Bonito & Rio de Janeiro

Ich hatte noch 3 Wochen bis ich mich mit meinen Freunden aus Berlin auf Grenada treffen würde und ich wollte diese Zeit in Brasilien verbringen. Ein Freund aus Berlin, Fernando, der ursprünglich aus Brasilien kommt, gab mir ganz viele Tipps, was ich in dieser Zeit machen könnte und nach etwas Recherche entschied ich mich mit dem Nachtbus von Foz via Campo Grande nach Bonito zu fahren.

Bonito ist ein kleines Nest ungefähr 75km nördlich von der paraguayischen und 250km östlich von der bolivianischen Grenze. Es liegt südlich vom Pantanal. Bonito ist bekannt für seine extrem klaren und sauberen Flüsse und vielen Höhlen. Ich hatte drei Tage hier und wollte unbedingt in die Abyss Anhumas – einer 150 Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle. Hier seilt man sich 72m in die 190×80 Meter große Höhle ab. In der Höhle befindet sich ein See in dem man Schnorcheln oder, wie ich, tauchen gehen kann. Für mich ein ganz besonderes Erlebnis, da ich noch nie im Süßwasser tauchen war, geschweige denn in einer Höhle!

Das Abseilen war schon eine sehr, sehr adrenalinehaltige Angelegenheit. 72m sind verdammt hoch und nur an einem Seil hängend, sich langsam abzuseilen, setzt schon ein wenig Schwindelfreiheit voraus. Unten angekommen, ging es dann in den dicken Neopren, da das Wasser nur 20 Grad hatte. Es gibt bis auf ein paar kleine Fischis 🐟 kein Leben im Wasser. Aber umso beeindruckender waren die Jahrmillionen alten Cones, runde Stalagmiten, die teilweise bis 19m hoch waren. Auch sah ich ein paar Tierknochen von einem Ameisenbär, der wohl irgendwie in die Höhle gefallen und dann wohl verhungert ist. Der schwierigste Teil des Unterfangen jedoch war der Aufstieg. Neben der bereits benannten Schwindelfreiheit war auch gute Armmuskelkraft nötig, um sich wieder hochzuziehen. Im Großen und Ganzen ein geiles Erlebnis!

Am nächsten Tag ging es dann in den Rio Prata zum Schnorcheln. Aufgrund des hohen Kalkgesteinanteils im Boden, wird das Wasser der Flüsse regelrecht kristallklar gefiltert. Dies ermöglicht Sichtweiten von bis zu 40m – in einem Fluss! Also ging es mit Schnorchel und shorty Neopren bewaffnet ins Wasser. Der Neopren ist mehr dazu da, oben zu treiben, denn das Wasser ist angenehm warm. Man sieht viele Fische, die total entspannt neben einem und um einen herum schwimmen und sich gar nix aus den komischen Besuchern in den schwarzen Anzügen machen. Wir sahen die Affen über uns in den Baumwipfeln hin und herspringen und sogar einen Kaiman am Ufer chillen. Bekanntschaften mit Schlangen, die dort leben und auch gern mal den Fluss kreuzen, gab es glücklicherweise nicht.

Bonito hat mir sehr gut gefallen, jedoch macht sich der ausgebaute Ökotourismus auch im Portmonee bemerkbar. Günstig, ist meines Erachtens anders.

Von Bonito ging es mit dem Abendbus nach Campo Grande zurück von wo aus ich 3:40 Uhr morgens den Flieger nach São Paolo nahm um dort in den Flieger nach Rio umzusteigen.

Von Rio de Janeiro hört man ja im vornherein schon ziemliche Gruselgeschichten was die Sicherheit angeht. Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich weder beraubt, beklaut, erstochen oder erschossen wurde. Mit Sicherheit gibt es Gegenden und da vor allem bestimmte Favelas, in die man besser nicht geht. Man sollte den Common Sense walten lassen und die in Medellin gelernte Papayaregel anwenden und dann passt das schon. Ich empfande es nicht schlimmer als in irgendeiner anderen südamerikanischen Großstadt wie Lima, Quito oder Bogota.

Nun aber zu den schönen Seiten. Rio ist einfach der Hammer. Bis dahin galt Buenos Aires als meine Lieblingsstadt, aber diesen Titel muss ich leider Rio verleihen, da Rio echt geil ist. Angefangen von der bizarren Landschaft mit den vielen Hügeln, über die Strände bis zu den Menschen habe ich in meiner Woche die ich da war einfach nur eine tolle Zeit gehabt. Ich habe den Zuckerhut und den Christus besucht, war zu einem Fußballspiel in Maracanã Stadion, hab an der Copacabana Caipi’s geschlürft, war auf einem Straßensambafest in einer ehemaligen Favela, hab die Zwei Brüder bestiegen und danach mir eine Favela angeschaut und richtig gut Mittag gegessen. Ich war in Lapa feiern (mehr als nur einmal) und habe die Vorbereitungen für Karneval bei diversen Straßen-Prekarneval Parties genossen.

Ich habe außerdem noch zufälligerweise meinen alten Schulkameraden Georg aus Reichenbach getroffen, den ich sicher 4 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte und mit ihm und seinem Kollegen aus Leipzig viele schöne Stunden verbracht.

Leider war die Zeit wie immer einmal wieder viel zu kurz und so musste ich mich auf den Weg gen Norden machen, wo meine letzte Station vor dem Abholkommando aus Berlin auf dem Plan stand. Es ging über Suriname nach Trinidad & Tobago zurück in die Karibik. Davon, gibts aber im nächsten Post mehr.

Iguazú Wasserfälle und Itaipú Staudamm

Von Buenos Aires kommend, endete meine Zeit im schönen Argentinien mit dem Besuch der weltberühmten Iguazú Wasserfällen. Dieses monumentale Wunder der Natur befindet sich ganz nah am Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay und verläuft auf der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien.

Ich verbrachte einen ganzen Tag auf der argentinischen Seite im eigens dafür eingerichteten Nationalpark. Mit dem Bus ist dieser sehr leicht aus der Stadt Puerto Iguazú zu erreichen. Obwohl ich ihn mit 25€ Eintritt doch recht teuer fand, ist er sehr schön eingerichtet und für große Besucherströme vorbereitet. Gut ausgebaute Wanderwege lassen erleichtern es, den Park zu durchwandern.

Nach Ankunft und einer kurzer Fahrt mit der Parkeisenbahn ging es direkt zum Garganta Del Diabolo – dem Rachen des Teufels. Hier befindet sich der größte der rund 250 Wasserfälle, an denen der Iguazú Fluss bis zu 70m in die Tiefe stürzt. Auf knapp 2km Breite stürzt sich das Wasser hier in die Tiefe und wirbelt dabei Unmengen von Wasserdampf auf.

Nach ausgiebiger Fotosession ging es zum oberen Rundwanderweg, über den man sehr beeindruckende Aussichten von oben auf mehrere Wasserfälle bekommt. Mit meiner netten argentinischen Hockeymannschaft, die ich unterwegs kennenlernte, liefen wir durch dichten Regenwald und konnten neben Affen auch viele Coati – eine Art Waschbär – beobachten.

Zum Abschluss ging es noch zum unteren Rundwanderweg, der einen direkt an den Fuß eines weiteren riesigen Wasserfalls bringt. Ich verbrachte locker 6 Stunden mit wirklich faszinierenden Aussichten und beeindruckenden Erlebnissen.

Am nächsten Tag verließ ich Argentinien und nahm den Bus nach Foz de Iguaçu in Brasilien, um mir auch diese Seite anzuschauen. Foz selbst wer nicht so hübsch, aber der deutlich kleinere Park auf brasilianischer Seite ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Hier sieht man die Fälle aus einem ganz anderen Winkel und kann die argentinische Seite sehr gut beobachten. Rund 1500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde flossen zum Zeitpunkt meines Besuchs über die Fälle – das ist schon nicht wenig!

Am nächsten Tag hatte ich einen Besuch im leistungsstärksten Wasserkraftwerk der Welt, dem Itaipú Staudamm gebucht. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen Brasilien und Paraguay liegt genau auf der Grenze der beiden Staaten und wird von beiden auch gemeinschaftlich betrieben. Der Staudamm ist 8km lang und rund 180m hoch. Er staut den Rio Paraná auf, der nun einen rund 160km langen See bildet. Die Kraft des Wassers wird durch 20 Turbinen (10 für Paraguay und 10 für Brasilien) in Elektrizität umgewandelt. Jede Turbine hat 700MW Leistung und damit erzeugt das fast konstant ausgelastete Kraftwerk rund 10 mal so viel Elektrizität wie Isar 2, das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Welt.

Es floss zu meinem Besuch sogar so viel Wasser in den See, dass der Spillway (Überlauf) genutzt wurde um überschüssiges Wasser abzuführen. Hier lief ungefähr so viel Wasser über, wie in den gesamten Iguazú-Wasserfall. Ein wirklich beeindruckendes Wunder der Technik, welches sauberen Strom für 75% des paraguayischen und 15% des brasilianischen Energiebedarfs deckt.

 

Als nächstes ging es in einer 24h dauernden Busfahrt via Campo Grande nach Bonito in Mato Grosso del Sur. Was ich da erlebte, gibts im nächsten Blogpost.