Roadtrip durch California 

Nach meiner Rückkehr vom Burning Man war natürlich erst einmal großes Saubermachen angesagt: Klamotten, Auto und Zubehör mussten vom alkalischen Staub befreit werden. Besonders hilfreich war hier Essig. Einen großen Schwapp mit in die Maschine und alles wurde wieder sauber.

Die geplante “Dekompression” nach BM wurde jedoch durch eine besondere Überraschung verschoben. Mein guter Freund Björn meldete sich spontan für ein paar Tage California an und so ging es auch fast direkt nach seiner Ankunft zum Camping ⛺️ in den Yosemite. Gut, dass Lars, bei dem ich wieder unterkam und Björn gleich den entsprechenden Mietwagen für einen Ausflug organisiert hatten. So konnte wir Samstagvormittags mit Greg, Michael, Björn und Lars uns auf den Weg nach Osten in die Sierra Nevada machen. Gezeltet wurde am White Wolf Camp Ground, auf dem man auch ohne Reservierung campen konnte. Das Zelt, ganz in amerikanischer Manier, war nicht nur mit wenigen Handgriffen in einer Minute aufgebaut, es hatte auch Platz für 8 Personen.


Schon während des Aufbaus gab es natürlich Bier. So viel zum Thema Ausruhen, Runterkommen und Entspannen. Am Nachmittag ging es noch auf eine kleine Aufwärmwanderung, bevor der BBQ 🍖 angemacht, Holz für ein Lagerfeuer gesammelt  und dann riesige Steaks gegrillt wurden. Living the American 🇺🇸 Dream!


Am nächsten Morgen ging es früh raus. Fix Zelt abbauen und um 8 Uhr ab auf die 25km lange Wanderung ins Yosemite Valley. Der Yosemite Park ist einer meiner Lieblingsnationalparks der USA. Ich war bestimmt schon fünf mal da und bin immer wieder beeindruckt von den hohen Bergen, von Gletschern geformten Täler und Landschaften, die Wasserfälle, die Redwoods und die frische Luft. Leider war letzteres dieses Jahr durch viele Waldbrände nicht ganz so frisch. Begegnungen mit Bären gaben es auch nicht, dafür aber sagenhafte Aussicht auf das Valley, von der oberen Kante der mit insgesamt 600m in zwei Kaskaden runterfallenden Yosemite Wasserfälle. Es gab sogar noch vereinzelt Schnee auf den Bergspitzen zu sehen und der Wasserfall war dank der Unmengen an Schnee im letzten Winter nicht ausgetrocknet. Unterschiede zum Frühjahr sieht man trotzdem, wie das eine Foto von einer Freundin, die den Yosemite im Frühjahr besuchte zeigt. Danke Heike fürs Foto!

 
Nach der Kräfte raubenden 25km Wanderung mit steilem Abstieg auf den letzten sechs Kilometer brachten wir Lars, Michael und Greg nach Merced. Hier gibt es einen kleinen Regionalflughafen, von dem man für 20-30$ direkt zurück in die Bay nach Oakland in einer Sechsitzer-Maschine fliegen kann. Für Björn und mich ging es an diesem Abend noch knappe 500km weiter bis nach Venice Beach bei Los Angeles. Am nächsten Tag mieteten wir uns Fahrräder und fuhren den Ocean Drive bis nach Santa Monica und zurück. Kurzer Besuch am Snapchat Spectacles Store, zum Santa Monica Pier sowie über die kleinen Kanäle der Venice, die nicht nur den Namen, sondern auch ein wenig den Charme von Venedig verleihen sollen. Ich seh das zwar nicht so, aber ok 😉


Nachmittags ging es dann Richtung Süden nach San Diego, wo wir ein Airbnb im Gas Lamp Quarter bezogen. Am nächsten Morgen ließ ich mir die Haare schneiden, währenddessen Björn das Auto in der Stadt spazieren fuhr. Danach erkundeten wir die vorgelagerte Halbinsel mit einem tollen Strand, das Nationalmonument Cabrillo und das Point Loma Lighthouse, von wo man eine wunderschöne Aussicht über die Stadt bekommt.


Am späten Nachmittag ging es wieder Richtung Norden über Malibu zu unserer letzten Übernachtung nach Santa Barbara. Dort genossen wir am Abend noch ein paar Drinks und starteten am nächsten Morgen eine Kayaktour mit einem ehemaligen Studienkollegen von Heike. Besonders die Seelöwen freuten sich über unseren Besuch. Nach guten Tacos 🌮 zum Mittag und zwei Stunden am Strand in der Sonne liegen ging es dann auf die knapp 500km lange Rückfahrt nach SF.


Am Samstag vor meiner Weiterreise organisierten Greg, Björn und ich noch ein kleines Oktoberfest mit einem 50L Fass Hacker Pschorr Oktoberfestbier, selbstgemachten Bratwürsten und Sauerkraut. Viele Freunde und ehemalige Mitbewohner kamen und so wurde dies nicht nur ein großes Wiedersehen, sondern auch gleichzeitig eine Abschiedsparty, da Björn und ich am nächsten Tag die Heim- bzw Weiterreise antraten. Mein nächstes Ziel ist nun Peru 🇵🇪 von dem ich euch im nächsten Artikel berichten werde.


Einen ganz besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle an Alexandra, Mical, Lars, Greg und Adam aussprechen, die mir nicht nur ein zu Hause für die Zeit in SF geboten haben, sondern auch viel Platz für Vor- und Nachbereitung von BM bereit gestellt haben.

Thank you so much guys, you are awesome!

Burning Man

Die letzten vier Wochen verbrachte ich in den Vereinigten Staaten von America, genauer gesagt in California und Nevada. Der Grund meines Abstechers von Lateinamerika in die USA war der Besuch des Burning Man Festivals. Burning Man ist eines der größten Kunst- und Musikfestivals der Welt, bei dem sich über 70.000 Menschen in der Wüste Nevadas versammeln, um eine Stadt – Black Rock City – aufzubauen und gemeinsam dort zu feiern. Die Erlebnisse waren so überwältigend, dass es mir richtig schwer fällt, dies alles in Worte zu verpacken und auch die Bilder spiegeln nur einen kleinen Ausschnitt dieses einzigartigen Erlebnis wieder. Ich versuche es aber trotzdem und hoffe, dass es euch einen ungefähren Einfruck vermittelt, welche Dimensionen das Festival hatte.

Black Rock City (BRC) ist in der Black Rock Wüste, circa 150 km nördlich von Reno, der zweitgrößten Stadt Nevadas. Die Black Rock Desert ist ein ausgetrockneter Salztonsee mitten im Nirgendwo. Man spricht auch auch von der Playa, auf der tagsüber Temperaturen von über 35 Grad Celsius vorherrschen und es nachts auch gerne mal unter 15 Grad Celsius fallen kann. Die Stadt wird in einem Dreiviertelkreis um eine riesige Holzskulptur eines Mannes gebaut. The Man ist die zentrale Figur und Namensgeber des Festivals. Er wird am Ende traditionell verbrannt. Die Stadt hat einen Durchmesser von circa 7km. Jegliche Kunst und Installation wird maximal für eine Woche aufgebaut um dann wieder abgebaut oder verbrannt. Ich jedoch war fast zwei Wochen auf der Playa, um unser Camp aufzubauen.
Das erste Mal hörte ich von BM im Jahr 2010, als ich ein Jahr in den USA wohnte. Seitdem wollte ich dahin und dieses Jahr hat es endlich geklappt. Mein Studienkollege Sebastian kam extra aus Berlin eingeflogen, um mit mir hinzufahren. Wir hatten einiges vorher zu organisieren wie Mietwagen, Essenseinkäufe für zwei Wochen, Zelt, Trinkerein, Kühlboxen etc. Wir hatten Glück das eine Freundin von Basti, die mittlerweile in Berlin wohnt, aber jahrelange zu Burning Man fuhr, eine Storage Unit in SF hatte, in der wir uns mit Burning Man Ausstattung versorgen konnten.


Geplant war, dass wir uns am 21.8. nach der totalen Sonnenfinsternis, die wir uns noch anschauen wollten, Richtung Nevada aufmachen. BRC ist circa 500km von San Francisco entfernt und normalerweise dauert die Fahrt circa 6-7h. Allerdings ist immer viel Verkehr und als wir schon unterwegs waren, erfuhren wir, dass der Transporter von unserem Campleader, der früh am Morgen losgefahren ist, in der Sierra Nevada kaputt gegangen ist. Der Getriebeschaden war leider nicht reparabel, so dass wir ihn einsammelten und kurzer Hand bis Reno mitnahmen, dort einen U-Haul Umzugstransporter mieteten, wieder zurück fuhren, um alle Sachen umzuladen, Anhänger zu holen und bis nach Reno zurück zu fahren. Nach 18h auf der Straße war es schon Mitternacht – die Burning Man experience ging schon voll los. Also spontan ein Zimmer im Grand Sierra geholt und für vier Stunden geschlafen, um richtig früh los zu kommen, um die letzten 150km bis nach BRC zu fahren. Der erste Sonnenaufgang über der Playa war wunderschön. Der Staub in der Luft lässt die Farben besonders intensiv wirken. Aber es war nicht der letzte Sonnenaufgang und die nächsten Tage sollten noch einige folgen.


Unser Camp, mit dem Namen Brainy Bar bestand aus 6 Leuten, wobei einige schon über 15 Jahre auf die Playa fuhren. Wir bauten die nächsten Tage unser Camp auf, mit schattenspendenden Pavillons, einer Küche, Dusche und natürlich unsere Zelte. Als wir ankamen, war die Stadt noch komplett leer. Man konnte bis zum Flughafen der Stadt, der auch nur für die wenigen Tage des Festivals geöffnet hat, schauen. Aber im Verlaufe der Building Week, der Woche vor Festivalbeginn, wuchs die Stadt immer größer und dichter.


Eines der vielen Besonderheiten ist, dass man auf dem Festival alles mitbringen muss und man, abgesehen von Eis, nix käuflich erwerben kann. Dies ist eine der zehn Grundprinzipien, dass nix gekauft oder verkauft werden darf. Es herrscht eine Kultur des Schenkens. Das heißt, dass wir zum Beispiel in unserem Camp jeden Tag eine Bar für ein paar Stunden betrieben, in der wir alkoholische und nichtalkoholische Getränke ausschenkten oder Pizza, Cinnamon Rolls oder Fancy Schmancy S’mores (über dem Feuer erwärmte marshmallows auf Schokolade auf Keks) an Freunde und Fremde verschenkten. Das Verschenken von Geschenken macht jedes Camp und man erhält von wildfremden Leuten Anhänger, gemalte Bilder, Essen oder Trinken. Neben anderen Regeln wie radikaler Inklusion, ziviler Verantwortung, radikaler Selbstdarstellung und Selbstverantwortung beeindruckte mich ziemlich die „Hinterlasse keine Spuren!“ – Regel. Sie besagt, dass alles was mit auf die Playa gebracht wurde, wieder mitgenommen werden muss. Nicht wie auf deutschen Festivals, wo Müll und Dreck von den Besuchern hinterlassen wird, der mühsam im Nachhinein aufgeräumt werden muss, sind hier alle verantwortlich, alles wieder mitzunehmen. Nach dem Festival ist die Wüste wieder so, wie sie vorgefunden wurde. Wer nicht sauber macht, darf das folgende Jahr nicht kommen. Selbst Brauchwasser (grey water), welches beim Abwaschen oder Duschen entsteht, darf nicht auf die Playa gekippt werden, sondern muss wieder mitgenommen werden. Wir hatten dafür einen sogenannten evap pont, ein kleinen Verdunstungsteich, in dem z. B.  unsere Dusche oder das Wasser der Küche lief und von der Sonne verdunstet wurde.


Ein weiterer großer Bestandteil von Burning Man ist Kunst und Installationen. Hier gibt es ganze Camps mit teilweise über 100 Leuten, die das ganze Jahr über an Installationen arbeiten die auf der Playa oder Deep Playa (der Bereich weit außerhalb der Stadt) auf- und ausgestellt werden. Diese Kunst kann, nicht wie im Museum, von allen Besuchern angefasst, beklettert oder bedient werden. Am meisten hat mich ein circa 12m großer Baum mit circa 15000 Blättern beeindruckt. Jedes Blatt hatte 7 LEDs und in der Nacht wurde dieser Baum illuminiert und erstrahlte in unglaublicher Schönheit über dem Wüstenboden. Es gab aber auch riesige Skulpturen, ein riesengroßes Hühnchen zum Reinklettern, ein Grammophon, illuminierte Obelisken, feuerspukende Installationen oder ein Käseirrgarten, aus dem man wie eine Maus herausfinden musste. 7 Künstler sperrten sich eine Woche lang in einen schwarzen Quader, der aussah wie der in Mekka und malten die Erlebnisse der Besucher auf die Innenseite der Wände bis hinzu einen riesigen pinken Flamingo und vieles, vieles mehr.


Es gibt aber auch sehr spirituelle Orte. Einer davon ist der Temple, zweit-wichtigste Installation nach dem Man, ist ein Ort des Gedenkens. Der 25m große, komplett aus Holz erbaute Tempel, dient dem Festivalbesuchern dazu, Abschied von verstorbenen Freunden, Familienmitgliedern oder Haustieren zu nehmen. Er wird umgeben von Schreinen und ist vollgehangen mit Bildern und persönlichen Erinnerungen der Festivalbesucher. Ein sehr emotionaler Ort. Der Tempel und auch der Mann werden am Ende verbrannt – alles ist vergänglich.


Und dann gibt es die Art Cars oder auch Mutantenfahrzeuge genannt. Diese umgebauten Golfkarts, Autos, Schulbusse oder ganze LKWs sind einfach umwerfend. Ausgestattet mit Flammenwerfern, riesigen Musik- und Laseranlagen oder einfach nur Unmengen von LED Lampen und Scheinwerfern, sind es die einzigen Fahrzeuge neben Fahrrädern, die auf dem Gelände rumfahren dürfen. Es gab fahrende Boote, Tiere, Mayakrieger, Golden Gate Brücke, VW Beetle und vieles mehr. Einfach nur wow!!!


Ein weiteres Highlight ist natürlich die Musik. Es kommen DJs aus der ganzen Welt, um in den vielen Camps oder auf den Art Cars aufzulegen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich nach monatelangen Reggeaton- und Salsamusik, endlich wieder zu exzellenter elektronischer Musik feiern konnte und so die eine oder andere Nacht durchtanzte.

Wie bereits beschrieben, ist es nicht möglich, das Erlebte in Worte zu fassen. Das Beste ist es, es selbst auszuprobieren. Die Bilder können vielleicht einen kleinen Eindruck vermitteln, aber eins ist sicher, aufgrund der Größe habe ich bestimmt 99% der Geschehnisse, die auf der Playa passieren, nicht erlebt oder verpasst. Aber das ist normal und auch gut so, denn Burning Man hilft auch den Ungang mit Fomo (fear-of-missing-out – die Angst was zu verpassen) zu lernen.


Ich habe für mich beschlossen, dass ich wieder kommen will. Denn dieses Gefühl, den Staub im Gesicht zu spüren, die Lichter und Feuer in der Nacht zu sehen, mit wildfremden Leuten mitten in der Deep Playa für zwei Stunden zu quatschten, um sie danach nie wieder zu sehen, die Freude aber auch, die Andacht zu erleben, ist einfach unglaublich. An dieser Stelle vielen Dank an Basti und das ganze Team der Eridu Society für das Möglichmachen dieses Erlebnis. Ich komme wieder!