Das argentinische Patagonien 🇦🇷 – El Calafate & El Chaltén

Es heißt nicht umsonst „das Ende der Welt“ , denn weiter südlich als Punta Arenas ging es nun wirklich nicht. Die einzige Option, noch südlicher zu kommen, wäre ein Fährtrip nach Feuerland gewesen. Leider reichte mir die Zeit nicht und so behalte ich mir noch einige Flecken offen für meinen nächsten Besuch dieser schönen Gegend.

Mir verblieb der Wechsel von Chile nach Argentinien und genau das tat ich dann auch. Die Ostseite Patagoniens in Argentinien bietet auch unbeschreiblich schöne Gegenden und Orte und ich beschloss, per Bus die fünf Stunden dauernde Reise von Puerto Natales ins argentinische El Calafate zu fahren.

El Calafate ist eine sehr touristische Stadt, viele Stunden entfernt von der nächsten bewohnten Gegend. Berühmt ist es durch den nahe liegenden und einfach erreichbaren Gletscher Perito Moreno, den ich am nächsten Tag natürlich besuchte.

Da die Busfahrt für 30€ hin- und zurück zu teuer war, entschied ich mich spontan zu hitch-hiken. Schnell eine knappe Stunde ans andere Ende der Stadt gelaufen, 20 Minuten gewartet und schon nahm mich ein supernettes Pärchen aus Pensilvania mit, die mit ihrem Truck einmal von Süden nach Norden in Argentinien und Chile unterwegs waren und noch einen Platz frei hatten.

Der Eintritt zum Gletscherpark war trotzdem mit 25€ ganz schön happig, aber so ist das leider in Patagonien. Der Blick, den man auf dem gut ausgebauten,  vier Kilometer langen Rundwanderweg über angelegte Balkone hat, ist jedoch umwerfend.

Der Gletscher ist einer der wenigen, die nicht schrumpfen, sondern sich seit knapp 40 Jahren im Gleichgewicht halten. Mit 70m Höhe und 5km Breite ist der circa 35km lange Gletscher einer von über 90 Abflussgletschern des südpatagonischen Eisfeldes, dem drittgrößten Kontinentalgletschergebiet der Welt nach der Antarktis und Grönland. Die Gesamtlänge beträgt rund 360km und an den dicksten Stellen ist das Eis circa 1400m dick!

Wir beobachteten fast minütlich, wie große und kleine Eisbrocken vom Gletscher abbrachen und ins Wasser fielen. Das Knacken und Krachen hörte man ununterbrochen. Das kommt wohl von den circa zwei Metern, die sich der Gletscher jeden Tag nach vorne schiebt. Die tiefblauen Farben waren einfach fantastisch. Die Bilder sprechen wieder mal für sich.

Von El Calafate fuhr ich dann mit dem Bus nach El Chaltén. Entlang riesiger Gletscherseen wie dem Largo Argentino fuhr der Bus in die Wanderhauptstadt Argentiniens. Mit mehr als 160km Wanderwegen um das berühmte Fitzroy-Massiv zieht es neben Wanderern auch viele Kletterer und Bergsteiger an.

In El Chaltén traf ich auch Chris und Lilly wieder. Das waren die zwei aus Pensilvania, die mich mit zum Gletscher Perito Moreno nahmen und wir entschieden uns spontan, mit dem Zelt loszuziehen und neben den Fitzroy auch den Cerro Torre anzuschauen und eine Nacht am Fuße der Laguna Torre zu zelten, um den Sonnenaufgang anzuschauen.

So wanderten wir knapp 30km in den 2 Tagen und hatten ziemliches Glück mit dem Wetter am ersten Tag. Fitzroy zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Sonnenaufgang war toll, auch wenn wir den Torre nicht sahen, freuten wir uns an einem wunderschönen Regenbogen, denn es regnete wieder einmal – Patagonien halt 😉

Damit hatten wir aber noch nicht genug vom Wandern. Von einigen Leuten erfuhr ich vom sogenannten Circuito de Huemul, einem der beeindruckendsten Wanderungen hier im Süden. Er führt vier Tage am Lago Tunél vorbei, über einen Gletscher zum Paso de Viento hinter die Bergkette, die das patagonische Eisfeld einkesselt. Über den Pass kommend, sollte man hier den Blick aufs Eisfeld bekommen. Die Geschichten um den Trek klangen einfach zu spannend, um ihn nicht anzugehen und so suchte ich mir Mitstreiter, die darauf Lust hatten.

Lustigerweise traf ich im Burger&Beer Aaron aus Pucon wieder. Der gebürtige New Yorker fährt seit sechs Monaten mit dem Motorrad von Kolumbien bis nach Patagonien und kam gerade von der Careters Austral. Er wollte eben genau diesen Trek auch machen und so gingen die Vorbereitungen für den nächsten Tag los.

Bei den Parkbehörden hatten wir uns bereits am Tag zuvor registriert – sie meinten, dass sei für den Fall, dass wir nicht zurückkommen sollten, eine Search&Rescue – Crew schicken. Außerdem benötigten wir auch noch Gurtzeugs, aber dazu später mehr. Abmarsch war 6:30 Uhr morgens, um das günstige Wetter zu nutzen. Wir entschieden uns deshalb auch, den Trek von vier auf drei Tage zu kürzen. So mussten wir am ersten Tag 30km und 1500 Höhenmeter zurückzulegen, damit wir über den Paso de Viento (windiger Pass) kamen, der wie sich später herausstellte tatsächlich recht stürmig war.

So ging es bergauf in das Tal des Rio Tunél, vorbei am ersten Campingplatz, bei dem unser Gurtzeug zum ersten Mal zum Einsatz kam. Wir mussten nämlich über den Fluss kommen und der Eiswasser führende Fluss war tief und wild. Aber wir fanden eine Zipline, an der wir uns über den Fluss hangeln konnten. Circa  zehn Meter über dem reißenden Fluss ging es hinüber – ein wahrer Adrenalinrausch!

Von hier aus ging es nun circa eine Stunde über einen Gletscher Richtung Paso de Viento. Um diesen zu erreichen, stiegen wir circa 700m steil bergauf. Der Wind war schon unten ganz schön stark, aber oben angekommen blies er uns fast von den Füßen. Ich schätze, dass so manche Böe locker 100kmh oder mehr hatte. Jedoch hatten wir von oben den ersten atemberaubenden Blick auf das Eisfeld.

Nun ging es noch circa 3,5h entlang einer riesigen Moräne zu unserem ersten Campingplatz für die Nacht. Es gab ein kleines Refugio in dem man  Kochen konnte und unser Zelt wurde durch eine kleine Steinmauer geschützt. Nach knapp 11h Wandern waren wir gut ko und die Beine brannten.

Die Nacht war aufgrund des Sturmes eher unruhig und so manchmal dachte ich, dass wir samt unserem Zelt wegfliegen. Trotzdem schliefen wir 12 Stunden und machten uns als letzte Wandergruppe auf den 18km langen Weg entlang des patagonischen Eisfeldes, über den Paso de Huemul in Richtug des zweiten Campingplatzes. Um dort hinzugelangen, mussten wir wieder 600m absteigen und einmal uns sogar abseilen.

Dieser zweite Campingplatz war der schönste auf dem ich jeweils war. Direkt am Lago Argentino gelegen, mit Blick auf das Ende des Gletschers und mit riesigen Eisbergen direkt vor unser Nase. Aaron hatte noch eine kleine Flasche Whiskey dabei, die wir uns genüsslich mit sicher 5000 Jahre altem Gletschereis gönnten. Durch ein paar Windböen wurden wir beide um halb zwei wach und von einem überwältigenden Sternenhimmel überrascht und schossen ein paar tolle Fotos. Thanks Aaron for some of the picture!

Zum Sonnenaufgang klingelte der Wecker und wir sahen, wie die Sonne blutrot die Berge und die Eisberge anstrahlte. Nach dem Frühstück ging es wieder los und mehr irrend als einem Pfad folgend liefen wir zur Bahia Tunél. Hier konnten wir fast über den gesamten Lago Argentino in seinem typischen Gletscherblau schauen. Muy Bueno!

Eine letzte Flussüberquerung mit dem Gurtzeugs war trotzdem noch nötig, aber mittlerweile waren wir ja Profis darin. Ein netter Einwohner nahm uns in seinem Auto zurück nach El Chaltén, wo wir uns verdient ein halbes Kilo schweres Argentinisches Steak gönnten. Que rico!

Für mich war der Huemul der schönste Trek, den ich in Patagonien gewandert bin und ich würde ihn alleine für den zweiten Zeltplatz noch mal laufen. Also wer Lust hat und mich hierher zurück mitnimmt, ich bin dabei!

Ciao ciao Patagonia, für mich gehts nun weiter Richtung Norden. Nächster Stopp, Buenos Aires.

Autor: Daniel

Software engineer, entrepreneur and world traveler- currently in Argentina 🇦🇷

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