Eine Woche auf Rapa Nui 🗿

Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, dass ich, wenn ich schon mal in Chile bin, den Abstecher auf die Osterinsel nicht vergessen darf. Nachdem ich ein österreichisches Pärchen kennen gelernt habe, die mir von ihren Erlebnissen erzählt haben und ich mich noch etwas mehr belesen hatte, war die Entscheidung klar. Ich fliege auf die Osterinsel!

Von Calama ging mein Weg über Santiago de Chile, wo ich einen Tag für Wäsche waschen und einkaufen verbrachte, bevor es dann mit Latam auf die entlegenste Insel der Welt ging.

Die Osterinsel oder Rapa Nui wie sie die Einheimischen nennen, liegt mitten im Pazifik knapp fünf Flugstunden oder 3800km vor der chilenischen Küste. Die Insel ist 20x12km groß und hat rund 5000 Einwohner. Sie wurde von dem Holländer Jacob Roggeveen als ersten Europäer am Ostersonntag 1722 entdeckt. Allerdings war sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit knapp 250 Jahren besiedelt. Die Ureinwohner, auch Rapa Nui genannt, stammen vermutlich aus Polynesien und sind im 15 Jahrhundert mit kleinen Kanus die knapp 4000km dorthin gepaddelt und haben die Inseln besiedelt. Verrückt oder? Mir ist es ein großes Rätsel, wie das geklappt haben soll, aber irgendwie haben sie es doch geschafft. Als Roggeveen die Insel entdeckte, lebten rund 15000 Menschen hier in Clans organisiert und teilten die Insel unter sich auf. Der Entdecker fand viele Steinkopfstatuen auf der ganzen Insel verteilt, sogenannte Moai 🗿. Diese wurden auf Ahu’s aufgestellt, eine Art Altar um die Ahnen zu verehren die die Moai repräsentierten. Als 50 Jahre später James Cook zu der Insel kam, fand er die meisten Statuen umgeworfen. Es schien, als ob es zwischen den Clans Krieg gegeben hatte und der zu dieser Verwüstung führte.

Archäologen fanden später heraus, dass es wohl zu einer Überbevölkerung kam. Unter deren Folge waren die Ressourcen der Insel beinahe ausgeschöpft und es kam zu Streitereien zwischen den Clans. Das ist ein  klassisches Beispiel dafür, dass eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zur Auslöschung fast einer ganzen Kultur führen kann. 1888 annektierte Chile die Insel in verpachtete das Eiland an eine britische Wollhandelsfirma. Diese verbannte die noch wenigen verbliebenen Einwohner nach Hanga Roa und verbot ihnen, den Rest der Insel zu betreten. Peruanische Sklavenhändler verschleppten zudem tausende Rapa Nui, um diese zur Zwangsarbeit zu zwingen. Als diese zurückkehrten, brachten sie Krankheiten mit, die die Bevölkerung auf 118 Mann dezimierte.

Seitdem kämpfen die Einwohner damit, die gleiche Rechte wie die Chilenen zu bekommen. Dieses Jahr werden erstmalig große Teile der Insel inklusive dem Nationalpark von der chilenischen Regierung zurück an die Rapa Nui übertragen.

Meine Zeit hier auf der Insel kam ich im Mihinoa Campingplatz unter und mietete mir ein Zelt. Tagsüber ist es 22-24 Grad warm und abends wird’s nicht kälter als 18 Grad. Die Wassertemperatur ist zur Zeit 22 Grad warm, steigt aber im Sommer bis 27 Grad an. Also perfektes Klima, obwohl es immer etwas windig ist. Es fühlt sich hier, wie eine Mischung aus Hawaii und Irland an.

Die Insel selbst hat kaum noch Wälder und ist geprägt durch größtenteils karge Landschaften mit grünen Wiesen und überall Lavasteinen. Das ist auch irgendwie logisch, denn sie ist vulkanischem Ursprungs. Es gibt mehrere große Krater die bis zu 500m übers Meer gewachsen sind, jedoch nicht mehr aktiv sind. Das Meer ist klar und fällt  recht schnell auf über 3000m Tiefe ab.

Am Tag meiner Ankunft machte ich einen kleinen Spaziergang durch den einzigen Ort der Insel. Ein niedliches Städtchen mit einer Einkaufsstraße, kleinem Hafen, Restaurants, Souvenirläden, Tourigeschäften und einer Autovermietung. Man lebt hier ausschließlich vom Tourismus. Auf dem Weg in den Ort und im Ort selbst traf ich schon auf die beeindruckenden Moai und den Ahu Tahai. Hier steht der einzige Moai, dessen Augen noch existieren. Einfach beeindruckend, wie die Menschen vor 500 Jahren mit einfachsten Mitteln und keinerlei Technologie so etwas aus dem Lavastein geschlagen, transportiert und aufgebaut haben. Das Museum gab wertvolle Informationen zu Herkunft, Religion, Herstellungstechnik und Geschichte der Rapa Nui und der Insel.

Da es am nächsten Tag leider immer noch stark regnete, entschied ich mich, gemeinsam mit einem Britten und einem Amerikaner einen kleinen Jeep zu mieten und zumindest trocken vom Auto aus die Insel zu erkunden. Ein mieses Gefühl hatte ich schon, als mir der Vermieter sagte, dass alle Mietwagen auf der Insel ohne Versicherung fahren. Aber es scheint ja zu funktionieren, also Unterschrift drunter und los gehts. Unsere Route führte die Südküste entlang. Immer wieder entdeckten wir Ahu’s und Moai, wobei die meisten allerdings umgefallen waren. Wir stoppten und schauten uns im strömenden Regen alles an. Nach zwei Stunden erreichten wir den Ahu Tongariki. Dieser ist mit seinen 15 Moai der wohl bekannteste Ahu und prägt das von der Osterinsel so typische Bild. In den Regenschwaden und den Wolken gab sich der Ahu in besonders mystischem Licht. Unsere Tour führte von da aus weiter nach Norden, wo wir an Pyroglyphen vorbei zur Anakenabucht fuhren.

Hier befindet sich der einzige Strand der Insel. Dank der Bestrebungen in den 1970ern und des damals gepflanzten Palmenhains kommt sogar ein wenig polynesisches Feeling auf. Majestätisch den Strand überwachend steht der Ahu Nau Nau, der besonders detailreiche Moai beherbergt. Diese waren im Sand verschollen und sind daher keinem Wetter ausgesetzt gewesen und damit noch sehr gut erhalten.

Fast alle Moai blicken ins Inselinnere und überblickten die Dörfer, die sich meist hinter den Ahu’s befanden. Sie sollten stets an die Vorfahren erinnern. Ausnahme bildet der Ahu Akivi. Er ist der einzige Ahu, dessen Moai aufs Meer schauen. Diesen besuchten wir auf dem Weg zurück nach Hanga Roa. Der erste Tag gab uns einen guten Einblick über die Insel und die Vielzahl an Ahu und Moai.

Am Abend ging ich mit Chris dem Kalifornier noch Fotos machen. Er ist professioneller Fotograf und ich lernte, wie man Sonnenuntergang und Nachthimmel richtig fotografiert, natürlich mit Moai im Vordergrund. Leider habe ich die Bilder auf meiner Kamera und ich habe zur Zeit keinen Rechner, um den einen oder anderen Shot mit in den Blog aufzunehmen. Aber ich werde den Artikel aktualisieren – sobald ich einen Laptop zur Verfügung habe.

Der nächste Morgen begann früh, denn wir wollten unseren Mietwagen voll ausnutzen und zum Sonnenaufgang zum Ahu Tongariki fahren. Was für ein magischer Moment, wenn die Sonne über den 15 Moai aufgeht.

Wir frühstückten noch auf dem Gelände und fuhren dann zur Geburtstätte der Moai dem Rano Raraku Steinbruch am Fuße des gleichnamigen Vulkans. Hier gibt es noch über 100 teilweise halbfertige oder noch im Stein befindliche Statuen. Es macht den Eindruck, als hätte man alles Hals über Kopf verlassen. Hier befindet sich auch den mit 21m größten Moai. Dieser befindet sich aber noch im Vulkangestein. Beeindruckend war auch, im Vulkankrater zu wandern. Auch hier sind an den Rändern noch viele weitere Moai und einen ganz tollen Kratersee.

Unseren Mietwagen gaben wir genau 23:59 Minuten nach dem Abholen wieder ab. German efficiency würd ich mal sagen 😝! Am Nachmittag war nach der sehr kurzen Nacht Ausruhen und Mittagsschlaf angesagt.

Am nächsten Tag ging es mit dem Fahrrad los. Die Nordküste wollte erkundet werden und obwohl der Parkwächter uns abriet, die Strecke mit dem Fahrrad zu fahren, ließen wir uns davon nicht abbringen. Ich hatte ja meine Erfahrung mit Guiden von Radtouren auf unbekanntem Gebiet gemacht und so war ich ganz zuversichtlich, dass wir das schaffen.


Auf unserer Tour entdeckten wir Lavatunnelhöhlen, die direkt in den Klippen endeten, Knochen in anderen Höhlen, Ahu’s, ganz viele Moai, Reste von alten Rapa Nui – Dörfern, Pferde in freier Natur, so unheimlich beeindruckende, unberührte Natur und natürlich die eine oder andere Strecke, wo wir nicht fahren konnten und die Fahrräder schieben oder trugen 🙈. Insgesamt brauchten wir rund 5,5 Stunden für 22km bis zum Anakena Strand. Da Sonntag war, war die ganze Insel am Strand und die Einheimischen empfingen uns mit frisch gefangenen Fisch die sie über drei Holzscheite gebraten hatten. Einfach köstlich für die ausgehungerten Mountainbiker. #rapanuistyle


Ein kühles Cerveza am Strand und eine bitter nötige Abkühlung im Wasser machten uns wieder happy. Das Meer ist hier so klar, wie ich es in noch keinem anderen Meer gesehen habe. Man schwimmt weit raus und kann trotz Sandstrand immer bis zum Grund schauen und die Fische 🐠 erkennen. Das hieß für mich nur eins: Morgen geht’s tauchen!


Nach dem 50km Radfahren am Tag davor, hätten mich auch keine 10 Pferde mehr auf einen Sattel gebracht. So war meine Entscheidung, tauchen zu gehen genau richtig. Es ging mit dem Orca dive center zum Make Make Tauchplatz. Hier gab es Sichtweiten von über 60m. Unglaublich, wie klar und durchsichtig das Wasser ist. Der Grund dafür ist das Fehlen von Plankton im Wasser. Die Insel ist so weit Weg vom Festland, sodass kaum organisches Material vorhanden ist, das von den Flüsse ins Meer gespült wird. Wenn kein Plankton da ist, gibts auch keine kleinen Fische und wenn es die nicht gibt, gibts auch keine Großen. Somit war die Anzahl der Tiere unter Wasser beschränkt. Jedoch traf ich auf fünf Lobster in einer nie zuvor gesehenen Größe. 1,3m lang und schätzungsweise fünf Kilogramm schwer, hockten die Kollegen in einer Höhle auf 22m Tiefe und wunderten sich über den unangemeldeten Besuch der blubbernden Lebewesen vor ihnen.

Nachmittags ging es dann zur Kultstätte Orongo. Hier wurde früher der Vogelmannkult betrieben. Die Rapa Nui wählten nicht ihr Oberhaupt sondern ermittelten den König der Könige in einem Wettbewerb. Wer es als erstes schaffte, ein Seeschwalbenei von einem Felsen unterhalb des Vulkans Rano Kau im Wasser – den sogenannten Motos – zu holen und sicher auf das 300m über dem Wasser, auf dem Kraterrand liegende Orongo zu bringen, wurde Chef. Wäre vielleicht eine Alternative zu Jamaika und Neuwahl. 😂


Am nächsten Tag ging es genau zu diesen Motos. Ich konnte mir doch nicht den besten Tauchspot der Insel entgehen lassen. Sichtweiten von 70m, 50m senkrecht abfallende Steilhänge, Überhänge und Geröllhalden unter Wasser ergaben eine der krassesten Unterwasserlandschaften, die ich je gesehen habe. Einfach nur wow! Jeden Abend gab es dann noch Sunset + Vino. Eine sehr gelungene Kombination.


Am letzten Tag nahm ich mir noch die Wanderung auf den höchsten Pubkt der Insel dem 510m hohen Vulkan Mauna Terevaka vor. Alleine zog ich los und wurde zwischendrin von einer älteren Dame ein paar Kilometer mitgenommen. Trampen funktioniert hier echt gut. Dann von Ahu Akivi noch 5 km bergauf und dann bloß nicht vom starken Wind wegwehen lassen! Die Aussicht ist toll und es herrscht eine so friedliche Stimmung. Ich musste direkt erstmal ein kleinen Mittagsschlaf im Gras machen, bevor es dann wieder zurück ging. Auf dem Rückweg hat mich dann noch eine Rapa Nui auf dem Moped mitgenommen, natürlich ohne Helm 🙈. Hier ist die Welt noch in Ordnung.


Leider ist so eine Woche schnell rum und nun geht es wieder zurück nach Santiago. Hier treffe ich auf Tobi aus Berlin. Gemeinsam wollen wir ein paar Tage verbringen und dann später in Patagonien wandern gehen. Deswegen freut euch auf den nächsten Artikel, den es in ein paar Tagen geben wird.

Potosí, Uyuni Salzwüste & Atacama Wüste

Auf meiner weiteren Reise durch Bolivien war der nächste Stopp Potosí.

Hier besuchte ich eine Mine in einem der wohl silberreichsten Berge der Welt – dem Cerro Rico. Der Berg wird seit mehr als  500 Jahren umgegraben und durchhöhlert. Erst die Inkas, aber so richtig erst die Spanier. Die Bedingungen unter denen heute die Kumpel Silber, Zinn und Kupfer fördern, sind katastrophal. Die Männer oder besser die Jungs beginnen bereits im Alter von 14 Jahren neben der Schule zu arbeiten. Die Lebenserwartung der Bergarbeiter ist gerade einmal 40 Jahre.

Zu Beginn der Einfahrt in den Berg werden 96%iger Alkohol, Zigaretten und Kolablätter dem Tio-Teufel  geopfert, um wieder heil rauszukommen. Das zu erleben war schon schockierend und beängstigend, während man in einem ein Meter hohen Stollen 150m unter Tage kriecht, man irgendwo Dynamit explodieren hört und Steine von der Decke fallen. Sicher nix für Klaustrophobieanfällige, aber sehr sensibilisierend, wie man mit dem Konsum zu Hause doch auch das Leben dieser Menschen irgendwie mit beeinflusst. Ich hoffe nur, dass die Versprechungen der Politik, diese Zustände zu ändern, endlich umgesetzt werden.

Potosí hat aber auch sehr schöne Seiten. So wurde vom Sportministerium ein 10k Lauf organisiert, an dem über 5000 Läufer teilnahmen. Natürlich war auch ich dabei. Aber 10k auf knapp 4000m zu laufen, ist echt nicht ohne und ganz schön anstrengend, besonders wenn es noch 300m hoch geht! Meine Endzeit war mit 1:08h trotzdem ganz ok. Es war ja mehr der Spaß und der war voll da. Es wurde sogar vor allen Läufern erwähnt, dass deutsche und französische Läufer dabei sind. Selbst der Präsident schaute zu. Coole Aktion allemal!

Von Potosí ging es nach Uyuni. Uyuni ist eine Wüstenstadt im mittleren Süden Boliviens und Ausgangspunkt für Mehrtagestouren auf den größten und sicher einer der berühmtesten Salzseen der Welt.

Ich nahm an einer 4-Tagestour Teil mit fünf anderen teil.  Wir wurden morgens von einem großen Toyota Geländewagen abgeholt. Mit ihm ging es zuerst in den Cementerio de trenes. Hier wurden nach der Stilllegung der meisten Zuglinien durch die Wüsten des Südens alte Dampflokomotiven hergebracht, die nun langsam verrotten. Ein perfektes Terrain für Fotografen und auch für viele Touristen. Wann kann man schon mal einen Zugfriedhof anschauen?

Vom Cementario ging es dann in die Salar de Uyuni. Die Salar ist eigentlich ein riesiger Salzsee mit 10000qkm, der jedoch unter einer weißen kristallisierten Salzkruste verborgen ist und auf circa 3660m Höhe liegt. Er erstreckt sich bis zum Horizont und man verliert jegliches Gefühl von Dimensionen. Daher können auf ihm auch richtig lustige Bilder gemacht werden.

Nach einem Besuch eines Salzsteinbruchs, in dem Salzklötze zum Bau von Häusern hergestellt wurden, ging es zu einem kleinen Dorf. Hier war unsere Unterkunft für die Nacht ein Haus, dass komplett aus Salz gebaut war – inklusive der Betten! Wir schauten uns noch den Sonnenuntergang, die Flamingos und Llamas an, bevor es früh ins Bett ging. Am nächsten Morgen bestiegen wir den Tunupa Vulkan. Die 5432m schafften wir zeitlich leider nicht, aber auch von 4800m hatte man eine geile Aussicht auf die Salar.

Der Salzsee ist an manchen Stellen bis zu 120 Meter tief und in der Regenzeit von einer Wasserschicht bedeckt, die wie ein riesiger Spiegel agiert. Und wie es sich für einen großen See gehört, hat dieser auch Inseln. Wir fuhren zur Kakteeninsel und erreichten diese auch nach knapp 1,5h Fahrt. Auf ihr standen beeindruckend große, gigantische Kakteen. Manche waren locker fünf Meter hoch und boten beste Möglichkeiten für Panoramafotos über die Salar.

Am dritten Tag ging es zu den Lagunen. Da gab es grüne, weiße und sogar bunte! Alle beziehen ihr Wasser von den umliegenden Vulkanen und Bergen, auf denen teilweise weit über 5000m hohen Bergspitzen der Schnee schmilzt und in den Lagunen zusammenfließt. In allen Lagunen, die sich pittoresk in die trockene, windige und unwirtschaftliche Landschaft einfügen, leben ganz viele Flamingos. Die einfach nur tollen Tiere konnte man perfekt in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten. Der Landstrich ist eine gottverlassene Gegend, in der wir stundenlang quer über Sand und Steine fuhren und weder Menschen, Dörfer noch irgendeine Pflanze sahen. Es ist eine der trockensten Gegenden der Welt, in der nur wenige Tage im Jahr Regen oder Schnee fällt. Die meiste Zeit fuhren wir auch jenseits der 4000m Grenze. Den Abschluss des Tages bildete der Arbol de Piedra – ein vom Wind geschliffener Stein, der wie ein Baum aussah.

Am nächsten Morgen ging es dann super früh raus. 3:30 Uhr klingelte der Wecker. Draußen waren  minus 10 Grad – wir waren ja auch über 4300m hoch – und auf dem Weg zu Geysiren. Dort angekommen, sahen wir die Sonne aufgehen und man merkte, wie aktiv die Erde hier noch ist. Als Teil des pazifischen Feuerringes schiebt sich die Nascarplatte unter die Amerikanische Platte, schmilzt diese auf und drückt Vulkane nach oben. Es dampft, brodelt und blubbert überall. Ein kleiner Yellowstone mitten in der Wüste. Nachdem wir ziemlich durchgefroren waren, ging es morgens um halb 7 verdientermaßen in die nahegelegenen Thermalquellen, um  im 39 Grad warmen Wasser zu schwimmen, während es draußen immer noch unter 0 war.

Die Tour durch Bolivien neigt sich ihrem Ende zu und für mich ging es  weiter nach Chile. Der einsame Grenzübergang mitten im Nirgendwo war schon irgendwie lustig. Eine Holzhütte, eine bolivianische Flagge und bestimmt 200 Touristen – inklusive deutscher Reisegruppe voller Bayern auf dem Weg nach Bolivien.

Ein Kleinbus fuhr uns nach San Pedro de Atacama in Chile. Es ist schon erstaunlich, wie Grenzen trennen. Kaum in Chile angekommen, fuhren wir auf asphaltierter Straße- bestimmt die Erste in fast einer Woche – die Grenzbeamten waren größer als die Kollegen in Bolivien und hatten keine Spuren indogener Vorfahren, sondern sahen sehr europäisch aus. Der erste Eindruck von San Pedro war auch wie Balsam für die Augen. Seit Wochen wieder eine saubere, aufgeräumte Stadt, eine kleine Oase mitten in der Atacamawüste, ohne hupende Autos, Autofahrer die anhalten, wenn man über die Straße will und keine rasenden, überfüllten Minibusse, sondern Privatfahrzeuge. Es gab eine Fußgängerzone mit vielen Menschen die bei 29 Grad durch die Souvenirshops schlenderten. San Pedro sieht ein wenig aus wie eine kleine Westernstadt, aber mit spanischen Wurzeln. Nach Tagen der Kälte war das Wetter auch so toll! Die nächsten fünf Tage verbrachte ich hier und unternahm ganz viele Tagestouren und erarbeitete mir fast den Status eines Mountainbikeguides. 😉

Am ersten Tag fuhren wir zur Cebrada del Diablo, einem vom Wasser geformten engen Canyon im sandigen Gestein. Er erinnerte mich ein wenig an den Antilope Canyon in Utah. Leider führte unsere Tour etwas abseits des Weges und so mussten wir ein Stück die Räder tragen, um wieder zurück zu kommen 🙈.

An Tag zwei ging’s dann zur Laguna Cejar, einem Salzsee in der Atacamawüste, der so viel Salz enthält, dass man – wie im Toten Meer – auf der Oberfläche treibt.

Am dritten Tag fuhren wir ins berühmte Valle de La Luna. Es fällt wirklich schwer, die Landschaft in Worten zu beschreiben, aber es scheint dort seit vielen Jahren kaum geregnet zu haben. Und wenn, dann formt das Wasser abstruse Figuren in den Stein, die, gepaart mit dem wie Puderzucker darüber liegenden Salz, wie eine Mondlandschaft aussieht. Aus diesem Grund erhielt der Nationalpark auch den Namen des Mondtals. Es gibt Dünen und Täler und alles vor der Kulisse der umliegenden Vulkane an der Grenze zu Bolivien.

San Pedro ist wirklich sehenswert – ein guter Tipp für alle die nach Chile kommen: Fahrt hier her und erkundet alles per Mountainbike –  euch erwartet eine saustarke Landschaft, die man per Bike am besten erleben kann.

Da ich ja mittlerweile fast Vulkanexperte bin ;), konnte ich natürlich den Lascar Vulkan nicht auslassen. Der Lascar ist einer, wenn nicht sogar der aktivste Vulkan Chiles. Mit seinen 5592m ist er auch nicht gerade klein, aber die Höhe hat mich bis jetzt noch nie aufgehalten 😉

Die Besteigung war recht einfach: Wir fuhren mit einem Jeep bis auf 4800m, frühstückten ein megageiles Baguette mit Käse und Salami, Schokocroissant, selbstgemachte Marmelade und Kokatee. Auch kulinarisch punktet Chile gegen Bolivien! Binnen drei Stunden waren wir oben, wobei 2 meiner 3 brasilianischen Mitstreiter nicht gut genug akklimatisiert oder konditionell nicht so fit waren und es nur bis zum Kraterrand schafften. Die Aussicht auf der Spitze war jedoch unglaublich. Ich zählte über 48 Vulkane im Umkreis und konnte aus dem Krater ein Knallen und Knurren hören. Es zogen dicke Schwefel- und Wasserdampfwolken über uns und man merkte, dass es da drinnen brodelt. Die letzte explosive Eruption schleuderte Asche bis nach Buenos Aires!

Den Abschluss meiner Wüstentour bildete der Besuch in der größten Mine der Welt. Nördlich von Calarma liegen die weltweit größten Kupferressourcen und diese werden auch kräftig ausgebeutet. Die Mine ist ein riesiges Loch mit vier km Länge,  drei km Breite und 1200m Tiefe. Hier arbeiten rund um die Uhr 90 Riesen-LKWs, von denen jeder 330 Tonnen Material aus der Mine fährt. Dieses Material wird dann zu 8500 Kathoden – 175kg pures, 99,997%iges Kupfer verarbeitet – pro Tag!!!! Wenn das das Tagesmenge einer Mine ist, braucht man sich nicht zu wundern, das der Bergbau über 50% des chilenischen BIP bildet. Und es gibt in dem gesamten Gebiet noch mindestens fünf weitere Minen! 😳

Nun fragt ihr euch vielleicht, von wo ich immer meine Blogtexte schreibe. Meistens entstehen sie auf meinem Handy mit der WordPress App, wenn ich im Bus sitze oder mir mal ein halben Tag Ruhe gönne. Dieser Artikel ist jedoch an einem ganz besonderen Ort entstanden – von dem wird der nächste Beitrag berichten. Bis dahin verbleibe ich mit einem Dank fürs Lesen und vielen Grüßen von der meist abgelegensten Insel der Welt 🗿

Auf den Huayna Potosí in Bolivien 🇧🇴 

Nach meiner erfolgreichen Besteigung des Pico de Orizaba, habe ich ein wenig Blut geleckt, und wollte mehr im Bereich mountaineering machen. Erfreulicherweise gibt es in der Gegend um La Paz genügend Möglichkeiten zum Bergsteigen und so machte ich mich auf die Suche nach einer Agentur, mit der ich den Huayna Potosi, den Hausberg von La Paz, mit seinen 6088m besteigen konnte. Dank Empfehlungen von Freunden und dem Vergleich mit anderen Agenturen habe ich mich dann für Huaya Potosi Travel Agency entschieden. Die Agentur führt seit 18 Jahren Bergsteiger auf den Gipfel und betreibt als einzige Agentur ihre eigenen Camps.

Die Tour sollte drei Tage und zwei Nächte lang sein. Im Hostel fand ich dann noch drei andere, die die Tour mit mir machen wollten und so wurden wir am ersten Tag abgeholt und direkt ins Lager gebracht, wo wir die verschiedenen notwendigen Ausrüstungsgegenstände wie Helm, Jacke, Hose, Gurtsystem und Eisaxt bekamen. Vom Lager ging es dann 1,5h mit dem Minivan zum Basislager auf knapp 4800m. In der liebevoll gebauten und ausgestatteten Hütte bekamen wir ein Mittagessen bevor es am Nachmittag zum Trainingseisklettern ging. Ich hatte das noch nie gemacht und habe mich total darauf gefreut. Wir wanderten also zum Gletscher hoch auf 5050m und kletterten an einer 15m Eiswand, gesichert durch Seil und Steigeisen + Axt nach oben. War ein Megaspaß und wer die Chance hat, sollte es unbedingt mal probieren.

Nach zwei Stunden auf dem Gletscher ging es zurück für Abendessen, Kaminfeuer und Vorschlafen, denn am nächsten Tag ging es gegen Mittag nach oben ins Highcamp auf 5350m. Wir mussten in unseren Rucksäcken alles Equipment mitnehmen, was durchaus auf locker 16kg kam und dadurch den Aufstieg schon anstrengend machte. Zum Glück war ich durch die Zeit in Peru gut akklimatisiert, sodass ich während des ganzen Trips keine Probleme mit der Höhenkrankheit bekam.

Im Highcamp angekommen genossen wir noch etwas die Sonne, bevor es dann noch ein Süppchen gab und ich 18 Uhr ins Bett ging, denn um 1 Uhr klingelte der Wecker für den Aufstieg auf 6088m. Das Anziehen und Anlegen des Equipments dauerte fast eine Stunde, aber warm eingepackt ging es bei sternenklaren Himmel und -10 Grad los. Man konnte die Wärmegewitter über dem Amazonasbecken sehen und La Paz war am Horizont gut zu erkennen. Ziemlich geile Aussicht, da auch der Halbmond gutes Licht spendete und die Luft superklar war.

In der Seilschaft ging es dann zu zweit + Guide in Richtung Spitze. Leider musste mein Seilschaftpartner wegen Höhenkrankheit nach knapp zwei Stunden aufgeben. Ich hatte Glück und mein Guide sprintete mit mir gut 500m nach vorne, um die andere Gruppe einzuholen, so dass ich mich dort als drittes Mitglied einhängen konnte. Voll Glück gehabt, denn beinah hätte ich mit umdrehen müssen. 😅

Danach ging es dann auch direkt in die steile Wand, wo es locker 50 grad nach oben ging und die Eisaxt erstmalig zum Einsatz kam. Dann weiter gerade aus, über ein paar Gletscherspalten – schon etwas gruselig – und mit der aufgehenden Sonne im Rücken am Ende dann die letzten 80m an einem steilen Cliff entlang, an dem es an jeder Seite locker 500m runter ging nach oben. Schwindelfreiheit wurde vorausgesetzt.

Die Freude war groß als wir dann oben ankamen, denn sowohl die sehr dünne Luft als auch die 600m Anstieg haben gut Kraft gekostet und wir waren super happy, dass wir oben die über 200km Aussicht genießen konnten. Man sah den größten Berg Boliviens, den Sajama, den Illimani, La Paz, den Titicacasee und auch das Amazonasbecken. Einfach wow und ein wirklich geiles Erlebnis, das lange in Erinnerung bleiben wird. Erster 6000er check ✅

Als nächstes geht’s in die weltberühmte Salar de Uyuni und danach in die Atacamawüste in Chile. Also freut euch schon auf den nächsten Blogpost.

Death Road & La Paz in Bolivien 🇧🇴 

Bolivien ist das 47. Land welches ich besuche und auf meinem Weg mit der Sonne gen Süden das nächste auf meiner Liste. Nach Jules detailliertem Berichten aus Peru, schreibe ich nun wieder über meine Abenteuer – diesmal aus Bolivien.

Bolivien ist ein eher kleines Land in Südamerika und zählt mit zu den Ärmsten. Es grenzt im Norden an Peru und Brazilien und im Süden an Chile, Argentinien und Paraguay. In Bolivien leben rund 11 Millionen Menschen und das Land liegt teils in den Anden und teils im tropischen Urwald des Amazonasbeckens.

Über die Grenze sind Jule und ich in Cobacabana am Titicacasee eingereist. Der Titicacasee ist der höchste, beschiffbare See der Welt und gleichzeitig der größte Südamerikas. Er ist rund 15,5x so groß wie der Bodensee und Bolivien und Peru teilen ihn sich.


Mein erster längerer Halt ist in La Paz. La Paz ist die inoffizielle Hauptstadt Boliviens – die offizielle ist Sucre – und mit 750.000 Einwohnern auch nicht klein. Die Stadt liegt auf rund 3800m, erstreckt sich in einem Canyon und wird von der Nachbarstadt El Alto (1 Million Einwohner, 4100m) überragt. Die Luft hier ist dünn und nachts wird es auch recht kalt. Nach meiner Ankunft nahm ich an einer Stadtführung teil, die durch die Altstadt führte.


Am nächsten Tag ging es dann zur berühmt berüchtigten „gefährlichsten Straße der Welt“ – der Todesstraße – um sie mit dem Mountainbike hinunterzufahren. Gebucht habe ich die Tour bei Gravity, die zwar anscheinend die teuersten sind, jedoch nicht nur die Ersten waren, die diese Tour durchführten, sondern auch wirklich eine top Qualität und neusten Fahrräder boten. Man holte uns vom Hostel ab und fuhr uns zum Startpunkt auf 4700m Höhe. Von hier aus fuhren wir erst 20km die asphaltierte Straße bergab bevor es nach rechts auf die eigentliche Schotterstraße, den Camino de La Muerte ging.


Gebaut von paraguayischen Strafgefangenen Ende der 1940er ist sie aufgrund der Schwierigkeit des Geländes und der damit verbundenen vielen Opfer beim Bau benannt worden. An vielen Stellen ist die Straße keine 3m Breit und links geht es teilweise bis zu 250m steil bergab. Auf der Straße gilt auch Linksfahrgebot, so dass die bergabfahrenden Fahrer genau erkennen können, wie viel Platz sie noch zum Abgrund haben. Eben genau diese Straße sind wir mit dem Mountainbike hinunter gefahren. Gegenverkehr gibt es zum Glück fast nicht mehr, da 2006 eine sicherere Umgehungsstraße gebaut wurde. Die Abfahrt dauerte ein paar Stunden mit Pausen und endete auf subtropisch-warmen 2000m Höhe. Ein wirklich geiler Adrenalinkitzel, den man auf jeden Fall gemacht haben sollte. 

Als nächstes besuchte ich dann den Chacaltaya – einen 5400m hohen Berg gegenüber des berühmten Huyna Potosí. Hier fuhren wir mit dem Minivan auf einer wirklich steinigen Piste ins ehemalige höchste Skigebiet der Welt. Leider ist der Gletscher durch die globale Erwärmung verschwunden und somit nur noch die Berghütte als einzige Erinnerung an das ehemalige Skigebiet übrig geblieben. Von der Hütte ging es in 1,5h nach oben und wir hatten trotz leichtem Schneefall doch eine sehr gute Aussicht. Ganz besonders lachte mich der Potosi an, dem ich, wie später zu lesen sein wird, dann noch einen genaueren Blick widmen werde. Nach dem Chacaltaya fuhren wir noch ins Mondtal – Vale de la Luna – einer mondartigen Landschaft die mich ein wenig an denn Bryce Canyon erinnerte.


Nun verbrachte ich noch 2 Tage in La Paz bevor mein nächstes großes Abenteuer anfing. La Paz ist eine echt coole Stadt. Mit ihren 5 von 9 schon im Betrieb genommenen Seilbahnen kommt man super komfortabel und mit perfekter Aussicht durch die Stadt. Die Höhenunterschiede merkt man auch in der Temperatur. Während es in El Alto immer frisch ist, kann man in der reichen Zona Sur im T-shirt und Shorts leckere Creme Brulet Eiscreme essen. Was 700m doch für Unterschiede machen. Auch wenn La Paz laut ist  und schlechte Luft hat, hat es mir trotzdem sehr gut gefallen und die Menschen hier sind wirklich nett, hilfsbereit und interessiert. Also ruhig ein paar Tage länger für einplanen und auf jeden Fall alle „öffentlichen“ Verkehrsmittel mal fahren. Dazu gehören die Zehntausende von Minivans, die alten Chevrolet Busse und natürlich die Doppelmayr Lifte. Es lohnt sich!

Peru Teil 3 🇵🇪- Inkas und Colca Canyon

Nach einigen Tagen im tropischen Amazonas flogen wir über Lima in das kalte Cusco. Cusco, das ehemaligen Herz des Inkareiches, liegt im südlichen Hochland auf über 3400m Höhe. Neben einem idealen Ausgangspunkt zum Machu Picchu besitzt die Stadt jede Menge tolle koloniale Gebäude, steile Gassen und ist gleichzeitig die wohl touristischste Stadt Perus.


Dort trafen wir Marcus, ein deutscher Reisekumpel aus Máncora, welcher sich bereits um die Organisation unseres viertägigen Inka Jungle Trails inklusive Machu Picchu gekümmert hatte.


Am nächsten Tag wurden wir früh abgeholt und auf 4200m Höhe gefahren. Dort befand sich der Ausgangspunkt für die 60km lange Mountainbikeabfahrt. Zunächst wurden wir mit Helmen, Schienbein- und Armschützern sowie Westen ausgestattet, ehe es bei zunächst eisigen Temperaturen auf tropische 1800m bergab ging. Vorbei an Ausläufern kleiner Wasserfälle oder sogar durch Flüsse hindurch rasten wir knapp 2 Stunden die kurvigen Straßen hinunter. Selbstverständlich wurden wir beständig von PKWs und LKWs überholt…


Und auch der Nachmittag war keinesfalls weniger adrenalinlastig: Wildwasser Raften im Canyon! Hierbei wurden wir in 7er Gruppen in ein Gummiboot gesetzt und paddelten vorwärts, rückwärts, gar nicht oder sprangen nach Kommando ins Boot. Das darf man sich aber auf gar keinen Fall wie eine gemütliche Paddeltour auf den Mecklenburgische Seenplatten vorstellen. In den Stromschnellen ging richtig die Post ab, so sehr, dass es ein Boot komplett umgedrehte. Plötzlich schwammen 7 Touris wild paddelnd und blass um die Nase im Wasser. Wir knallten, drifteten, rutschten und krachten mit unserem Gummiboot ohne große Blessuren den Canyon hinunter und erreichten nach 1,5 Stunden unser Ziel Santa Maria.

Von dort starteten wir unseren zweiten Tag, welcher circa 8 Stunden Wanderung, zum Teil über den Inka Trail, beinhaltete.


Bedauerlicherweise waren wir in eine recht großen Gruppe gekommen, sodass es sich eher wie eine Klassenfahrt oder Kaffeefahrt, als eine ehrenhafte Wanderung auf den Spuren der Inkas anfühlte. Vielleicht kam der Eindruck auch daher, dass wir an einer Kaffeeplantage, Schokoladenmanufaktur und und und anhielten und uns das volle Inka-Touriprogramm geben mussten.


Nichtsdestotrotz genossen wir die landschaftliche Vielfalt und hatten unseren eigenen Spaß!


Der Abend in Santa Theresa sollte jedoch alles wieder gut machen. Denn das ganze Dorf war aufgrund eines Stadtfestes auf den Beinen und tanzte, sang und feierte was das Zeug hielt zu typischer peruanischen Andenmusik. Und wir mittendrin…


Am 3. Tag wurde unsere Schwindelfreiheit auf bis zu 150m Ziplines – teils verkehrtherum – geprüft. Nach dem Mittagessen liefen wir auf den Gleisen der bekannten Bahnschienen von Hidroeléctrica nach Aguas Calientes, dem „Basiscamp“ des Machu Picchus.


Am 4. Tag sollte es endlich soweit sein: die Besteigung des Machu Picchus. Der Machu Picchu ist die wohl bekannteste Stadt der Inkas, welche im 15. Jahrhundert in 2430m Höhe auf dem Bergrücken zwischen den Gipfels des Huayna Picchu und dem Machu Picchu Mountain erbaut wurde. Forscher gehen heute davon aus, dass die Stadt bis zu 1000 Menschen beherbergen und versorgen konnte. Warum die Stadt genau an dieser Stelle errichtet wurde, ist bis heute nicht bekannt.

Aufgrund einer beschränkten Besucheranzahl und zwei verschiedenen Einlasszeiten, wollten wir diesmal dem deutschen Ruf mehr als gerecht werden. 3:30 klingelte der Wecker und um 4:05 waren wir die 3. Gruppe an der Einlassbrücke zum Aufstieg des Unesco Kulturerbes.


Pünktlich 5:00 starteten wir den anstrengenden 500m Aufstieg zum Haupteingang und waren nach knapp 40 Minuten die Ersten am Eingang, welcher 6 Uhr öffnete. Als Erste betraten wir das sagenumwobenen Kulturerbe des Machu Picchus und waren beeindruckt!


Im Anschluss liefen wir zum Sonnentor und genossen den Blick in das Tal des Urubambas. Nach und nach füllte sich das Gelände immer mehr mit Touristen, sodass wir uns schnell auf den nochmal 600m höher gelegenen Berg Machu Picchu Mountain aufmachten. Dieser ist bei weitem nicht so überfüllt und wird aufgrund des steilen Anstiegs vom Durchschnittsbesucher gar nicht erst bestiegen. Die Brotzeit auf über 3000m Höhe mit Blick auf Machu Picchu war einfach nur umwerfend.


Am darauffolgenden Tag erkundeten wir Cusco und planten unseren nächsten Tagestrip. Dieser sollte zu den drei Stunden entfernten Regenbogenbergen gehen. Erneut klingelte der Wecker zu einer unchristlichen Zeit. Da ahnten wir noch nicht, was der Tag im Nieselregen von Cusco in den Bergen wohl zu bedeuten hatte. Denn die Rainbownmountains liegen auf 5000m Höhe, sodass sich der Regen im Verlauf zu Schnee und Graupel umwandelte.
Wir trotzten Schnee, Matsch und scharrenhaft pilgernden Touris und erreichten ohne große Anstrengungen den 5000m hohen Gipfel. Der Ausblick .. naja.


Regenbogen nur auf der Mütze

Aber wir nahmen es gelassen, bauten einen Schneemann, verbrannten uns die Nasen und beobachteten die Lamas und Alpacas.

Nächster Stopp unserer Reise war das südlich gelegene Arequipa. Die deutlich niedriger gelegene Stadt war somit wärmer  und ist vor allem für den nahe gelegenen Colca Canyon bekannt. Der Colca Canyon ist mit seinen 3200m Tiefe einer der tiefsten Canyons der Welt. Da wir nach all den Touritouren genug von Massentourismus hatten, entschieden wir uns, den Canyon auf eigene Faust zu erkunden. Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir von Arequipa über Chivay nach Cabanaconde und liefen noch am gleichen Tag die über 1000 Höhenmeter in den Canyon hinein. Dort schliefen wir in einer kleinen Oase und schwammen abends noch im Pool.


Am nächsten Tag wanderten wir nach Llahuar, wo es 39 Grad warme Quellen direkt neben dem Fluss gab. Daher wechselten wir zwischen heißen und kalten Wasser und genossen den Sonnenuntergang mit einem kühlen Bier!


Am nächsten Tag folgte der 1200m Aufstieg auf das Hochplateau, wovon wir den Bus nach Arequipa zurück nahmen. Auf dem Weg nach oben hatten wir  Glück Andencondore zu sehen, welche vor allem in der Morgensonne mit ihren 3m Flügelspannweite majestätisch über den Canyon gleiten.


Da mein Rückflug von La Paz ausging, fuhren wir relativ rasch am Titicacasee vorbei und erreichten die höchstgelegenste Stadt der Welt – La Paz! Und wie  überquert man mit dem Bus den Titicacasee – mit dem Boot 😉!


Sonnenuntergang über dem Titicacsee


Popcorn Session in Cobacabana

Es waren vier abwechslungsreiche und intensive Wochen! Peru ist definitiv eine Reise wert, auch wenn man schon sehr deutlich die Spuren und Folgen des Tourismus spürt! Für mich ging es ins kalte Deutschland zurück, währenddessen Daniel Bolivien unsicher macht 😎!

Peru Teil 2 🇵🇪 – In the jungle

Nun folgen erneut ein paar Zeilen aus meiner Feder: Da die gemeinsame Zeit im Juli in Ecuador so unglaublich abwechslungsreich war, dachte ich mir nach meiner 6 wöchigen Reisepause, dass ein erneuter Trip nach Südamerika gar keine schlechte Idee sei 😉.

Nachdem wir also unglaubliche Tage in den Berge um Huaraz verbracht hatten, folgte nun das absolute Kontrastprogramm im Nordosten des Landes – eine mehrtägige Amazonasüberfahrt auf einem Frachtschiff von Yurimagus nach Iquitos.


Nach einer recht entspannten Übernachtbusfahrt von Huaraz nach Lima ( Cruz del Sur, Betten bis auf 160Grad verstellbar) sollte unser Flieger nach Tarapoto eigentlich um 14 Uhr abheben. Bedauerlicherweise gab es technische Probleme, sodass aus den geplanten 7, 14 Wartestunden wurden und wir erst 21 Uhr Richtung Rollfeld unterwegs waren. Nach einer Nacht im Bus und einem Tag am Flughafen halfen auch die tropischen Temperaturen nicht mehr um uns aufzuraffen, noch in der Nacht nach Yurimagus weiter zu fahren.

Am nächsten Tag ging es also gemeinsam mit Franzi, welche wir auf dem Santa Cruz Treck kennen gelernt hatten, mit dem Taxi nach Yurimagus. Dort angekommen wurden wir witzigerweise von einem Peruaner (Winston) bereits sehnsüchtig erwartet. Wie sich im Nachhinein herausstellte, ist er sozusagen der Babo (Chef im Dschungel) was das Vermitteln von individuellen Touren im Amazonas sowie das Organisieren von Equipment für eine mehrtägige „Amazonaskreuzfahrt“ angeht. Trotz erster Zweifel ließen wir uns von seiner Freundlichkeit anstecken und erfuhren, das am gleichen Nachmittag noch ein Frachtschiff ablegen würde. Schnell sprangen wir auf sein Tucktuck und starteten unsere Shoppingtour durch Yurimaguas, da die On-Board-Versorgung durchaus minimalistisch ist. Weder Schlafmöglichkeiten noch eine reichhaltige Nahrungsmittelversorgung sei gewährleistet.


Daher kauften wir Hängematten und Seile, Wasser, Toilettenpapier, Feuchtigkeitstücher, Snacks, Wein, Bier, Obst, Brot, Besteck und eine Brotdose. Nach 2h hatten wir alles zusammen und buchten noch eine zweitägige Dschungeltour im Anschluss unserer „Kreuzfahrt“.


Von einer Kreuzfahrt kann übrigens überhaupt keine Rede sein, denn diese Frachtboote werden primär für die Versorgung der Dörfer entlang des Amazonas sowie der Dschungelstadt Iquitos benutzt. Iquitos ist mit 500.000 Einwohner die größte Stadt der Welt, die nicht auf dem Landweg erreichbar ist. Daher hatten wir neben circa 100 Passagieren, Autos, Baumaterialen, Nahrungsmittel, circa 30.000 Eier, Hühner und viele andere Dinge an Bord.


Nachdem wir auf dem Oberdeck „eingecheckt“ und unser Bett aufgebaut hatten, beobachten wir das wilde Treiben der Beladung des Schiffes. Erfreulicherweise legten wir bereits nach einer Stunde ab. Was für ein Glück! Von anderen Mitreisenden könnten wir erfahren, dass diese bereits 24h und wohl auch schon länger auf eine Abfahrt warteten – hier ticken die Uhren halt anders…


Nun schipperten wir in unseren Hängematten liegend mit einer warmer Brise im Gesicht flussabwärts Richtung Iquitos und hielten alle paar Stunden an den entlegensten Dörfern an. Schon spannend zu beobachten, was in solchen Ecken der Welt zum Leben notwendig ist und in wieweit so elementare Dinge wie Mülltrennung oder Fußball eine Rolle spielen. Denn ganz klar: das Länderspiels für die Qualifikation zur WM 2018 gegen Argentinien durfte nicht verpasst werden. Da kommt es auch schon mal vor, dass ein gut 40m langes Boot pünktlich zum Spielbeginn an einer Hütte anhält und 70 Leute vom Board rennen um im Wohnzimmer einer Familie Fußball zuschauen.


Nur zwei Worte zum Thema Mülltrennung: vielerorts ist die Natur noch der beste Mülleimer. Erfreulicherweise haben wir bereits in größeren Städten erste Plakate zur Mülltrennung gefunden, bis das Verständnis aber bis in das Amazonasgebiet gelangt, werden wohl noch einige Jahre vergehen 😔.

Nach zwei Tagen Schlafen in der Hängematte, lesen, Karten spielen, mit den Kids spielen, Sonnenuntergänge schauen und viel nichts tun, kamen wir gut in Nauta an.


Kinderstunde mit Daniel: Schlafsack rollen und Rucksack packen

Dort holte uns unser Guide ab, welcher die nächsten zwei Tage mit uns im Dschungel verbrachte. Doch zuvor gönnten wir uns noch ein köstliches Mittagessen mit der Familie und machten uns urwaldfertig: lange Sachen, Antimoskitospray und Fenistil sind durchaus gute Begleiter im Dschungel.


Nach knapp drei Stunden Bootsfahrt, welche von kleinen grauen und größeren rosanen Delphinen (!) begleitet wurden, kamen wir am „Campingplatz“ an. Nachdem wir unsere Einmannzelte aufgebaut hatten, ging es sofort los in das Wirrwarr des Dschungels.


Neben Papageien, Affen, riesigen Ameisen, Termitenhügel, Ameisenbären, verschiedensten Baumarten, Käfern, Mäusen und Kröten, haben wir auch mehrere Taranteln entdeckt. Gerade im Dunkeln war das für mich nicht nur Hochgenuss. Das eigentlich Beste die Soundkulisse, Abwesenheit von lauter Musik oder Hupkonzerzen ließ sich kaum in Worte fassen.

Auch bei der Essensbeschaffung duften wir unseren Beitrag leisten. Zunächst fingen wir einen kleinen Fisch, um mit seinem Blut Piranhas anzulocken. Und es klappt wirklich: wir hatten nach kurzer Zeit so ein Teil an der Angel 💪.


Abends fuhren wir mit dem Localbus nach Iquiotos. Eine quirlige Stadt, die vor allem von Sound der Tucktucks und Mopeds geprägt ist. Autos sieht man hier eher selten. Wenn man nicht wüsste, dass man sich mitten im Dschungel befindet, würde man gar meinen, es sei eine asiatische Stadt – auch dank der indigenen Wurzeln der Einheimischen.
Als nächstes Reiseziel stand Cusco, Machu Picchu und Colca Canyon auf unseren Plan, wozu es im nächsten Blog ein paar Worte gibt!

Peru Teil 1 🇵🇪 – Strand & Berge

Seit Mitte September bin ich in Peru und habe endlich Zeit gefunden ein paar Zeilen über dieses vielfältige Land zu schreiben. Peru hat rund 30 Millionen Einwohner und ist in etwa 4 mal so groß wie Deutschland. Es besteht aus  drei Hauptgegenden. Die Küstenregion, die hauptsächlich aus Wüste besteht, die Anden mit ihren weit über 6000m hohen, schneebedeckten Bergen und das Amazonasgebiet mit seinem immergrünem, tropischem Regenwald.

Gelandet bin ich in der 10 Millionen Einwohner großen Hauptstadt Lima. Lima ist die mit Abstand größte Stadt Perus. Sie liegt direkt am Pazifik und begrüßte mich mit dem für die Jahreszeit typischen Wetter. Es nieselte, war neblig, grau und nur 16 Grad warm. Ich fühlte mich direkt an  Berlin im November erinnert und dass, obwohl Lima gerade mal 12 Grad südlich des Äquators liegt. Schuld daran ist der Humboldtstrom der eiskaltes Wasser aus der Arktis nach Norden befördert. Daher ist auch der Pazifik ganzjährig nur 15 Grad warm.
Die Stadt selbst ist bis auf die Stadtviertel Miraflores und Baranco und das historische Zentrum nicht sonderlich schön und wie viele südamerikanische Städte hauptsächlich laut, dreckig und erstickt im Verkehrschaos. Nach einer Stadtführung durch die Altstadt und Erkungstour durchs hippe Miraflores und am Malecón hatte ich auch das Wichtigste gesehen und entfloh meiner Berliner-Winterdepression nach Norden.


In Mancora, unweit der ecuadorianischen Grenze, gibt es ganzjährig schönes Wetter, einen warmen Pazifik -danke an den El-Niño Strom – und einen geilen Strand zum Chillen. Ich hatte noch fünf Tage Zeit bis meine Schwester kam und so dachte ich, dass ich die Zeit sinnvoll mit einem letzten Mal Sonne tanken verbringe, bevor es in den nächsten Wochen weiter südlicher und vor allem höher hinauf und tief in die Anden geht. Warmes Meer werde ich wohl so schnell nicht wieder sehen. Geflogen bin ich mit der Billigairline Vivaair Peru, für knapp 100$ hin und zurück, nach Piura und von da aus weitere 3,5h mit dem Bus nach Mancora.

Untergekommen bin ich im wunderschönen Misfits Hostel welches aus vier Hütten direkt am Strand bestand und von deren Balkon oder gar meinem Bett ich Sonnenuntergänge sehen und das Rauschen der Wellen hören konnte.
Fünf Tage Hängematte, viel Schlaf nachholen, Buchlesen, im Meer schwimmen, am Strand joggen und gelegentlich einen Inka-Mojito (Pisco, Inka Kola und Minze) trinken, machten die Zeit wirklich erholsam und sehr kurzweilig.


Am 26. September kam das Julchen in Lima an und wir machten uns nach einem Akklimatisierungstag nach dem langem Flug und persönlicher Limastadtführung auf den 10h langen Weg mit dem Bus nach Huaraz in die Cordilleras Blancas.

Dieser Teil der Anden ist der höchste Perus und mit über 30 Bergspitzen über 6000m und 300 Gletschern bilden die Cordilleras nicht nur das größte Eisreservoir in den Tropen sondern auch eine der schönsten und beeindruckendsten Wandergegenden des Landes. Wir hatten von Freunden von der Ecu Ice Peru Agentur gehört, die den viertägigen Santa Cruz Trek durchführte und den wir gerne machen wollten. Bevor es losging, akklimatisierten wir uns mit einer schönen Wanderung zur Laguna Churup.

Am nächsten Tag ging es früh um vier Uhr los. Wir wurden mit dem Bus abgeholt und fuhren erstmal sechs Stunden  lang tief in die Berge nach Vaqueris,  wo die Wanderung beginnen sollte. Die Fahrt für sich war schon eine der beeindruckendsten die ich je gesehen habe. Steilwände über hunderte von Metern hoch, türkisblaue Gletscherseen und steile Schotterpisten, die sich über den 4900m hohen Pass quälten. Gut, dass hier kein Gegenverkehr kam.


Von Vaquera ging es dann am späten Vormittag zu Fuß zum 12km entfernten Campingplatz auf 4000m Höhe. Knapp 650 Höhenmeter waren ein guter Einstieg. Die Truppe bestand aus 10 Leuten inklusive uns, 2 Guides und 9 Eseln mit 2 Eseltreibern, die Gepäck, Zelte, Essen und alles was man sonst noch so braucht trugen. Die Zielgruppe war klar, mid 20 bis 30-jährige Akademiker aus Europa 😂 – wir hatten sogar 4 promovierte Physiker dabei. Was kann uns da schon passieren 💪

Abends um 8 ging es ins Bett, denn es war schon seit 2 Stunden dunkel und am nächsten Morgen wurde um halb 6 gefrühstückt. Leben mit der Sonne.


Der zweite Tag war schon härter, denn es ging über den 4750m hohen Pass El Union, vorbei an wunderschönen Bergseen und Wiesen – um uns herum schneebedeckte 5000er und 6000er mit riesigen Gletschern. Die zweite Nacht schliefen wir auf über 4200m. Da friert schon mal das Zelt  über Nacht mit einer dicken Eisschicht ein. Aber der Sternenhimmel mit Vollmond 🌕 – unbezahlbar schön!


Die nächsten zwei Tage ging es konstant bergab bis nach Cachapampa. Am Tag 3 gab es einen wunderschönen Abstecher zum Gletschersee Arhuaycocha, der fast 270 Grad von Gletschern umgeben ist und vom Artesonraju, auch Paramount genannt, überragt wird. Diesen Berg hat fast schon jeder gesehen, da er im Logo des Paramount Picture Filmstudios abgebildet ist.

Nach über 50km Wandern und vier wunderschönen Tagen in wohl einem der schönsten Gegend der Anden fuhren wir ko und zufrieden mit dem Nachtbus zurück nach Lima, wo schon das nächste Abenteuer direkt im Anschluss auf uns wartete.


Davon wird aber erst im nächsten Blogpost berichtet. Diesmal wieder von meiner Lieblingsgastautorin, die bereits schon vor ein paar Monaten den unschlagbar guten Artikel über Ecuador geschrieben hat. Freut euch drauf!