Bergsteigen auf dem Pico de Orizaba

Auf meinem Weg in die USA machte ich einen einwöchigen Zwischenstopp, um mit einem Freund aus London den höchsten Berg Mexikos, den 5636m hohen, schlafenden Vulkan Pico de Orizaba, zu besteigen. Mein Flug von Quito ging direkt in eine der größten Ballungszentren der Welt, die mit über 20 Millionen Einwohner große Stadt Mexiko City. Ich hatte einen halben Tag Zeit für ein etwas Sightseeing und um mir das echt überraschend schöne Zentrum anzuschauen.


Am nächsten Morgen kam Greg an und wir machten uns direkt auf den Weg nach Tlachichuca, einem Ort am Fuße des Berges. Hier übernachteten wir eine Nacht im Summit Orizaba. Dieser seit 40 Jahren existierende Familienbetrieb hat sich auf die Ausstattung und Durchführung von Bergbesteigungen des Orizabas konzentriert und war super familiär, freundlich und hatte alles Equipment, dass Greg noch nicht aus London mitbringen konnte. Einen kleinen Schreck jagte uns der erste Hurricane der Saison ein, der genau einen Tag vor unserer Ankunft über das Gebiet zog und laut Vorhersage bis zu 2m Neuschnee auf der Spitze bringen sollte. Aber wir ließen uns davon nicht abbringen und wollten uns die Situation vor Ort anschauen.


Am nächsten Morgen ging es mit dem 4×4 Geländewagen zum Basiscamp auf 4200m. Hier steckten wir erstmal kurz auf der Strecke fest, da der Regen des Hurricanes die Straße halb ausgespült hatte. Doch mit ein paar Schaufeln und Hacken konnte man den Weg wieder für den Geländewagen befahrbar machen. In der einfachen Hütte verbrachten wir dann einen vollen Tag und eine volle Nacht. Die Unterkunft war sehr spartanisch. Es gab natürlich weder Strom noch fließend Wasser. Geschlafen wurde auf Holzbrettern, die zu großen Stockbetten zusammen gezimmert wurden.


In der zweiten Nacht ging es dann um 1 Uhr morgens raus aus dem Schlafsack. Ein kleines Frühstück, Sachen packen und los ging es. Begleitet wurde unsere nächtliche Wanderung durch das sogenannte Labyrinth – ein aus Geröll und Schotter bestehende Mulde Richtung Gipfel, von einem Meteoritenschauer mit Sternschnuppen alle 2 Minuten und einem knapp 500m unter uns wütenden Gewitter, dessen Blitze wir in den Wolken sehen konnten. Wirklich ein Spektakel!


Auf ungefähr 4900m erreichten wir den Anfang des Gletschers und als die Schneefelder immer dichter wurden, schnallten wir unsere Steigeisen an und holten die Eisaxt raus. Schon etwas komisch darin zu laufen, aber man hat deutlich besseren Halt als ohne. Der Schnee, beziehungsweise das Eis waren auch schön gefroren bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius.


Je höher man kommt, umso mehr spürt man auch die immer dünner werdende Luft. Gerade ab 5100m merkte ich es besonders, sodass sich unsere Laufgeschwindigkeit immer weiter verlangsamte. Am Ende liefen wir 15 Schritte und machten anderthalb Minuten Pause – Schneckentempo!

Um 6:00 begann die Sonne aufzugehen. Ein wahres Farbenspektakel! Ab 5500m wurde es richtig hart. Es waren nur noch 800m bis zum Gipfel, aber wir waren gut ko und das Wetter verschlechterte sich. So beschlossen wir eine kleine Frühstückspause zu machen um Kräfte zu sammeln.


Nach dem Frühstück ging es die letzten 200 Höhenmeter nach oben, was uns noch mal 2 Stunden kostete. 40% Gefälle, Eis, starker Wind und die dünne Luft machten die letzten Meter fast zur Qual. Um 10:40 erreichten wir nach 8,5h den Gipfel und die Wolken verschwanden und wir konnten locker 100km weit schauen. Auch roch es sehr stark nach Schwefel, was uns zeigte, dass wir tatsächlich auf einem Vulkan sind.  Auch der Blick in den 300m tiefen Krater war schon ein wenig beängstigend. Also aufpassen, nicht abzurutschen und reinzufallen.


Der Abstieg war bei weitem nicht so anstrengend wie der Aufstieg, er zog sich jedoch auch mit 4,5h in die Länge, da man bei dem nassen Schnee höllisch aufpassen musste, um nicht den Halt zu verlieren und 2km weit den Gletscher herunterzurutschen. Wir schafften es aber und nach unserer Ankunft an der Basisstation wurden wir vom 4×4 wieder abgeholt und ins Summit Orizaba zurück gebracht. Ausgehungert und total müde gab es ein feines mexikanisches Abendessen, ein Cerveza, um dann für 18 Stunden zu schlafen.


Meine erste Bersteigerfahrung war ein anstrengendes und wirklich intensives Erlebnis aber mit Greg als erfahrenen Alpinisten an meiner Seite hatte ich nie das Gefühl der Unsicherheit und die Aussicht und das Gefühl dann oben auf der Spitze des größten Berges von Mexiko und gleichzeitig dem drittgrößten in Nordamerika zu stehen, war einfach überwältigend und macht mich schon irgendwie stolz. Mal schauen, welchen Berg ich als nächstes besteige.

Bald geht es nach Peru, da gibt es noch viele Berge, aber jetzt gehts erstmal nach San Francisco. Burning Man, I’m coming!