An Tag zwei ging’s dann zur Laguna Cejar, einem Salzsee in der Atacamawüste, der so viel Salz enthält, dass man – wie im Toten Meer – auf der Oberfläche treibt.

Am dritten Tag fuhren wir ins berühmte Valle de La Luna. Es fällt wirklich schwer, die Landschaft in Worten zu beschreiben, aber es scheint dort seit vielen Jahren kaum geregnet zu haben. Und wenn, dann formt das Wasser abstruse Figuren in den Stein, die, gepaart mit dem wie Puderzucker darüber liegenden Salz, wie eine Mondlandschaft aussieht. Aus diesem Grund erhielt der Nationalpark auch den Namen des Mondtals. Es gibt Dünen und Täler und alles vor der Kulisse der umliegenden Vulkane an der Grenze zu Bolivien.

San Pedro ist wirklich sehenswert – ein guter Tipp für alle die nach Chile kommen: Fahrt hier her und erkundet alles per Mountainbike –  euch erwartet eine saustarke Landschaft, die man per Bike am besten erleben kann.

Da ich ja mittlerweile fast Vulkanexperte bin ;), konnte ich natürlich den Lascar Vulkan nicht auslassen. Der Lascar ist einer, wenn nicht sogar der aktivste Vulkan Chiles. Mit seinen 5592m ist er auch nicht gerade klein, aber die Höhe hat mich bis jetzt noch nie aufgehalten 😉

Die Besteigung war recht einfach: Wir fuhren mit einem Jeep bis auf 4800m, frühstückten ein megageiles Baguette mit Käse und Salami, Schokocroissant, selbstgemachte Marmelade und Kokatee. Auch kulinarisch punktet Chile gegen Bolivien! Binnen drei Stunden waren wir oben, wobei 2 meiner 3 brasilianischen Mitstreiter nicht gut genug akklimatisiert oder konditionell nicht so fit waren und es nur bis zum Kraterrand schafften. Die Aussicht auf der Spitze war jedoch unglaublich. Ich zählte über 48 Vulkane im Umkreis und konnte aus dem Krater ein Knallen und Knurren hören. Es zogen dicke Schwefel- und Wasserdampfwolken über uns und man merkte, dass es da drinnen brodelt. Die letzte explosive Eruption schleuderte Asche bis nach Buenos Aires!

Den Abschluss meiner Wüstentour bildete der Besuch in der größten Mine der Welt. Nördlich von Calarma liegen die weltweit größten Kupferressourcen und diese werden auch kräftig ausgebeutet. Die Mine ist ein riesiges Loch mit vier km Länge,  drei km Breite und 1200m Tiefe. Hier arbeiten rund um die Uhr 90 Riesen-LKWs, von denen jeder 330 Tonnen Material aus der Mine fährt. Dieses Material wird dann zu 8500 Kathoden – 175kg pures, 99,997%iges Kupfer verarbeitet – pro Tag!!!! Wenn das das Tagesmenge einer Mine ist, braucht man sich nicht zu wundern, das der Bergbau über 50% des chilenischen BIP bildet. Und es gibt in dem gesamten Gebiet noch mindestens fünf weitere Minen! 😳

Nun fragt ihr euch vielleicht, von wo ich immer meine Blogtexte schreibe. Meistens entstehen sie auf meinem Handy mit der WordPress App, wenn ich im Bus sitze oder mir mal ein halben Tag Ruhe gönne. Dieser Artikel ist jedoch an einem ganz besonderen Ort entstanden – von dem wird der nächste Beitrag berichten. Bis dahin verbleibe ich mit einem Dank fürs Lesen und vielen Grüßen von der meist abgelegensten Insel der Welt 🗿