Via Suriname nach Trinidad & Tobago

Brasilien war wirklich toll und auch wenn ich nur einen kleinen Ausschnitt des Landes gesehen habe, weiß ich, dass ich hierher zurück kommen werde und mir die anderen 95% des Landes auch anschauen möchte.

Mit meinem letzten Tag in Rio brach auch meine Rückreise an. Von Rio de Janeiro ging es mit dem Flieger über Belém und Cayenne (Französisch Guayana) nach Zanderij, wo ich  übernachtete. Von da aus ging’s dann weiter via Trinidad und Tobago (4 Tage) nach Grenada. Hier eine Karte zur kurzen Übersicht.

Auch wenn ich nur kurz in Suriname war, hat das Land den bislang schlechtesten Eindruck hinterlassen. Nachdem schon die landeseigene Airline zwei Stunden gebraucht hat, um mein Gepäck einzuchecken weil der Computer nicht ging, meinte dann der Grenzbeamte, dass ich ohne Visa nicht ins Land reinkomme. 🤔 Er zeigte auf eine Ecke und meinte, ich müsste dort auf meinen Transfer warten. Ich hatte natürlich meine Unterkunft schon gebucht und auch meine Hausaufgaben gemacht, so dass ich wusste, dass ich kein Visum benötige. Was er nicht sagte, dass ich doch einfach eine Touristenkarte kaufen kann. Nach kurzem googeln hatte ich das dann auch herausgefunden. Nur war niemand im Touristenkartenoffice. Derjenige, der dort arbeitete, kam dann eine halbe Stunde später 🙄 und meinte, dass die Touristenkarte 30€ oder 35$ kostet. Ich hatte natürlich weder Euro noch Dollar mit, hatte aber einen Geldautomaten direkt neben dem Office gesehen. Dieser spuckte zwar weder Euro noch US Dollar aus, aber dafür landeseigene Suriname Dollar. Also habe ich Suriname Dollar abgehoben, um dann zu erfahren, dass man nicht! in Suriname Dollar, sondern ausschließlich nur in US-Dollars oder Euro bezahlen kann. Kreditkarten wurden natürlich nicht akzeptiert 😡. Gott sei Dank, war da noch ein einziger sehr netter Kolumbianer in der Schlange, der mir das Geld lieh, um es ihm in Suriname Dollar zurückzugeben. Wieder mal ein Hoch auf die unheimliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft von Kolumbianern. Ein wirklich dummes System haben die dort – anscheinend will man keine Touristen. 😤

Naja im Guesthouse musste ich natürlich auch in Dollar bezahlen, sagte aber gleich beim Einchecken: „Entweder ihr nehmt die Suriname Dollar oder es gibt nix!“ Selbst bei der Ausreise waren alle mega unfreundlich. Gastfreundschaft wird halt verschieden gelebt.

Anschließend ging’s weiter nach Trinidad und Tobago und dort gewann ich einen viel besseren Eindruck. Ich hatte nämlich versucht, per Couchsurfing eine Unterkunft zu finden, mich aber dann spontan umentschieden, um  zwei  meiner vier Tage auf Tobago zu verbringen. Eine Freundin von mir (danke Alex für den Tipp), kannte ein gutes Guesthouse auf Tobago, bei dem ich direkt buchte.

Via Couchsurfing kam ich auch mit Chris, einer Trini, in Kontakt, die mich mit ihrem Auto abholte, bei der ich meine Sachen abladen konnte und dann den ganzen Tag mich durch Trinidad fuhr, um mir Land, Leute und Kultur zu zeigen. Die Insel ist erstaunlich erschlossen, ziemlich industrialisiert – dank Erdölvorkommen – und fast amerikanisch im Dauerstau. Trotzdem konnte ich Doubles probieren – wie festere Pancakes in Sauce getränkt – die man direkt von der Hand ist. Vollkleckern garantiert!

Außerdem besuchte ich den wunderschönen Maracas Beach und nach dem Bad in den Wellen Bake&Shark ausprobieren. Eine Art frisiertes Brötchen mit Haifischfleisch, Saucen, Mango Chutney und einem Haufen leckeren Extras zum selber draufmachen.

Musikalisch wurde ich voll auf die Karibik getrimmt und kannte die Top 10 der karibischen Hits nach einem Tag. Mein Favorit ist immer noch Splinters:

Ab gleichen Abend ging es dann in meinen fünften Flieger innerhalb von zwei Tage für den 20 minütigen Flug nach Tobago.

Hier verbrachte ich zwei wunderschöne Tage auf der traumhaft karibischen Insel. Am ersten Tag ging’s  zum Tauchen mit Schildkröten, Moränen und einem monströsen Riesenzackenbarsch der bestimmt locker 2,5m lang war und laut Schätzung des Divemasters locker 150kg gewogen hat. Abends machte ich dann mit Puncheon Bekanntschaft, dem 75%igen Tobago Rum – fieses Zeugs.

Am nächsten Tag stand beach hopping mit dem Motorboot von Brandon, dem Besitzer des Fish Tobago, auf dem Programm. Wir fuhren zu vier verschiedenen Stränden mit dem kleinen Boot, einer Kühlbox für Bier und Puncheon (nicht schon wieder 🙈). Ein ganz klasse Ausflug mit total schönem Sonnenuntergang zum Abschluss!

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Am nächsten Morgen ging es zeitig zurück zum Flughafen, wo mich Chris wieder abholte und noch einen weiteren Tag mit mir verbrachte. Wir fuhren wieder zum Strand und am Nachmittag in die Swamps, um die Scarlett Ibis Vögel zu beobachten, die zum Sonnenuntergang zu zehntausenden auf eine einzige kleine Insel in den Mangrovenwälder fliegen, um da ihre Nachtruhe zu halten. Der Himmel war rot von Ihnen und die Insel die am Anfang wie eine grüne Insel aussah, war kurz nach Sonnenuntergang rot geschmückt wie ein Weihnachtsbaum.

 

 

 

Nach dem Besuch der Swamps ging es dann wieder zum Flughafen, denn mein Flug nach Grenada stand an. Hier traf ich auf die Affenbande aus Berlin, um unseren ersten Katamaran Segeltörn zu starten. Davon gibts aber im nächsten und wohl letzten Artikel meiner Reise mehr.

Bonito & Rio de Janeiro

Ich hatte noch 3 Wochen bis ich mich mit meinen Freunden aus Berlin auf Grenada treffen würde und ich wollte diese Zeit in Brasilien verbringen. Ein Freund aus Berlin, Fernando, der ursprünglich aus Brasilien kommt, gab mir ganz viele Tipps, was ich in dieser Zeit machen könnte und nach etwas Recherche entschied ich mich mit dem Nachtbus von Foz via Campo Grande nach Bonito zu fahren.

Bonito ist ein kleines Nest ungefähr 75km nördlich von der paraguayischen und 250km östlich von der bolivianischen Grenze. Es liegt südlich vom Pantanal. Bonito ist bekannt für seine extrem klaren und sauberen Flüsse und vielen Höhlen. Ich hatte drei Tage hier und wollte unbedingt in die Abyss Anhumas – einer 150 Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle. Hier seilt man sich 72m in die 190×80 Meter große Höhle ab. In der Höhle befindet sich ein See in dem man Schnorcheln oder, wie ich, tauchen gehen kann. Für mich ein ganz besonderes Erlebnis, da ich noch nie im Süßwasser tauchen war, geschweige denn in einer Höhle!

Das Abseilen war schon eine sehr, sehr adrenalinehaltige Angelegenheit. 72m sind verdammt hoch und nur an einem Seil hängend, sich langsam abzuseilen, setzt schon ein wenig Schwindelfreiheit voraus. Unten angekommen, ging es dann in den dicken Neopren, da das Wasser nur 20 Grad hatte. Es gibt bis auf ein paar kleine Fischis 🐟 kein Leben im Wasser. Aber umso beeindruckender waren die Jahrmillionen alten Cones, runde Stalagmiten, die teilweise bis 19m hoch waren. Auch sah ich ein paar Tierknochen von einem Ameisenbär, der wohl irgendwie in die Höhle gefallen und dann wohl verhungert ist. Der schwierigste Teil des Unterfangen jedoch war der Aufstieg. Neben der bereits benannten Schwindelfreiheit war auch gute Armmuskelkraft nötig, um sich wieder hochzuziehen. Im Großen und Ganzen ein geiles Erlebnis!

Am nächsten Tag ging es dann in den Rio Prata zum Schnorcheln. Aufgrund des hohen Kalkgesteinanteils im Boden, wird das Wasser der Flüsse regelrecht kristallklar gefiltert. Dies ermöglicht Sichtweiten von bis zu 40m – in einem Fluss! Also ging es mit Schnorchel und shorty Neopren bewaffnet ins Wasser. Der Neopren ist mehr dazu da, oben zu treiben, denn das Wasser ist angenehm warm. Man sieht viele Fische, die total entspannt neben einem und um einen herum schwimmen und sich gar nix aus den komischen Besuchern in den schwarzen Anzügen machen. Wir sahen die Affen über uns in den Baumwipfeln hin und herspringen und sogar einen Kaiman am Ufer chillen. Bekanntschaften mit Schlangen, die dort leben und auch gern mal den Fluss kreuzen, gab es glücklicherweise nicht.

Bonito hat mir sehr gut gefallen, jedoch macht sich der ausgebaute Ökotourismus auch im Portmonee bemerkbar. Günstig, ist meines Erachtens anders.

Von Bonito ging es mit dem Abendbus nach Campo Grande zurück von wo aus ich 3:40 Uhr morgens den Flieger nach São Paolo nahm um dort in den Flieger nach Rio umzusteigen.

Von Rio de Janeiro hört man ja im vornherein schon ziemliche Gruselgeschichten was die Sicherheit angeht. Ich kann schon mal vorwegnehmen, dass ich weder beraubt, beklaut, erstochen oder erschossen wurde. Mit Sicherheit gibt es Gegenden und da vor allem bestimmte Favelas, in die man besser nicht geht. Man sollte den Common Sense walten lassen und die in Medellin gelernte Papayaregel anwenden und dann passt das schon. Ich empfande es nicht schlimmer als in irgendeiner anderen südamerikanischen Großstadt wie Lima, Quito oder Bogota.

Nun aber zu den schönen Seiten. Rio ist einfach der Hammer. Bis dahin galt Buenos Aires als meine Lieblingsstadt, aber diesen Titel muss ich leider Rio verleihen, da Rio echt geil ist. Angefangen von der bizarren Landschaft mit den vielen Hügeln, über die Strände bis zu den Menschen habe ich in meiner Woche die ich da war einfach nur eine tolle Zeit gehabt. Ich habe den Zuckerhut und den Christus besucht, war zu einem Fußballspiel in Maracanã Stadion, hab an der Copacabana Caipi’s geschlürft, war auf einem Straßensambafest in einer ehemaligen Favela, hab die Zwei Brüder bestiegen und danach mir eine Favela angeschaut und richtig gut Mittag gegessen. Ich war in Lapa feiern (mehr als nur einmal) und habe die Vorbereitungen für Karneval bei diversen Straßen-Prekarneval Parties genossen.

Ich habe außerdem noch zufälligerweise meinen alten Schulkameraden Georg aus Reichenbach getroffen, den ich sicher 4 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte und mit ihm und seinem Kollegen aus Leipzig viele schöne Stunden verbracht.

Leider war die Zeit wie immer einmal wieder viel zu kurz und so musste ich mich auf den Weg gen Norden machen, wo meine letzte Station vor dem Abholkommando aus Berlin auf dem Plan stand. Es ging über Suriname nach Trinidad & Tobago zurück in die Karibik. Davon, gibts aber im nächsten Post mehr.

Iguazú Wasserfälle und Itaipú Staudamm

Von Buenos Aires kommend, endete meine Zeit im schönen Argentinien mit dem Besuch der weltberühmten Iguazú Wasserfällen. Dieses monumentale Wunder der Natur befindet sich ganz nah am Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay und verläuft auf der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien.

Ich verbrachte einen ganzen Tag auf der argentinischen Seite im eigens dafür eingerichteten Nationalpark. Mit dem Bus ist dieser sehr leicht aus der Stadt Puerto Iguazú zu erreichen. Obwohl ich ihn mit 25€ Eintritt doch recht teuer fand, ist er sehr schön eingerichtet und für große Besucherströme vorbereitet. Gut ausgebaute Wanderwege lassen erleichtern es, den Park zu durchwandern.

Nach Ankunft und einer kurzer Fahrt mit der Parkeisenbahn ging es direkt zum Garganta Del Diabolo – dem Rachen des Teufels. Hier befindet sich der größte der rund 250 Wasserfälle, an denen der Iguazú Fluss bis zu 70m in die Tiefe stürzt. Auf knapp 2km Breite stürzt sich das Wasser hier in die Tiefe und wirbelt dabei Unmengen von Wasserdampf auf.

Nach ausgiebiger Fotosession ging es zum oberen Rundwanderweg, über den man sehr beeindruckende Aussichten von oben auf mehrere Wasserfälle bekommt. Mit meiner netten argentinischen Hockeymannschaft, die ich unterwegs kennenlernte, liefen wir durch dichten Regenwald und konnten neben Affen auch viele Coati – eine Art Waschbär – beobachten.

Zum Abschluss ging es noch zum unteren Rundwanderweg, der einen direkt an den Fuß eines weiteren riesigen Wasserfalls bringt. Ich verbrachte locker 6 Stunden mit wirklich faszinierenden Aussichten und beeindruckenden Erlebnissen.

Am nächsten Tag verließ ich Argentinien und nahm den Bus nach Foz de Iguaçu in Brasilien, um mir auch diese Seite anzuschauen. Foz selbst wer nicht so hübsch, aber der deutlich kleinere Park auf brasilianischer Seite ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Hier sieht man die Fälle aus einem ganz anderen Winkel und kann die argentinische Seite sehr gut beobachten. Rund 1500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde flossen zum Zeitpunkt meines Besuchs über die Fälle – das ist schon nicht wenig!

Am nächsten Tag hatte ich einen Besuch im leistungsstärksten Wasserkraftwerk der Welt, dem Itaipú Staudamm gebucht. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen Brasilien und Paraguay liegt genau auf der Grenze der beiden Staaten und wird von beiden auch gemeinschaftlich betrieben. Der Staudamm ist 8km lang und rund 180m hoch. Er staut den Rio Paraná auf, der nun einen rund 160km langen See bildet. Die Kraft des Wassers wird durch 20 Turbinen (10 für Paraguay und 10 für Brasilien) in Elektrizität umgewandelt. Jede Turbine hat 700MW Leistung und damit erzeugt das fast konstant ausgelastete Kraftwerk rund 10 mal so viel Elektrizität wie Isar 2, das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Welt.

Es floss zu meinem Besuch sogar so viel Wasser in den See, dass der Spillway (Überlauf) genutzt wurde um überschüssiges Wasser abzuführen. Hier lief ungefähr so viel Wasser über, wie in den gesamten Iguazú-Wasserfall. Ein wirklich beeindruckendes Wunder der Technik, welches sauberen Strom für 75% des paraguayischen und 15% des brasilianischen Energiebedarfs deckt.

 

Als nächstes ging es in einer 24h dauernden Busfahrt via Campo Grande nach Bonito in Mato Grosso del Sur. Was ich da erlebte, gibts im nächsten Blogpost.

Buenos Aires & ein Kurztrip nach Uruguay

Es bleiben mir noch sechs Wochen hier in Südamerika – dann ist diese Zeit erst einmal zu Ende. Aber deswegen muss ja keine Trauerstimmung aufkommen, gerade wenn man in einer Stadt wie Buenos Aires nicht nur Silvester verbracht hat, sondern auch ein paar Tage mehr Zeit hatte, um etwas mehr das Leben der Porteños zu erfahren.

Ich flog am letzten Tag des Jahres von El Calafate nach Buenos Aires. Der Flug dauerte knapp drei Stunden und zeigt mir mal wieder, wie riesig nicht nur das Land Argentinien, sondern der ganze Kontinent ist. In BA angekommen, ging es direkt ins Hostel und von da aus zum Silvesteressen bei Ninah.

Ninah ist gebürtige Südafrikanerin, die in Australien aufgewachsen ist und ich die ich in Viña Del Mar in Chile kennengelernt und in Pucon noch einmal getroffen hatte. Sie studierte hier in BA und ich sagte ihr, dass sie doch bitte eine Party organisieren solle, da ich ja erst spät ankomme. Gesagt, getan, organisierte sie ein super leckeres kolumbianisches Abendessen mit Freunden und einem Teil ihrer Familie, die gerade zu Besuch war. Nach dem Abendessen ging es zum Feuerwerk schauen in den alten Hafen Puerto Madero. Bürgerkriegsähnliche Zustände wir in Berlin waren da Gott sei dank nicht, aber die Leute feierten ausgiebig mit Freunden und Familien am alten Hafenkanal bei angenehmen 24 Grad in der Nacht.

Danach wollten wir noch in eine Bar, die aber erstaunlicherweise bereits geschlossen hatte. Nach einigen Uberfahrten und lustigen Zufällen landeten wir auf einer Privatparty von Argentiniern, Venezuelanern, Kolombianern und Brasilianern. Diese ging dann bis früh um 6 und ich fiel nach über 25 Stunden todmüde auf den Beinen ins Bett. Die folgenden Tage schaute ich mir die verschiedenen Stadtviertel von BA an, besuchte Museen und Theater, war gut und viel feiern und lernte eine Menge neuer Leute kennen.

Buenos Aires zählt für mich zu den tollsten Städten meines Trips. Es erinnert ein wenig an Paris oder México City. Die Stadt, hat nur drei Millionen Einwohner, jedoch zählt die Metropolregion mit knapp 13 Millionen zu einer der größten und bevölkerten Gegenden Südamerikas. Direkt am Rio de La Plata gelegen, war Buenos Aires ein wichtiger Handelshafen nach Europa und bescherte der Stadt vor allem zu Beginn der industriellen Revolution ziemlichen Reichtum.

Buenos Aires ist durch die vielen italienischen Auswanderer geprägt. Das spiegelt sich in Sprache, Architektur und Kultur wieder. Außerdem gibt es hier die größte jüdische Bevölkerung Südamerikas. Alles in allem ein Meltpot der Kulturen, da die Wirtschafts- und Finanzmetropole Menschen aus aller Welt anzieht und unheimlich viel an Kultur, Musik, Tanz (Tango!) und mehr zu bieten hat.

Ich empfand die Stadt auch als relativ sicher. Nie hatte ich irgendwelche komischen Momente, in denen mein Bauch mir sagte, dass ich besser verschwinden sollte. Naja ich verbrachte die Zeit auch nur in den zentralen Vierteln wie Ricoletta, Palermo, Puerto Madero, San Telmo und natürlich La Boca mit dem Besuch des Boca juniors Stadion, in dem einst Maradona die Massen begeisterte.

Nach fast einer Woche suchte ich etwas mehr Ruhe und so entschied ich mich, für ein paar Tage ins benachbarte Uruguay zu fahren. Der Rio Plata trennt Argentinien und Uruguay und somit ist eine Fährfahrt nach Colonia del Sacramento die einfachste Möglichkeit. Ich hatte bis dahin von Uruguay überhaupt keine richtige Vorstellung und ich glaube, dass das den meisten so geht.

Uruguay ist das zweitkleinste Land Südamerikas und nur halb so groß wie Deutschland. Es leben auch nur 3 Millionen Menschen da, aber es gibt dafür knapp 12 Millionen Rinder, die in den flachen Grasweiden – den sogenannten Pampas – ein scheinbar glückliches Leben führen. Uruguay ist auch erstaunlich liberal. Neben Argentinien erlaubte man hier als einer der ersten Länder das Heiraten gleichgeschlechtlicher Paare, legalisierten Marijuana und ist mit 45% Atheisten erstaunlich „ungläubig“ für Südamerika. Insgesamt sehr entspannte, herzliche und offene Menschen.

Ich verbrachte einen Tag in der ältesten Stadt des Landes – Colonia. Sie hat nicht nur eine wunderschöne koloniale Architektur, sondern man konnte von hier auch jeden Abend hervorragende Sonnenuntergänge über der Plata genießen. Die Spanier und Portugiesen stritten sich immer wieder um die Stadt und letztendlich sorgten die Britten für ihre Unabhängigkeit. Ein wenig erinnerte mich die Stadt an Trinidad auf Cuba inklusive der vielen alten Autos, die durch Colonia fahren.

Von Colonia ging es dann mit dem Bus knapp drei Stunden in die Hauptstadt Montevideo. Hier leben rund die Hälfte aller Uruguayer. Die Stadt selbst machte auch einen deutlich ruhigeren und entspannteren Eindruck als BA. Neben dem großen Hafen gibt es eine schöne Altstadt mit vielen Fußgängerzonen, die zum Schlendern einladen. Die Stadt war aber schon sehr tranquilo, da die meisten Montevideoaner im Sommerurlaub sind. Den verbringen sie weiter die Küste entlang in Punta Del Este – dem Miami von Uruguay.

Genau dahin trieb es mich nach einem Tag sightseeing und so ging es weitere zwei Stunden mit dem Bus nach Punta Del Este. Architektonisch schön ist es ja nicht, da Hochhäuser und Apartmenthäuser die Optik prägen. Es ist halb Buenos Aires hier im Sommerurlaub und selbst die Brasilianer kommen hier her zum Sonnen, Feiern, Sehen und gesehen werden. Aber ein wenig Strand und Sonne tanken, im Meer schwimmen und die eine oder andere Reggaetonparty mitnehmen, kann ja nicht schaden. Leider ist auch alles krass überteuert und so zahlte ich das wohl teuerste Hostel meiner Reise hier. 35€/Nacht für ein 10er dorm 😳 das war schon hart. Das einzig Gute ist, dass man in Restaurants und Bars bei Zahlung mit ausländischer Kreditkarte die 22% Steuern nicht zahlen muss. Da ist dann der Ginteuer nur noch teuer und nicht sehr teuer. 😝

Von Punta Del Este ging es dann wieder zurück nach BA. Hier organisierte ich ein wenig meine nächsten Reiseziele, Busfahrten und Flüge, wusch meine Wäsche und verabschiedete mich von neugewonnenen Freunden mit einem landestypischer Asado.

Nächstes Ziel und damit die letzte Etappe im tollen Argentinien sind die Iguazú-Wasserfälle im Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay. Von dort wird dann der nächste Bericht sein.

Das argentinische Patagonien 🇦🇷 – El Calafate & El Chaltén

Es heißt nicht umsonst „das Ende der Welt“ , denn weiter südlich als Punta Arenas ging es nun wirklich nicht. Die einzige Option, noch südlicher zu kommen, wäre ein Fährtrip nach Feuerland gewesen. Leider reichte mir die Zeit nicht und so behalte ich mir noch einige Flecken offen für meinen nächsten Besuch dieser schönen Gegend.

Mir verblieb der Wechsel von Chile nach Argentinien und genau das tat ich dann auch. Die Ostseite Patagoniens in Argentinien bietet auch unbeschreiblich schöne Gegenden und Orte und ich beschloss, per Bus die fünf Stunden dauernde Reise von Puerto Natales ins argentinische El Calafate zu fahren.

El Calafate ist eine sehr touristische Stadt, viele Stunden entfernt von der nächsten bewohnten Gegend. Berühmt ist es durch den nahe liegenden und einfach erreichbaren Gletscher Perito Moreno, den ich am nächsten Tag natürlich besuchte.

Da die Busfahrt für 30€ hin- und zurück zu teuer war, entschied ich mich spontan zu hitch-hiken. Schnell eine knappe Stunde ans andere Ende der Stadt gelaufen, 20 Minuten gewartet und schon nahm mich ein supernettes Pärchen aus Pensilvania mit, die mit ihrem Truck einmal von Süden nach Norden in Argentinien und Chile unterwegs waren und noch einen Platz frei hatten.

Der Eintritt zum Gletscherpark war trotzdem mit 25€ ganz schön happig, aber so ist das leider in Patagonien. Der Blick, den man auf dem gut ausgebauten,  vier Kilometer langen Rundwanderweg über angelegte Balkone hat, ist jedoch umwerfend.

Der Gletscher ist einer der wenigen, die nicht schrumpfen, sondern sich seit knapp 40 Jahren im Gleichgewicht halten. Mit 70m Höhe und 5km Breite ist der circa 35km lange Gletscher einer von über 90 Abflussgletschern des südpatagonischen Eisfeldes, dem drittgrößten Kontinentalgletschergebiet der Welt nach der Antarktis und Grönland. Die Gesamtlänge beträgt rund 360km und an den dicksten Stellen ist das Eis circa 1400m dick!

Wir beobachteten fast minütlich, wie große und kleine Eisbrocken vom Gletscher abbrachen und ins Wasser fielen. Das Knacken und Krachen hörte man ununterbrochen. Das kommt wohl von den circa zwei Metern, die sich der Gletscher jeden Tag nach vorne schiebt. Die tiefblauen Farben waren einfach fantastisch. Die Bilder sprechen wieder mal für sich.

Von El Calafate fuhr ich dann mit dem Bus nach El Chaltén. Entlang riesiger Gletscherseen wie dem Largo Argentino fuhr der Bus in die Wanderhauptstadt Argentiniens. Mit mehr als 160km Wanderwegen um das berühmte Fitzroy-Massiv zieht es neben Wanderern auch viele Kletterer und Bergsteiger an.

In El Chaltén traf ich auch Chris und Lilly wieder. Das waren die zwei aus Pensilvania, die mich mit zum Gletscher Perito Moreno nahmen und wir entschieden uns spontan, mit dem Zelt loszuziehen und neben den Fitzroy auch den Cerro Torre anzuschauen und eine Nacht am Fuße der Laguna Torre zu zelten, um den Sonnenaufgang anzuschauen.

So wanderten wir knapp 30km in den 2 Tagen und hatten ziemliches Glück mit dem Wetter am ersten Tag. Fitzroy zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der Sonnenaufgang war toll, auch wenn wir den Torre nicht sahen, freuten wir uns an einem wunderschönen Regenbogen, denn es regnete wieder einmal – Patagonien halt 😉

Damit hatten wir aber noch nicht genug vom Wandern. Von einigen Leuten erfuhr ich vom sogenannten Circuito de Huemul, einem der beeindruckendsten Wanderungen hier im Süden. Er führt vier Tage am Lago Tunél vorbei, über einen Gletscher zum Paso de Viento hinter die Bergkette, die das patagonische Eisfeld einkesselt. Über den Pass kommend, sollte man hier den Blick aufs Eisfeld bekommen. Die Geschichten um den Trek klangen einfach zu spannend, um ihn nicht anzugehen und so suchte ich mir Mitstreiter, die darauf Lust hatten.

Lustigerweise traf ich im Burger&Beer Aaron aus Pucon wieder. Der gebürtige New Yorker fährt seit sechs Monaten mit dem Motorrad von Kolumbien bis nach Patagonien und kam gerade von der Careters Austral. Er wollte eben genau diesen Trek auch machen und so gingen die Vorbereitungen für den nächsten Tag los.

Bei den Parkbehörden hatten wir uns bereits am Tag zuvor registriert – sie meinten, dass sei für den Fall, dass wir nicht zurückkommen sollten, eine Search&Rescue – Crew schicken. Außerdem benötigten wir auch noch Gurtzeugs, aber dazu später mehr. Abmarsch war 6:30 Uhr morgens, um das günstige Wetter zu nutzen. Wir entschieden uns deshalb auch, den Trek von vier auf drei Tage zu kürzen. So mussten wir am ersten Tag 30km und 1500 Höhenmeter zurückzulegen, damit wir über den Paso de Viento (windiger Pass) kamen, der wie sich später herausstellte tatsächlich recht stürmig war.

So ging es bergauf in das Tal des Rio Tunél, vorbei am ersten Campingplatz, bei dem unser Gurtzeug zum ersten Mal zum Einsatz kam. Wir mussten nämlich über den Fluss kommen und der Eiswasser führende Fluss war tief und wild. Aber wir fanden eine Zipline, an der wir uns über den Fluss hangeln konnten. Circa  zehn Meter über dem reißenden Fluss ging es hinüber – ein wahrer Adrenalinrausch!

Von hier aus ging es nun circa eine Stunde über einen Gletscher Richtung Paso de Viento. Um diesen zu erreichen, stiegen wir circa 700m steil bergauf. Der Wind war schon unten ganz schön stark, aber oben angekommen blies er uns fast von den Füßen. Ich schätze, dass so manche Böe locker 100kmh oder mehr hatte. Jedoch hatten wir von oben den ersten atemberaubenden Blick auf das Eisfeld.

Nun ging es noch circa 3,5h entlang einer riesigen Moräne zu unserem ersten Campingplatz für die Nacht. Es gab ein kleines Refugio in dem man  Kochen konnte und unser Zelt wurde durch eine kleine Steinmauer geschützt. Nach knapp 11h Wandern waren wir gut ko und die Beine brannten.

Die Nacht war aufgrund des Sturmes eher unruhig und so manchmal dachte ich, dass wir samt unserem Zelt wegfliegen. Trotzdem schliefen wir 12 Stunden und machten uns als letzte Wandergruppe auf den 18km langen Weg entlang des patagonischen Eisfeldes, über den Paso de Huemul in Richtug des zweiten Campingplatzes. Um dort hinzugelangen, mussten wir wieder 600m absteigen und einmal uns sogar abseilen.

Dieser zweite Campingplatz war der schönste auf dem ich jeweils war. Direkt am Lago Argentino gelegen, mit Blick auf das Ende des Gletschers und mit riesigen Eisbergen direkt vor unser Nase. Aaron hatte noch eine kleine Flasche Whiskey dabei, die wir uns genüsslich mit sicher 5000 Jahre altem Gletschereis gönnten. Durch ein paar Windböen wurden wir beide um halb zwei wach und von einem überwältigenden Sternenhimmel überrascht und schossen ein paar tolle Fotos. Thanks Aaron for some of the picture!

Zum Sonnenaufgang klingelte der Wecker und wir sahen, wie die Sonne blutrot die Berge und die Eisberge anstrahlte. Nach dem Frühstück ging es wieder los und mehr irrend als einem Pfad folgend liefen wir zur Bahia Tunél. Hier konnten wir fast über den gesamten Lago Argentino in seinem typischen Gletscherblau schauen. Muy Bueno!

Eine letzte Flussüberquerung mit dem Gurtzeugs war trotzdem noch nötig, aber mittlerweile waren wir ja Profis darin. Ein netter Einwohner nahm uns in seinem Auto zurück nach El Chaltén, wo wir uns verdient ein halbes Kilo schweres Argentinisches Steak gönnten. Que rico!

Für mich war der Huemul der schönste Trek, den ich in Patagonien gewandert bin und ich würde ihn alleine für den zweiten Zeltplatz noch mal laufen. Also wer Lust hat und mich hierher zurück mitnimmt, ich bin dabei!

Ciao ciao Patagonia, für mich gehts nun weiter Richtung Norden. Nächster Stopp, Buenos Aires.

Chile‘s Süden Teil 2 – Patagonien

Patagonien ist für viele der Traum von wahrer Freiheit, unberührter Natur und spektakulären Landschaften. Für mich ist dieser Traum wahr geworden und obwohl ich leider nur einen kleinen Ausschnitt der riesigen Gegend gesehen habe, verstehe ich nun, warum Patagonien für viele diese Sehnsucht danach bedeutet.

Ich traf mich in Punta Arenas wieder mit Tobi, der wie ich auch, eine traumhafte Zeit in der Atacama Wüste hatte und mal eben die 3700km in den Süden geflogen ist. Wir besuchten den Reservation Nacional de Magallanes und wanderten einen Tag durch die dichten Letunga Wälder und genossen den Blick auf die Magellanstraße, die die südliche Spitze von Südamerika und Feuerland trennt. Benannt nach dem Seefahrer, ist sie die Verbindungsstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Immer wehende kalte und starke Winde, Regen und Schnee bestimmen ganzjährig das Wetter.

Wir besuchten zusammen mit einer Freundin, die ich in Pucon kennen gelernt hatte, die Isla Magdalena, die auch Pinguininsel genannt 🐧 wird. Hier brüten rund 60000 Magellanpinguine ihre Eier aus und es ist ein herzliches Schauspiel, diese putzigen Tiere zu beobachten. Auf dem Rückweg mit dem Boot sahen wir dann auch noch Delfine. Sie sind die kleinsten Delfine der Welt, die hauptsächlich in der Magellanstraße leben.

Von Punta Arenas ging es dann nordwärts nach Puerto Natales. Puerto Natales ist der Ausgangspunkt für Wanderungen in den Torres Del Paine Nationalpark. Wir bereiteten uns gut für unsere 8-Tageswanderung vor, kauften Essen, liehen uns ein Zelt, Isomatte und Gaskocher aus und klärten die letzten Zeltplatzreservierungen. Den Ärger mit der Reservierung will ich hier nicht erörtern, aber so viel sei gesagt: Drei Firmen betreiben die Campingplätze im Nationalpark und in klassisch südamerikanischer Manier ist der Prozess der Buchung absolut chaotisch, frustrierend und nervig. Nichtsdestotrotz haben wir es geschafft und obwohl wir nicht überall einen Zeltplatz bekommen haben und zwei Nächte in überteuerten Refugios übernachten müssen, können wir unseren Trek beginnen.

Tag 1: Anreise und Wanderung nach Serónit

Mit unseren 20kg schweren Rucksäcken, ging es am ersten Tag frühmorgens zur Bushaltestelle. Wir hatten schon ganz schön zu schleppen. Wir mussten alles mitnehmen, von Klamotten für eine Woche (2 T-Shirts, eine Hose, Leggins, Fleecejacke, Regenjacke, Daunenjacke, Handschuh, Mütze und Unterwäsche), Essen (Fertiggerichte, Haferflocken + Milchpulver + Kakaopulver in praktischen ziplockbags verpackt fürs Frühstück, Müsliriegel, Schokolade, Nutella für tortilla wraps und einer kleinen Flasche Rum) und natürlich Koch- und Zeltutensilien. Da kommen schnell 20kg zusammen.

Der Bus fuhr uns in knapp drei Stunden zum Parkeingang, wo wir erstmal 25€ Eintritt bezahlen und ein Lehrvideo über das  Verhalten im Park anschauen „durften“. Feuer anzünden ist selbstverständlich verboten und auch jeglicher Müll muss wieder mitgenommen werden. Nach dieser notgedrungenen Unterweisung ging’s los und wir wanderten die ersten 15 Kilometer zum Campamiento Seron auf der Ostseite des Parks. Es schien die Sonne und es war mit 15 Grad angenehm warm. Unser Weg führte durch saftige Wiesen mit ganz vielen Margarittenblumen, entlang des Rio Paine. Am Zeltplatz angekommen, bauten wir das Zelt auf und legten uns beim einsetzenden Regen erst einmal hin, um ein kleines zweistündiges Nickerchen zu machen 🙈.  Abends gab’s leckeres Essen und wir spazierten noch eine Runde im Kreis, bevor es um 9 ins Zelt zurück ging. Lustigerweise trafen wir natürlich nach fünf Minuten im Park den ersten Deutschen – Jens aus Dresden war allein unterwegs und man traf sich immer mal wieder entlang des gesamten Trips.

Tag 2: Wanderung zum Refugio Dickson

Es wird früh hell im Sommer und die Sonne ist von morgens um 5 bis abends um halb 11 am Himmel. Somit ging unser Tag natürlich auch früh los und nachdem wir gefrühstückt und unser Zelt abgebaut hatten, liefen wir los Richtung Refugio Dickson im Norden des NP. Das Wetter spielte mit und wir liefen rund 20km an diesem Tag. Das Refugio liegt direkt am Lago Dickson und hier hatten wir nicht nur eine unheimlich tolle Aussicht auf die Rückseite der Torres, sondern auch auf die Gletscher, die im See mündeten. Es gab sogar Eisberge im See zu sehen. Total beeindruckend!

Tag 3 Wanderung nach Los Perros

Auch am dritten Tag spielte das Wetter einigermaßen mit. Es war bewölkt, ab und zu schien sogar die Sonne; wir hatten nur manchmal etwas Regen und am Ende schneite es etwas. Meist wechselte alles immer wieder ab und zwar innerhalb einer Stunde 🙈. Der Campingplatz Los Perros liegt am Fuße des Los Perros Gletscher. Wir trafen zum wiederholten Mal auf Jens, der mit uns dann beobachtete, wie das Eis abbrach und Lawinen abgingen. Globale Erwärmung? Hier definitiv life zu beobachten 😐.

Am Nachmittag gab es das obligatorische Mittagsschläfchen in der Wiese, bis Regen und Schneeschauer einsetzten. Wir stellten fest, dass die Portionsangaben auf den Fertigessen nicht so ganz dem Energiebedarf und Hunger von 2 großen Männern entsprach und so tauschten wir ein halbes Glas Nutella und 2 Runden Rum mit einer Gruppe Chilenen, die zu viel Essen mithatten und dies gerne loswerden wollten, bevor es am nächsten Tag über den John Gardener Pass ging.

Tag 4 über den John Gardner nach Campamiento y Refugio Grey

Dieser Tag war mein persönliches Highlight, neben den Torres selbst. Wir stiegen von knapp 450m über den 1200m hohen Pass in absoluten Schneegestöber und richtig starkem Sturm. Ich war so froh, die Stöcke dabeigehabt zu haben, denn ohne sie hätte man nicht stehen bleiben können. An dem Tag gab es auf dem Pass 20cm Neuschnee und wir wurden so richtig eingesaut. Windgeschwindigkeiten in Bögen von 100km/h ließen nicht wirklich Hochsommerfeeling aufkommen. Nochmal zum Vergleich: Wir liefen sozusagen einmal im Hochsommer über den Fichtelberg im Schneesturm gelaufen und fanden uns vor dem 30km langen und 5km breitem Grey Gletscher wieder, auf der geografischen Breite von Hamburg. Also das ist schon ein etwas anderes Klima hier. Der Blick aber auf eben diesen Gletscher mit seinen unzähligen Gletscherspalten, tiefblauem Eis und einem riesigen 300x380m grossem abgebrochenen Eisberg im Lago Grey ließ alle Unannehmlichkeit des Wetters vergessen.

Es tat richtig gut, dass wir dann im Refugio in einem richtigen Bett übernachteten, unsere Sachen trocknen konnten und abends vor einem Ofen auf dem Sofa uns ausruhen konnten. Letztendlich war es wohl doch nicht so schlecht, dass wir kein Zeltstellplatz mehr bekommen hatten 😝!

Tag 5 Wanderung nach Paine Grande

Die Wanderung nach Paine Grande war, abgesehen vom regnerischen Wetter und andauernden Starkwinden, wieder sehr beeindruckend aber nicht so lang wie die Wanderungen der vergangenen Tage . Entlang des großen Gletschersees Grey ging es größtenteils nur bergab. Wir erreichten das Camp nachmittags um 3, bauten unser Zelt auf und chillten im Kochhaus. Hier hätte man auch WLAN für starke sieben Dollar pro Stunde kaufen können. Wir haben dankend drauf verzichtet.

Tag 6 Paine Grande nach Frances

Die Nacht war sehr stürmig und der Zeltplatz war auch gut dem Wetter ausgesetzt. So waren wir recht früh wach, bauten ab und machten uns auf den Weg entlang vieler Seen nach Frances. Kurz vor dem Camp Frances gab es das von der Parkbehörde betriebene Campamiento Italiano.

Hier ließen wir unsere schweren Rucksäcke zurück und wanderten 2 Stunden lang das Valle de Frances hinauf zum Mirador Britanico. Hier sollte es wunderschöne Aussichten auf die Berge und auf den See am Fuße des Tales geben. Ob dies bei dem Regen bzw. Schnee so gut zu sehen war, fragten wir uns mehrfach, jedoch hatten wir Glück als wir oben ankamen. Neben Jens, der hinter einem Stein über eine Stunde darauf wartete, dass es aufklarte, passierte genau dies just in dem Moment, in dem wir oben ankamen. Gutes Karma, würd ich mal meinen. 😉

Tag 7 von Frances nach Torre Central

Da wir nur noch einen Platz in einem bereits vom Campingplatzbetreiber aufgebautem Zelt erhielten (günstige 30€/Person 🙄) kamen wir relativ schnell los. Entlang des Lago Nordenskjöld ging es zu unserer letzten Unterkunft, dem Campingplatz Central, relativ nah am Eingang des Parks.

Die 15km legten wir in gut 5h zurück. Der Wind machte und gerade am Lago Inge gut zu schaffen. Man könnte denken, dass der Zeltplatz nah am Eingang des Parks gut ausgestattet ist, jedoch gab es hier nicht einmal ein Kochzelt. Man merkt, dass der Betreiber, dessen Familie zufälligerweise der halbe Park gehört, doch mehr auf die zahlungskräftigen Touristen aus ist, die in den massiv überteuerten Refugios übernachten (>200$/Nacht!!!) und weniger an campenden Backpackern interessiert ist. Das ist sehr traurig, aber das ist eben Chile. Es ist mir unerklärlich, wie solch ein bedeutender Nationalpark halb in privater Hand sein darf. In manchen Camps der besagten Firma, muss man sogar eine Korkgebühr von 6€ verrichten, wenn man sein eigenen Wein mitbringt – unmöglich!

Tag 8 Auf zu den Torres del Paine

Das Wetter sah ja nicht so vielversprechend aus, jedoch machten wir uns auf den 9km langen Weg ins Tal der Torres um, halb umgeweht doch die weltberühmten Torres Del Paine im Sonnenschein erleben zu dürfen. Ein wirklich überwältigender Anblick dieser bis 2800m großen Granitberge vom Fuße des Lago Torres. Ein krönenden Abschluss dieser Achttagewanderung!

Vielen Dank an Tobi, der eisern durch Wind und Wetter durchgehalten hat, immer lustige Sprüche auf Lager hatte und eine wirklich klasse Wandersmann ist. Gerne wieder!

Chile‘s Süden Teil 1 – Das Seengebiet 🌋

Chile ist mit seinen knapp 4500km Länge schon ein großes Land. Nach einigen Tagen im Norden und der Woche auf der Osterinsel traf ich mich mit meinem Freund Tobias aus Berlin. Er plante, einen Monat Urlaub in Chile zu machen und da ich ja auch gerade hier bin, verbrachten wir einige Tage zusammen in Santiago und Viña Del Mar beziehungsweise Valparaíso. Während er nach San Pedro fuhr zog es  mich weiter Richtung Süden. Wir wollen uns dann später in Patagonien wieder treffen, um gemeinsam im weltberühmten Torres Del Paine Nationalpark wandern zu gehen. Dazu aber später mehr.

Ich fuhr also im Nachtbus von Viña Del Mar nach Pucon, einer kleinen, recht touristischen, aber niedlichen Stadt am Fuße des Villaricca Vulkans. Die Stadt selbst hat bis auf eine große Hauptstraße mit ziemlich vielen Outdoorgeschäften und Touristenunterkünften sowie einen schönen Strand am Villaricca-See nicht all zu viel zu bieten. Im Winter wird es jedoch von vielen Ski- und Snowboardfahrern und im Sommer von vielen Wanderern besucht. Ich quartierte mich im Chili Kiwi Backpackerhostel ein. Es ist ein sehr gemütliches Hostel direkt am See mit Zimmern im Haupthaus, in einem Baumhaus oder auch kleinen Hobbithütten mit Aussicht auf den Vulkan – wunderschön mit richtig gute Atmosphäre!

Von hier aus besuchte ich noch am Tag meiner Ankunft ziemlich coole Wasserfälle, die ein wenige Wanderstunden außerhalb der Stadt liegen.

Am nächsten Tag ging es in den Huerquehue Nationalpark – einer wahren Perle der Natur. Glasklare Gebirgsflüsse, saftig grüne Wälder, blauer Himmel und die letzten Schneereste. Es ist wirklich toll hier, wandern zu gehen.

Am nächsten Morgen ging es richtig früh los. Auf dem Programm stand die Besteigung des Villariccas 🌋. Der Vulkan zählt neben dem von mir schon bestiegenen Lascar, zu den aktivsten, wenn nicht sogar dem aktivsten Chiles. Er ist 2861m hoch und war noch komplett im Schneemantel, aber immer mit einer Rauchfahne versehen. Ich hörte, dass man oben im Krater sogar Lava sehen kann. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Besonders geil ist, dass man den Vulkan mit dem Snowboard wieder runterfahren kann. Nach 5 Stunden Aufstieg in einer leider sehr großen Gruppe von 15 Personen, habe ich mir mit einer Atemschutzmaske den Krater angeschaut. Lautes Knarren und Krachen war zu hören und ab und zu sah man dann tatsächlich Lava im Krater blubbern. Es hat jedoch sehr stark geraucht und die Gase brannten in den Augen. Gut das wir die Maske mit dabei hatten. Nach 20 Minuten am Kraterrand ging es dann 45 Minuten mit dem Snowboard durch fast unberührte Schneepisten. Einfach der Hammer im Sommer auf dem Board da runter zu ballern. 🏂

Am letzten Tag in Pucon mieteten wir uns ein Kayak und paddelten auf dem Lago Villaricca umher und sonnten uns an einem wunderschönen Vulkansteinstrand. Ich hab mich sogar ins Wasser getraut. Sehr erfrischend und kristallklar!

Der nächste Stopp war in Osorno. Hier besuchte ich meine ehemalige Mitbewohnerin Pamela aus Potsdam. Sie stammt ursprünglich aus Quito, wohnt und arbeitet aber schon eine ganze Weile in Chile. Sie hat ein Auto und nahm sich die Zeit, mit mir das wunderschöne Seengebiet um den Vulkan Osorno zu erkunden. Vielen Dank dafür Pamela!

Wir hielten im Skigebiet des Osorno Vulkans, an Wasserfällen, traumhaft schönen Seen und aßen ein typisches Onces mit Kuchen und Strudel auf einer der vielen deutschstämmigen Haciendas. Ich hätte nicht gedacht, wie viel deutsche Wurzeln in dieser Gegend zu finden sind. Es ist aber auch nicht verwunderlich, dass viele Deutsche hierhin ausgewandert sind, denn die Gegend erinnerte mich schon sehr an Deutschlands Süden. Naja, nur mit vielen Vulkanbergen haben wir in Deutschland nicht. Am nächsten Tag besuchte ich den Nationalpark am Lago Puyehue. Die Bilder sprechen wohl hier für sich.

Damit ging auch meine Zeit im Lake District zu Ende und ich flog von Puerto Montt nach Punta Arenas an der Magellanstraße. Hier bin ich schon mitten in Patagonien angekommen und bin damit am südlichsten Punkt meiner Reise – knapp 7500km südlicher von meinem nördlichsten besuchten Gegend in La Guajira in Kolumbien. Mit 53 Grad südliche Breite ist Punta Arenas auf vergleichbarer Höhe wie Hamburg.

Aber obwohl hier gerade Hochsommer ist, ist es doch anders, als in Deutschland um diese Jahreszeit. Was ich hier alles erlebte, erfahrt ihr im nächsten Blogpost. Es wartet der Besuch bei Pinguinen und meine geplante 8 Tage lange Wanderung durch den Torres Del Paine Nationalpark mit Tobi auf euch. Bis dahin verbleibe ich mit einem Hasta luega, amigos!